Wenn heute die Staats- und Regierungschefs in Kanada zum G7-Gipfel zusammenkommen, droht nichts Geringeres als die Spaltung der Wertegemeinschaft. Die Ereignisse im Newsblog.

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Merkel schließt Rückkehr Russlands in den G7-Kreis aus

Geschlechtergerechtigkeit war eines der Kernthemen des Gipfels. Arme Mädchen sollen künftig mehr gefördert werden. Die Ereignisse im Überblick.

Die Teilnehmer des G7-Gipfels, der am Freitag und Samstag in Kanada stattfindet, setzten auf Konfrontation: Die US-Strafzölle entzürnen den Gastgeber und die Europäer. Aber auch der US-Präsident betont, wie unfair sich die Partner verhielten. Ob sich die Streitparteien noch verständigen? Die Ereignisse des Tages im Newsblog.


+++ 9:20 Uhr, Deutsche Wirtschaft uneinig über beste Strategie im Handelsstreit +++
Die Frage, wie die EU am besten auf die Zölle aus den USA reagieren sollte, beantworten Vertreter der Wirtschaft uneinheitlich. Siemens-Chef Joe Kaeser warnt vor einer weiteren Zuspitzung: „Eskalation war noch nie eine gute Antwort“, sagte er in München am Rande einer Fraktionsklausur der Europäischen Volkspartei (EVP). „Insofern muss man hier schauen, wo die Gemeinsamkeiten liegen und die dann auch finden.“

Die deutschen Familienunternehmen schlagen einen ganz anderen Ton an: Die angekündigten europäischen Gegenmaßnahmen seien „geradezu lächerlich“, sagte der Chef der Stiftung Familienunternehmen, Brun-Hagen Hennerkes. Zugleich warnt er vor drohenden US-Importzöllen auf Autos: „Ohne Zweifel: US-Autozölle kämen Deutschland teuer zu stehen.“


+++ 8:45 Uhr, Trump will G7-Gipfel früher abreisen +++
US-Präsident Donald Trump will den Gipfel der sieben großen Industrienationen in Kanada vorzeitig verlassen. Er werde direkt von dem G7-Treffen nach Singapur reisen, wo er in der kommenden Woche mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un zusammentrifft, teilte Trumps Sprecherin Sarah Sanders mit. Dazu werde der Präsident bereits am Samstagmorgen nach einer Sektion zur Förderung von Frauen aufbrechen, hieß es. Ein Berater des Präsidenten werde ihn für den Rest des G7-Gipfels vertreten, der am Freitag und Samstag im kanadischen La Malbaie bei Québec stattfindet.


+++ 8:32 Uhr, Kanzlerin Merkel auf dem Weg nach Kanada +++
Bundeskanzlerin Angela Merkel ist am Freitagmorgen zum zweitägigen G7-Gipfel nach Kanada abgeflogen. Welche Gespräche die Bundeskanzlerin am Rande des Gipfels führen wird, war zunächst offen. Als wahrscheinlich galt, dass sie den japanischen Regierungschef Shinzo Abe und dessen neuen italienischen Amtskollegen Giuseppe Conte treffen wird. Ob es eine Unterredung mit Trump im kleinen Kreis gibt, war zunächst ebenfalls unklar.


+++ 8:24 Uhr, Außenminister Maas kritisiert Trumps Europa-Politik +++
Bundesaußenminister Heiko Maas hat wenig Verständnis für den den außenpolitischen Kurs von US-Präsident Donald Trump. Dessen Nein zum Klimavertrag, die Kündigung des Iran-Abkommens und die Zoll–Angriffe seien allesamt einseitige Entscheidungen zum Schaden Europas, sagt Maas der „Süddeutschen Zeitung“. Trump nehme „bewusst in Kauf, dass die Nachteile sich unmittelbar in Europa auswirken“.


+++ 8:15 Uhr, Proteste in Québec gegen den Gipfel +++

Hunderte Menschen haben im kanadischen Québec gegen den G7-Gipfel führender Industrienationen demonstriert. Die von einem Bündnis mehrerer Widerstandsorganisationen organisierte Demonstration zog am Donnerstagabend (Ortszeit) durch die Innenstadt von Québec. „Die G7 repräsentieren uns nicht“, stand unter anderem auf den Plakaten der Demonstranten. Zu hören waren Slogans wie „Keine Deportationen! Öffnet die Grenzen!“. Die Proteste blieben weitgehend friedlich. Für Freitag und Samstag sind weitere Demonstrationen angekündigt.




+++ 8:08 Uhr, Wirtschaftsminister Altmaier hält Ausgang des Gipfel für ungewiss +++

„Wie dieser Gipfel ausgehen wird, das weiß niemand. Er hat seine eigenen Gesetze“, sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier am Freitagmorgen im ZDF. „Aber es ist richtig, dass es schwieriger ist als in den letzten Jahren.“ Entscheidend sei, ob man die Kraft finde zwischen Europa und den USA, um zu einem gemeinsamen Vorgehen zu kommen – nicht nur in außenpolitischen, sondern auch in wirtschaftspolitischen Fragen wie im Handel. Europa müsse geschlossen auftreten, seine Sicherheitsinteressen in die Hand nehmen und seine Wirtschaftsinteressen stärken, sagte Altmaier.


+++ 8:00 Uhr, Trump schimpft auf Kanada und die Europäer +++
US-Präsident Donald Trump hat schon vor dem Beginn des G7-Gipfels die EU und Kanada wegen ihrer Handelspolitik scharf kritisiert. Die Länder verlangten hohe Zölle und hätten andere Handelsbarrieren errichtet, erklärte Trump am Donnerstag auf Twitter.


Dies sei gegenüber amerikanischen Bauern, Arbeitern und Unternehmen unfair. Würden Zölle und Handelshürden nicht abgebaut, würden die USA mit härteren Maßnahmen reagieren. Der französische Präsident Emmanuel Macron und der kanadischen Regierungschef Justin Trudeau hatten bei einem Treffen die US-Handelspolitik kritisiert. Macron sagte mit Blick auf Trump: „Niemand von uns währt ewig.“


+++ 7:55 Uhr, Handelsstreit ist das Top-Thema +++
Die sieben G7-Staats- und Regierungschefs treffen sich am Freitag und Samstag in Charlevoix am Sankt-Lorenz-Strom.


Der Streit über die Handelspolitik und besonders die US-Zölle auf Stahl und Aluminium dürften das beherrschende Thema sein. Die Staatengruppe ist deswegen so gespalten wie noch nie in ihrer 42-jährigen Geschichte. Weil die Standpunkte der US-Regierung und der übrigen G7-Mitglieder Kanada, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Italien und Japan so weit auseinander liegen, wird nicht mit einer Einigung gerechnet.


+++ 7:30 Uhr, „Manoir Richelieu“ – Das Hotel der Staatschefs +++

405 Zimmer, 5 Pools, 4 Restaurants, Kasino, Golfplatz und dazu ein Panoramablick über den Sankt-Lorenz-Strom: Im „Manoir Richelieu“-Hotel in La Malbaie, etwa 150 Kilometer nordöstlich von Québec, findet von heute an der G7-Gipfel statt. Das 1899 errichtete und 1928 nach einem Brand wiederaufgebaute Hotel ist in Kanada als Luxusferienort berühmt. Mit seinen Zinnen und Türmchen sehe das Fort-ähnliche Gebäude aus „wie das Hauptquartier des Endgegners in einem alten Nintendo-Spiel“, schrieb der Reiseführer „Lonely Planet“ einmal. La Malbaie hat etwa 15.000 Einwohner und gilt als idyllisches Urlaubsgebiet.