Heynckes: "Wäre zu keinem anderen Verein zurückgekehrt"

Kerry Hau, Reinhard Franke, Martin Volkmar, Sportinformationsdienst (SID)
Jupp Heynckes kehrt als Trainer zum FC Bayern zurück

Trainerbank statt Gartenstuhl, hektisches Fußball-Geschäft statt idyllischem Ruhestand: Mehr als vier Jahre nach dem historischen Triple verlässt Jupp Heynckes seinen Bauernhof am Niederrhein noch einmal, um zu seinem FC Bayern zurückzukehren.

"Ich wäre zu keinem anderen Verein der Welt zurückgekehrt, aber der FC Bayern ist eine Herzensangelegenheit für mich. Mein Trainerteam und ich werden nun alles daran setzen, dass die Mannschaft den Fans bald wieder erfolgreichen Fußball präsentieren wird. Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe", sagte der 72-Jährige.


Ab Montag soll er den angeschlagenen Rekordmeister, der den sensationellen Coup am Freitagnachmittag offiziell bestätigte, nach schwierigen Monaten unter Carlo Ancelotti wieder in die Erfolgsspur bringen.

Auch Hermann und Gerland kehren zurück

Heynckes, der sich nach eigenen Angaben "topfit" fühlt, unterschrieb wie einen befristeten Vertrag bis zum Saisonende. Zuvor hatten die Bayern seine Bedingung erfüllt und Wunsch-Assistent Peter Hermann für eine feste Ablösesumme vom Zweitliga-Spitzenreiter Fortuna Düsseldorf verpflichtet.

Neben Hermann (65) setzt "Don Jupp" auf weitere alte Bekannte. Hermann Gerland (63), der seine neue Tätigkeit als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums an der Säbener Straße ruhen lässt und Dr. Holger Broich (43), der den Fitnessbereich übernimmt, komplettieren den neuen Trainerstab. Toni Tapalovic (36) bleibt nach wie vor Torwarttrainer.

Sagnol vorerst ohne Funktion

Für den als Interimscoach abgesetzten Willy Sagnol ist dagegen kein Platz mehr. Nach SPORT1-Informationen sollen aber in Kürze Gespräche mit dem Franzosen über einen Verbleib im Klub geführt werden. Sagnol kann sich vorstellen, in einer anderen Funktion weiterzumachen. Sein Vertrag läuft noch bis 2019.

"Zwischen Jupp Heynckes und dem FC Bayern besteht ein großes Vertrauensverhältnis. Er ist zum jetzigen Zeitpunkt der ideale Trainer für den FC Bayern", betonte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.


Heynckes, den vor allem mit dem Präsidenten Uli Hoeneß eine innige Freundschaft verbindet, sei ein "Meister in Sachen Menschenführung und Taktik. Wir sind überzeugt davon, dass er genau der richtige Mann ist, um unsere Ziele zu erreichen", ergänzte Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

Keine Gespräche mit Nagelsmann

Der Routinier ist als Übergangslösung gedacht, bevor 2018 ein neuer Coach übernehmen und den geplanten Umbruch vorantreiben soll.

Als Favorit wird weiter Julian Nagelsmann gehandelt. Nach SPORT1-Informationen gibt es mit dem vertraglich bis 2021 an die TSG Hoffenheim gebundenen Trainer jedoch keinerlei Vorabsprachen über eine Zusammenarbeit ab dem kommenden Sommer. 

Bis dahin dreht sich bei den Bayern ohnehin erst einmal alles um "Don Jupp".

Der frühere Nationalspieler trägt bereits zum vierten Mal seit 1987 die Verantwortung bei den Münchnern. Am 14. Oktober wird er beim Heimspiel in der Allianz Arena gegen den SC Freiburg auf die große Bühne zurückkehren, sein erstes Training leitet er am Montag.

Boateng schon in Vorfreude

Derzeit liegen die Bayern fünf Punkte hinter Tabellenführer Borussia Dortmund. Zudem nagt das deutliche 0:3 in der Champions League gegen Paris Saint-Germain, das zum Rauswurf von Ancelotti geführt hatte, am Selbstverständnis der Roten.

"Jupp Heynckes ist eine Top-Lösung, um in die Erfolgsspur zurückzukehren", zeigte sich mit Ottmar Hitzfeld eine andere Trainer-Ikone des Rekordmeisters bei SPORT1 von dem Coup begeistert. "Er kennt den Verein, das Umfeld und das Team und sein Engagement bringt die nötige Ruhe."


Heynckes, drittältester Trainer der Bundesliga-Historie, genießt bei den Bayern seit dem Triple 2013 Kultstatus. Auch die Mannschaft, die zuletzt unter Ancelotti in der Krise gesteckt hatte, rollte der Legende bereits den roten Teppich aus.

"Eine bessere Lösung gibt es nicht", sagte Weltmeister Jerome Boateng. Heynckes sei, so der Abwehrspieler, "ein ganz großer Trainer mit viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung". Vor allem aber komme er "gut mit den Oberen zurecht" und auch "den Spielern, die nicht so oft spielen".

Beckenbauer appelliert an die Mannschaft

Heynckes steht eine große Herausforderung bevor, die ihm aber auch Bundestrainer Joachim Löw ("Er hat eine tolle Ausstrahlung") und Franz Beckenbauer zutrauen.

Er sei zunächst zwar überrascht gewesen, "dass sich der Jupp das Wagnis antut", doch je mehr er darüber nachdenke, sagte der "Kaiser" der Bild, "desto besser gefällt mir seine Rückkehr. Ich glaube, er kann die Situation in den Griff bekommen. Eines ist klar: Jetzt muss die Mannschaft Charakter zeigen und darf sich nicht länger hinter dem Trainer verstecken".


Heynckes kennt die komplizierten Strömungen bei den Münchnern, die Eitelkeiten der Bosse - und zudem viele der Stars noch aus seiner höchst erfolgreichen Zeit.

Spieler wie Boateng, Thomas Müller, Franck Ribery, Arjen Robben oder Mats Hummels, die mit Ancelotti Probleme hatten, werden ihn respektieren und ihm folgen - mit der Spanisch sprechenden Fraktion kann er sich in deren Muttersprache unterhalten. Und die Fans lieben Heynckes ohnehin.