Die Hexenjagd auf Werner muss ein Ende haben

Matthias Becker

Der 3. Dezember 2016 ist ein Tag, den Timo Werner wahrscheinlich gerne noch mal nachspielen würde. Die peinliche Schwalbe des Leipzigers in der Partie gegen den FC Schalke zementierte das Image dieses hochtalentierten Jung-Stürmers in brutalem Ausmaß.

Werner? Das ist doch der mit der Schwalbe! Ein paar Tage hagelte es berechtigte Kritik. Er entschuldigte sich - ab diesem Zeitpunkt hätte es auch wieder gut sein können. Doch eine Gruppe Fußball-Fans nutzt den RB-Spieler seitdem als Feindbild für alles, was ihnen am modernen Fußball gegen den Strich geht: Unehrlicher Schnösel-Söldner beim Kommerz-Klub Nummer 1.

Diese unsägliche Hexenjagd muss jetzt ein Ende haben. Man kann für Werner nur hoffen, dass der 4. September 2017 in seinem Kopf bald die Erinnerung an den 3.12.16 auslöscht. Es war der Tag, an dem Werner in seiner Heimat Stuttgart von 60.000 Menschen gefeiert wurde für seine überragende Leistung im WM-Qualifikationsspiel gegen Norwegen.


Es ist traurig, dass es erst den Fan-Eklat von Prag brauchte, um dem ein oder anderen die Augen zu öffnen. Anders lässt es sich kaum erklären, dass nun ausgerechnet in Stuttgart, wo die Fans nach Werners Wechsel vom VfB zu RB Leipzig ja doppelt Anlass gesehen haben könnten, Werner zu attackieren, der Stimmungsumschwung stattgefunden hat.

Der pöbelnde Pulk, der am Freitag neben Sieg-Heil-Rufen auch die Schmähgesänge auf Werner anstimmte, entlarvte, wie billig die Attacken auf den Leipziger eigentlich sind. Natürlich hätte er sich die Aktion gegen Schalkes Naldo damals sparen sollen. Wenn sich sogar ein Feingeist wie Ballermann-Barde Ikke Hüftgold von dem Schmäh-Lied distanziert, dass er selbst mit in die Welt setzte, sollten sich auch die Jungmännergruppen auf Sauftour und in Fankurven mal auf Wichtigeres konzentrieren.


Der Großteil der Fußballfans, der sich eine erfolgreiche Nationalmannschaft wünscht, ist sowieso eher von Werners Potenzial beeindruckt. Sechs Tore in den ersten acht Länderspielen. Damit hat der Ex-Stuttgarter einen besseren Start hingelegt als Miroslav Klose (fünf Tore in acht Spielen). Sogar der direkte Konkurrent Mario Gomez schwärmt von Werner.

Bei einer Facebook-Umfrage von SPORT1 sprach sich eine deutliche Mehrheit dafür aus, Werner in Ruhe zu lassen. Von 12.000 Befragten sprachen sich 7.300 dafür aus, dass es „so langsam mal gut sein sollte“.

Eine Erkenntnis, die sich hoffentlich auch in den Bundesliga-Stadien durchsetzt - außer auf Schalke vielleicht.