In der "heute-show" geprüft: Ist Angela Merkel die schlechteste Diktatorin der Welt?

Jürgen Winzer
·Lesedauer: 5 Min.
Ist Angela Merkel eine gute Diktatorin? Christian Ehring (links) gab in der "heute-show" mit Oliver Welke die Antwort: Nein! (Bild: ZDF)
Ist Angela Merkel eine gute Diktatorin? Christian Ehring (links) gab in der "heute-show" mit Oliver Welke die Antwort: Nein! (Bild: ZDF)

Neue inoffizielle Titel verlieh die "heute-show" den Mächtigen: Markus Söder wurde geadelt, Angela Merkel als schlechteste Diktatorin prämiert. Für Armin Laschet blieb hauptsächlich Häme und Mitleid. Oliver Welke: "Seine Marke wurde komplett zerstört."

Als wäre es die Oscar-Nacht, verteilte die "heute-show" mit Moderator Oliver Welke - zwischen den satirischen Zeilen - besondere Ehrenpreise. Einen besonderen Titel, wenn auch einen negativen, gab es für Kanzlerin Angela Merkel - selbst nach ihrem "Osterruhe-Waterloo" (O-Ton Welke): Sie ist, der "heute-show"-Check hat's ergeben, "die schlechteste Diktatorin der Welt".

Ausgangspunkt des "Diktaturen-Checks" von Christian Ehring war das Geblöke der Querdenker, die die "Corona-Diktatur von Angela Merkel" anprangern. Aber ist Deutschland wirklich zu einer Diktatur verkommen? Ehring prüfte einzelne Aspekte. Zunächst die Visionen: "Manche Diktatoren träumen von der Weltherrschaft. Angela Merkel davon, eines Tages mal Tübingen zu kontrollieren. Oder das Saarland."

Es folgte das Personal: "Anderswo werden schlechte Führungsleute dauernd gefeuert. Aus dem Kabinett Merkel kann man gar nicht rausfliegen." Schließlich der Machterhalt: "Putin hat ein Gesetz erlassen, dass er bis 2036 bleiben kann. Merkel schafft's nur bis Oktober - und sie geht freiwillig. Erbärmlich." Ehrings Rat lautete: "Merkel sollte mal ein Auslandspraktikum in Russland machen". Das Fazit fielt bitter aus: "Wenn wir eine Diktatur sind, dann sind wir die schlechteste Diktatur der Welt."

Aachener Hobbit-Power gegen fränkische Urgewalt: Wie steht's im K-Kampf zwischen Armin Laschet und Markus Söder? (Bild: ZDF)
Aachener Hobbit-Power gegen fränkische Urgewalt: Wie steht's im K-Kampf zwischen Armin Laschet und Markus Söder? (Bild: ZDF)

Oliver Welke: "Markus Söder ist der Mobbing-König"

Markus Söder dagegen wurde "geadelt": "Söder ist der Mobbing-König", meinte Welke ("Söder hat das Talent zum Dissen") wegen der Giftpfeile, die Söder "seit Tagen in einer Tour" gegen den "armen Armin Laschet" fliegen lasse. König, das könnte Söder gefallen, er trat schließlich schon mal als Bayern-König Ludwig II. auf. Und vielleicht will der "Bayern-Kini" ja auch "König von Deutschland" werden: Die Kanzlerfrage in der Union soll bis Pfingsten geklärt sein.

Im Kampf "Aachener Hobbit-Power" (Armin Laschet) gegen "Fränkische Urgewalt" (Markus Söder) schaue es derzeit für den NRW-Granden nicht gut aus. "Brücken-Armin" sehen nach Umfragen nur 29 Prozent der Unions-Anhänger als geeigneten Kandidaten, Söder dagegen 79 Prozent. Viele CDU-Abgeordnete hätten sich schon für Söder ausgesprochen. Aber weil sie "Schiss haben, dass sie mit Kandidat Laschet ihr Bundestagsmandat verlieren." Und nicht etwa, weil sie Söder mögen. Denn, so Welke: "Das geht ja gar nicht."

"Söder gibt halbwegs überzeugend den Macher", meinte Oliver Welke über Markus Söders Wirken im Freistaat Bayern. (Bild: ZDF)
"Söder gibt halbwegs überzeugend den Macher", meinte Oliver Welke über Markus Söders Wirken im Freistaat Bayern. (Bild: ZDF)

"Warum hat Söder die Marke Laschet komplett zerstört? Weil er's kann!"

Warum aber, so fragte Welke, hätte "Söder die Marke Laschet komplett zerstört", wo er doch noch nicht mal gesagt habe, dass er wirklich Kanzler werden wolle? Antwort: "Weil er's kann. Weil er böse ist. Weil es Tradition ist." Welke: "Wahnsinn, wen Söder für seine Karriere schon alles aus dem Weg geräumt hat." Im Einspieler wurden die "Söder-Opfer" Horst Seehofer und Ilse Aigner gezeigt.

Noch gebe es aber Hoffnung: "Bisher ist kein Bayer Deutscher geworden, äh, Kanzler geworden", versprach sich Welke. Denn das Entscheidungskriterium für die K-Frage sei, so Laschet, "wer die besten Aussichten hat, in ganz Deutschland die Wahl zu gewinnen." Welke gab Söder einen "unverbindlichen" Tipp, wenn er Kanzler aller Deutschen werden wolle: "Bisschen weniger große Fresse haben, wie geil Bayern ist."

Vielleicht geht ja aber ein "Weder Söder noch Laschet", so die Hoffnung der "heute-show". Diese unterstützt "offiziell" Ralph Brinkhaus als den letzten möglichen Retter der Union. Seine Qualitäten: "Er hat sich das Amt des CDU-Fraktionsvorsitzenden gegen den erklärten Willen der Kanzlerin geschnappt und kritisiert in Corona-Debatten seine eigene Regierung." Welkes Urteil: "Guter Mann!"

"Söder ist Mobbing-König!" - Oliver Welke schoss gegen den CSU-Obersten.  (Bild: ZDF)
"Söder ist Mobbing-König!" - Oliver Welke schoss gegen den CSU-Obersten. (Bild: ZDF)

"Länder und Kanzleramt streiten, anstatt Leben zu retten."

Sorgen, ganz akute, bereite auch die Pandemiebekämpfung die Regierenden. "Es war ein historischer Fehler der Länderchefs, mitten im exponentiellen Wachstum der Corona-Zahlen zu lockern", stellte Welke fest, kritisierte, dass "Länder und Kanzleramt streiten, anstatt Leben zu retten" und meinte frustriert: "Wenn ich Drosten wäre, ich würd die überhaupt nicht mehr beraten. Völlige Zeitverschwendung."

"Weit und breit kein Plan", konstatierte Welke, dafür weiterhin Schneckentempo bei Impfen und Testen. Es mute wie Realsatire an, dass die großspurig gegründete Taskforce Testlogistik (unter Jens Spahn und Andy Scheuer) nach nur drei Sitzungen in den "Stand-by-Modus verabschiedete - weil alle Ziele erreicht seien!

Und die Kanzlerin? Sie sprach bei Anne Will ein Machtwort und setzte eine 14-Tage-Frist in Aussicht, in der sie "nicht tatenlos zusehen" wolle. Welke: "Die Frist endet übermorgen. Und was ist bisher passiert: nichts. Absolut nichts!"

Der Berg dachte und gebar einen "Brücken-Lockdown". Welke: "Laschet hat echt 'nen Anti-Lauf." (Bild: ZDF)
Der Berg dachte und gebar einen "Brücken-Lockdown". Welke: "Laschet hat echt 'nen Anti-Lauf." (Bild: ZDF)

Gernot Hassknecht beleidigt den deutschen Spargel!

Und trotzdem: Es gibt gute Nachrichten. Für die Zocker-Industrie zum Beispiel. Ab 1. Juli tritt ein neuer Staatsvertrag in Kraft, der Online-Glücksspiele legalisiert. Dann könne jeder, so Welke, ungebremst 24 Stunden pro Tag Haus und Hof verzocken. Und nicht etwa, wie es in der Vertragserläuterung heißt, damit dem "natürlichen Spieltrieb des Menschen" Rechnung getragen werde. Sondern damit es in der deutschen Steuerkasse noch lauter klingele: "Schon jetzt kassiert der Staat über fünf Milliarden, weit mehr als er durch Alkohol verdient." Dagegen seien rund 500.000 Spielsüchtige in Deutschland offenbar leicht zu verschmerzen.

Schmerzen bereitet dagegen Gernot Hassknecht (Hans-Joachim Heist) das "Geschiss", das um den deutschen Spargel, das "Albinopimmelgemüse", gemacht werde. Der "fasrige Quatsch" sei total überschätzt, werde aber von der Politik verteidigt. Der Bundestag schalte sich sogar ein, damit die Erntehelfer "noch besser ausgebeutet werden" könnten. Hassknecht: "Das Parlament hat bei Corona nix zu melden, aber beim Spargel!" Sein getobtes Fazit: "Wenn die GroKo das Impfen so vorantreiben würde, wie die Spargelernte, dann wäre inzwischen sogar mein Hamster geimpft."

"In einer Tour Giftpfeile gegen den armen Armin": Warum hat Söder, so Welke, die Marke Laschet komplett zerstört? (Bild: ZDF)
"In einer Tour Giftpfeile gegen den armen Armin": Warum hat Söder, so Welke, die Marke Laschet komplett zerstört? (Bild: ZDF)