Herzogin Meghan + Prinz Harry: Jetzt wird abgerechnet!

Jennifer Renk
·Lesedauer: 6 Min.

Ein Jahr ist es her, dass Herzogin Meghan und Prinz Harry dem britischen Königshaus den Rücken kehrten. Zeit für eine Bilanz: Was ist gut, was ist schlecht gelaufen? Teil 1.

  Herzogin Meghan und Prinz Harry
Herzogin Meghan und Prinz Harry

Sich von einer Institution loszusagen, in die man nicht nur hineingeboren wurde, sondern der auch die Familie angehört, ist nicht leicht. Das musste Prinz Harry im Januar 2020 erfahren, als er und Herzogin Meghan bekanntgaben, ihre Arbeit für die Monarchie zugunsten finanzieller Unabhängigkeit und mehr Privatsphäre niederzulegen. Ein Schritt, der dem Paar viele Chancen, aber auch Risiken und Kritik einbrachte.

Herzogin Meghan und Prinz Harry: So läuft der Megxit

Thema 1: Finanzielle und berufliche Unabhängigkeit

Es waren überraschende Worte, mit denen Prinz Harry und Herzogin Meghan am Abend des 8. Januars 2020 an die Öffentlichkeit traten: Man beabsichtige, als hochrangige Mitglieder der königlichen Familie zurückzutreten und daran zu arbeiten, finanziell unabhängig zu werden. Haben sich die Absichten inzwischen erfüllt? Ja, sie haben – wenn auch mit Startschwierigkeiten.

Ihren letzten Auftritt als Senior Royals absolvierten Prinz Harry und Herzogin Meghan am 9. März in London. So weit, so gut. Drei Tage später allerdings erklärte die Weltgesundheitsorganisation den Ausbruch des Coronavirus zu einer Pandemie. Die Welt stand still und der Neuanfang der Sussexes gleich mit. Erst am 2. September gab es Neuigkeiten zu vermelden: Das Paar habe einen Deal mit dem Streaming-Dienst Netflix abgeschlossen, gab ein Sprecher bekannt. Am 15. Dezember folgte die Verkündung der Zusammenarbeit mit der Audio-Plattform Spotify. Durch die beiden Jobs könnten Harry und Meghan laut Branchen-Experten in den nächsten Jahren etwa 150 Millionen Euro verdienen. Vermutlich ist dies erst der Anfang der lukrativen Geschäftstätigkeiten des Paares – und nicht das letzte Mal, das in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert wird. Der Grat ist schmal zwischen finanzieller Unabhängigkeit und der Wahrung monarchistischer Grundsätze.

Aus der britischen Steuerkasse erhalten Prinz Harry und Herzogin Meghan wie angekündigt keine Unterstützung mehr – im Gegenteil. Im September gab ein Sprecher von Prinz Harry bekannt, dass der 36-Jährige die vollständigen Renovierungskosten für sein Familienheim Frogmore Cottage privat übernommen habe. Die laut Medien umgerechnet 2,7 Millionen Euro waren zunächst vom Sovereign Grant, der finanziellen Unterstützung der Königsfamilie aus öffentlicher Hand, gezahlt worden.

Prinz Harry und Herzogin Meghan schwebte zunächst kein vollständiger Rücktritt aus dem Königshaus vor, sondern eine Art "Teilzeit"-Beschäftigung. Auf Instagram schrieben sie:"„Nach vielen Monaten des Nachdenkens und der internen Diskussionen haben wir uns entschlossen, dieses Jahr einen Übergang zu vollziehen, um eine fortschrittliche neue Rolle innerhalb dieser Institution zu entwickeln." Sie ergänzten, die Queen weiterhin "uneingeschränkt" unterstützen zu wollen.

Nach einem Krisengipfel zwischen Queen Elizabeth, Prinz Charles, Prinz William und Prinz Harry auf Schloss Windsor zur Aushandlung der Megxit-Konditionen zeigte sich: Der Teilzeit-Plan geht nicht auf; die anderen Senior Royals wollen eine klare Trennung. Halb in der royalen Firma, halb draußen – das geht nicht. Und so gestanden Harry und Meghan wenige Tage nach ihrer Verkündung am 8. Januar ein: "Gemäß der Vereinbarung verstehen der Herzog und die Herzogin von Sussex, dass sie verpflichtet sind, von den königlichen Pflichten zurückzutreten und keine repräsentativen Pflichten im Namen Ihrer Majestät der Königin zu übernehmen." Wie streng Queen Elizabeth die Vereinbarung nimmt, zeigte sich anlässlich des Remembrance Sunday im November: Laut Medienberichten lehnte sie Harrys Bitte ab, sich in Form eines Gedenkkranzes an einem offiziellen Termin der Königsfamilie beteiligen zu können.

Nicht nur wegen ihrer neuen Geschäftstätigkeit steht Harrys und Meghans Bekenntnis zur Queen auf dem Prüfstand. Für Ummut sorgen auch Äußerungen des Paares zur US-Wahl und Prinz Harrys Statement über den seiner Meinung nach strukturellen Rassismus im Königreich.

Thema 2: Beziehung zur Royal Family und ein neues Leben in den USA

In seinem Megxit-Statement schrieb das Paar am 8. Januar, seine Zeit zwischen dem Vereinigten Königreich und Nordamerika aufteilen zu wollen. "Dieses geografische Gleichgewicht wird es uns ermöglichen, unseren Sohn mit einer Wertschätzung für die königliche Tradition zu erziehen, in die er hineingeboren wurde."

Aber: Seit Inkrafttreten des Megxit am 1. April sind Prinz Harry und Herzogin Meghan nicht nach England zurückgekehrt. Schuld ist die Corona-Pandemie. Zuletzt waren die Sussexes mit der Königsfamilie Anfang März zusammengekommen. Seit Juni 2020 leben der Royal und seine Ehefrau in einem Multi-Millionen-Euro-Anwesen in Montecito, einem Prominenten-Hotspot im US-Bundesstaat Kalifornien. Frogmore Cottage in Windsor soll laut eines Sprechers von Prinz Harry das Heim der Familie in England bleiben.

Sowohl Prinz Harry als auch seine Familie betonten öffentlich, im Guten auseinanderzugehen. Auf der Website der Sussexes hieß es im Januar: "Die königliche Familie respektiert und versteht den Wunsch des Herzogs und der Herzogin von Sussex, ein unabhängigeres Leben als Familie zu führen, indem sie die angebliche Rechtfertigung des 'öffentlichen Interesses' für das Eindringen von Medien in ihr Leben aufhebt."

Der Megxit und seine Folgen sind DAS Royal-Thema 2020 gewesen. Welcher Teil der Berichterstattung Fakt, Erfindung, Beschönigung oder Übertreibung ist, bleibt dem Publikum oftmals verborgen. Unter den Tenor der englischen Medien, das Verhältnis sei stark zerrüttet, mischen sich gelegentlich Meldungen über zarte Annäherungen der Parteien. Zu alledem schweigen die Royals. Am Ende bleibt demnach nur eines, was man zu 100 Prozent über das Verhältnis der Sussexes zum Rest der Königsfamilie sagen kann: Bestätigt wissen kann man nichts.

Der Wunsch nach mehr Privatsphäre ist Prinz Harry und Herzogin Meghan nur bedingt erfüllt worden. Einerseits können sie durch den Wegfall ihrer Verpflichtungen für das Königsaus und der Unterstützung aus öffentlichen Geldern ihren beruflichen Alltag selbst bestimmen und damit auch, wann sie sich in der Öffentlichkeit zeigen. Auch der Ausbruch der Corona-Pandemie und der damit verbundene Rückzug der Menschen ins Private förderte ein Mehr an Privatsphäre. Durch das Verlassen des Hofes verringerte sich außerdem die Anzahl undichter Stellen im Umfeld des Paares. Der von Hofberichterstattern prophezeite Paparazzi-Ansturm auf Baby Archie blieb aus – vor allem deshalb, weil Prinz Harry und Herzogin Meghan mit Erfolg juristisch gegen Fotos ihres Sohnes sowie das Eindringen von Fotografen in ihr Anwesen vorgingen.

Anderseits erschien im August mit dem Enthüllungsbuch "Finding Freedom: Harry and Meghan and the Making of a Modern Royal Family" der bisher umfangreichste und detaillierteste Leak über das Privatleben Prinz Harrys und Herzogin Meghans. Erstaunlich: Meghan gab über Anwälte zu, Freunden erlaubt zu haben, mit den Autoren des Buches zu sprechen. Für Erstaunen sorgte im Oktober ein sehr persönliches Essay der Herzogin über eine im Juli 2020 erlittene Fehlgeburt. An anderer Front gab Herzogin Meghan – wenn auch unfreiwillig – Informationen über sich preis: Im Zuge eines Gerichtsverfahrens gegen die Zeitung "Daily Mail" wurden unter anderem private Chatverläufe Harrys mit ihrem Vater publik.