Hessische Regierung verlangt Garantie für Unabhängigkeit von Ditib-Landesverband

Drei von der hessischen Landesregierung in Auftrag gegebene Expertengutachten zur Unabhängigkeit des türkisch-islamischen Moscheeverbands Ditib vom türkischen Staat haben keine Belege für eine direkte Einflussnahme auf Lehrer oder Inhalte im Rahmen des schulischen Islamunterrichts ergeben. Dies teilte das hessische Kultusministerium am Dienstag in Wiesbaden mit.

Zugleich erklärte das Ministerium unter Verweis auf die drei Expertisen, es gebe auch weiterhin "begründete Zweifel" an der generellen Unabhängigkeit des hessischen Ditib-Landesverbands von Bundesverband, der türkischen Religionsbehörde Diyanet und damit letztlich von der türkischen Regierung. Es setzte dem Landesverband eine Frist bis zum 31. Dezember 2018, um die Basis für eine Unabhängigkeit vom Ditib-Bundesverband zu schaffen.

Dazu zählt demnach der Aufbau eines Mitgliederregisters und professioneller Verwaltungsstrukturen. Ditib kooperiert mit der Landesregierung bei Fragen der theologischen Ausrichtung des Islamunterrichts an staatlichen Schulen, der seit 2013 angeboten wird. Der Unterricht wird dabei auf Deutsch von staatlichen Lehrern und nach staatlichen Lehrplänen erteilt.

Die Frage nach der Unabhängigkeit von Ditib und der Eignung des Verbands als Kooperationspartner für den deutschen Staat war angesichts der politischen Entwicklungen in der Türkei in den vergangenen Monaten verstärkt in den Fokus gerückt. Das hessische Kultusministerium bestellte deshalb im Februar die Gutachten.

Seinen Angaben zufolge besuchen in Hessen derzeit etwa 3300 Schüler den sogenannten bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht in den Klassen eins bis fünf. Diesen gibt es in zwei Varianten: Neben der mit Ditib gestalteten Version gibt es ein weiteres Modell, an dem der muslimische Verband Ahmadiyya Muslim Jamaat beteiligt ist. Insgesamt gibt es an allgemeinbildenden hessischen Schulen rund 628.000 Schüler.