Herrmann: «Eklatanter Verdacht» auf islamistisches Motiv

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Joachim Herrmann (CSU), bayerischer Innenminister, während einer Pressekonferenz zu der Messerattacke in der Würzburger Innenstadt.
Joachim Herrmann (CSU), bayerischer Innenminister, während einer Pressekonferenz zu der Messerattacke in der Würzburger Innenstadt.

In Würzburg sticht ein Mann ihm unbekannte Menschen nieder. Der Druck auf die Ermittler wächst, rasch ein Motiv zu präsentieren. Bayerns Innenminister sieht Indizien für einen islamistischen Hintergrund.

Würzburg (dpa) - Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann sieht einen «eklatanten Verdacht» auf einen islamistischen Hintergrund bei der Messerattacke von Würzburg.

«Es spricht sehr viel angesichts dessen, was wir aufgefunden haben, dafür, dass es sich um eine islamistisch motivierte Tat handeln könnte», sagte der CSU-Politiker im «Bild live»-Talk «Die richtigen Fragen».

So habe man bei der Durchsuchung der Unterkunft des 24-Jährigen Somaliers einiges gefunden, was auf islamistisches Propagandamaterial hinweisen könnte. Außerdem habe der Verdächtige selbst von seinem «Beitrag zum Dschihad» gesprochen. Man müsse aber jetzt die weiteren Ermittlungen abwarten, vor allem die Auswertung zweier Handys des Mannes.

Die gefundenen Gegenstände werden derzeit von Islamwissenschaftlern bewertet. «Aber wir sind bei Weitem noch nicht so weit, dass wir sagen können, wir haben es ausgewertet», sagte ein Sprecher des bayerischen Landeskriminalamtes (LKA).

Ob der Messerangreifer ein Terrorist war, lässt sich nach den Worten Herrmanns derzeit noch nicht sagen. «Das lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt so noch nicht beurteilen», sagte der CSU-Politiker im «Morgenmagazin» von ARD und ZDF. Der 24-Jährige sei zeitweise in psychiatrischer Behandlung gewesen.

Söder: «Wo liegt der Sinn dahinter?»

Die drei Frauen im Alter von 24, 49 und 82 Jahren, die der Mann tötete, waren ihm offensichtlich unbekannt. Zudem verletzte er laut Polizei drei weitere Frauen (39, 52, 73), ein Mädchen (11) und einen Jugendlichen (16) lebensgefährlich mit einem Messer sowie einen Mann (57) und eine weitere Frau (26) leicht. Das 11 Jahre alte Mädchen ist die Tochter der getöteten 49-Jährigen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach bei einer Gedenkfeier in der Mainstadt von einem brutalen und verstörenden Verbrechen. «Wo liegt der Sinn dahinter?» Viele Menschen fragten nach dem Warum. «Wir dürfen eine solche hasserfüllte Tat niemals mit Hass oder Rache beantworten», sagte er. «Gut und Böse sind keine Frage von Religion oder Nationalität oder Ethnie.»

Er warnte davor, sich vor dem Ende der Ermittlungen in Vorverurteilungen und Mutmaßungen zu verlieren. «Über die Hintergründe der Tat wird viel spekuliert.» Es müsse alles aufgearbeitet werden, gegebenenfalls Konsequenzen gezogen werden, «nicht nur individuell, sondern vielleicht darüber hinaus». Aber es werde leider nie ganz gelingen, solche Taten zu verhindern. «Es tut mir echt unendlich leid», sagte er zu den Angehörigen.

Warnungen vor Spaltung der Gesellschaft

Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sagte: «Gerade jetzt halte ich für wichtig, jedem Versuch zu widerstehen, unsere Gesellschaft zu spalten.»

Auch Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) gedachte der Opfer - und lobte den Mut der Helfer. «Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen und auch bei den mutigen Menschen, die mit viel Zivilcourage eingegriffen haben», sagte Strobl der dpa. «Wir werden der Gewalt nicht weichen, sondern unsere freiheitliche Gesellschaft mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen.» Baden-Württemberg stehe an der Seite von Bayern.

Bessere Ausstattung des psychiatrischen Bereichs gefordert

Der Verdächtige sitzt wegen dreifachen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung in sechs Fällen und vorsätzlicher Körperverletzung in einem weiteren Fall in Untersuchungshaft. Der 24-Jährige war schon vor der Tat wegen Bedrohung und Beleidigung polizeibekannt, er kam deshalb zeitweise in eine Psychiatrie.

Der Vorsitzende des Bundes deutscher Kriminalbeamter, Sebastian Fiedler, verlangte eine bessere Ausstattung des psychiatrischen Bereichs. «Auf vielen Ebenen haben wir erhebliche Probleme mit psychisch erkrankten Menschen. So waren 35 Prozent der zwischen 2000 und 2015 allein handelnden Attentäter psychisch erkrankt», sagte er der Funke Mediengruppe.

Was wir bisher nicht wissen

  • Das Motiv: Hinsichtlich dieser Frage gibt es viele Spekulationen und Theorien. Ist der 24-Jährige ein Islamist? Oder psychisch krank und womöglich schuldunfähig? Oder war er nur zeitweise verwirrt? Oder ging er zielgerichtet vor? Wollte er überwiegend Frauen töten? Innenminister Herrmann sagt, es gebe Indizien für einen islamistischen Anschlag. Er stützt dies auf die Aussage eines Zeugen, wonach der Verdächtige bei der Tat «Allahu Akbar» (deutsch: «Gott ist groß») gerufen habe.

Dschihadisten und Salafisten benutzen den Ausdruck «Allahu Akbar» oft wie einen Schlachtruf. Damit kapern die Extremisten die zentrale religiöse Formel des Islam, die seit Jahrhunderten von Muslimen weltweit benutzt wird.

  • Die Vorgeschichte: Der Mann ist seit seiner Einreise nach Deutschland bereits mehrfach in Erscheinung getreten. Einmal soll er in der Obdachlosenunterkunft nach einem Streit mit Mitbewohnern und der Verwaltung ein Messer geschwungen haben. Verletzt wurde dabei niemand. Zuletzt belästigte er vor wenigen Wochen in Würzburg in psychisch angeschlagenem Zustand Verkehrsteilnehmer, setzte sich bei einem Autofahrer sogar auf den Beifahrersitz. Daraufhin kam der 24-Jährige in eine psychiatrische Einrichtung, konnte aber nach einem Tag wegen fehlenden Behandlungsbedarfes wieder nach Hause gehen.

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