Heynckes wirft Ancelotti Fehler vor

Jupp Heynckes (M.) hat keinen adäquaten Ersatz für Robert Lewandowski

Trainer Jupp Heynckes vom FC Bayern hat seinem Vorgänger Carlo Ancelotti und dessen Team vorgeworfen, bei der Kaderplanung nicht gut gearbeitet zu haben.

Auf die Frage, ob ein fehlender zweiter Stürmer der Konstruktionsfehler im Kader sei, antwortete Heynckes in der Süddeutschen Zeitung: "Ja, aber weil die Trainer es nicht gewollt haben. Das müssen Sie sehen: Die Trainer wollten ausdrücklich keinen zweiten Stürmer. Was soll der Verein da machen?"

Die Verpflichtung eines zweiten Mittelstürmers könnte jetzt im Winter nachgeholt werden - Sandro Wagner von der TSG Hoffenheim ist ein heißer Kandidat.

Grundsätzlich ist Heynckes aber kein Freund von Wintertransfers: "Im Winter jemand Adäquates zu finden, der dir noch dazu für ein zwei Jahre hilft, das ist nicht einfach", meinte Heynckes: "Deshalb ist meine Meinung: Du musst die Dinge im Sommer richtig planen."

"Lebenserwartung nicht mehr so üppig"

Im nächsten Sommer ist definitiv Schluss für Heynckes beim Rekordmeister.

"Ich mache es bis zum 30. Juni", stellte er erneut klar. "Ich bin zwar fit, es macht mir Spaß", sagte er, "nur: Man weiß nie, wie viel Zeit man noch hat, sein Leben zu genießen."


Er sei nun 72, da sei "die eigene Lebenserwartung nicht mehr so üppig. Ich sehe auch, wie viele Weggefährten in meinem Alter schon gegangen sind." Heynckes widersprach damit erneut dem Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß, der ein längeres Engagement seines Freundes für möglich gehalten hatte.

Heynckes, der sich eigentlich schon nach dem Gewinn der Champions League im Sommer 2013 mit dem FC Bayern in den Ruhestand verabschiedet hatte und auf einem Bauernhof am Niederrhein wohnt, lebt nun in München im Hotel. "Wenn ich spät nach Hause komme, ist da niemand", sagte er: "Für eine gewisse Zeit geht das, aber das ist nicht das Leben, das man sich wünscht."

Sonderbehandlung von Vidal

Womit man sich in diesem Alter sicherlich auch nicht unbedingt gerne herumschlägt, sind aufgebrachte Fußball-Profis. Im Fall von Arturo Vidal hatte Heynckes härter durchgreifen müssen, als er es normalerweise tut.

Der Coach wies den Chilenen öffentlich zurecht, nachdem dieser sich nach seiner frühen Auswechslung in der Champions League bei Celtic Glasgow echauffiert hatte.

"Das habe ich ja selbst bewusst öffentlich gemacht. In der Regel mache ich das nicht. Er musste mal einen Schuss vor den Bug kriegen", erklärte Heynckes sein Vorgehen.


Heynckes hatte mit Vidal bereits als Leverkusener Trainer unter seinen Fittichen. Auch damals war es zu einem Ausraster des Mittelfeldspielers gekommen, den Heynckes gekonnt managte.

"Er hatte früh Gelb gesehen und spielte vogelwild weiter, wie er das ja manchmal tut. Rumms, in die Zweikämpfe. Er sagte dann zu Simon Rolfes, der war damals Kapitän: 'Ich flieg zurück nach Chile'. Da hab ich gesagt: 'Simon, bestell ihm einen schönen Gruß. Er soll schnell das nächste Flugzeug nehmen'", erläuterte Heynckes, weshalb er Vidal damals nach 29 Minuten vom Platz geholt hatte.

"Tja, und danach sind wir ziemlich beste Freunde geworden. Arturo braucht ab und zu mal einen Dämpfer", ergänzte Heynckes.