Herr Zuckerbergs neue Gelddruckmaschine

Facebook plant ein Bezahlmodell für die kommerzielle Nutzung seiner Tochter WhatsApp. Ein cleverer Schachzug von Konzernchef Mark Zuckerberg. Doch sein Plan birgt auch Risiken. Eine Analyse.


Manchmal, wenn Mark Zuckerberg über sein Unternehmen spricht, dann könnte man annehmen, er würde nicht das größte Netzwerk der Welt führen, sondern eine Wohltätigkeitsorganisationen – so oft spricht er von globalen Gemeinschaften und der Befähigung von Menschen zur Kommunikation und Interaktion. Doch selbst wenn Zuckerberg seinem Idealismus frönt, bleibt er doch immer eins: Geschäftsmann.

Jetzt hat er eine weitere Möglichkeit ausgekundschaftet, um seinem Unternehmen einen weiteren Gewinnsprung zu bescheren. WhatsApp will von Unternehmen künftig Geld verlangen, wenn sie Facebooks Nachrichtendienst für die Kommunikation mit ihren Kunden nutzen. Das sagte der für das operative Geschäft zuständige WhatsApp-Manager Matt Idema dem „Wall Street Journal“. Eine Goldgrube für Facebook – zahlreiche Unternehmen nutzen den Kurznachrichtendienst bereits für unterschiedliche Zwecke. Und die Zielgruppe ist höchst interessant.


Facebook ist der Meister der Monetarisierung: Konstant verzeichnet das Unternehmen Zuwächse. Im Mai verkündete das Netzwerk Umsätze von acht Milliarden US-Dollar und einen Gewinn von drei Milliarden US-Dollar im abgelaufenen Quartal. Dieses Geld macht Facebook hauptsächlich mit Werbung – nicht nur auf der Mutterplattform. Das Geschäft mit Anzeigen wächst auch bei der Tochterplattform und Snapchat-Herausforderin Instagram. Zeitgleich bastelt der Konzern an weiteren Möglichkeiten, um für Werbekunden noch attraktiver zu werden. Während das Unternehmen seine Bewegtbildinhalte ausbaut, sollen bald auch Werbeunterbrechungen in Videos für die Kundschaft bereitstehen.

Whatsapp war bislang von werblichen Eingriffen verschont – das wird auch so bleiben. Zu groß wäre die Gefahr, dass die Nutzer dem Kurznachrichtendienst entnervt den Rücken kehren. Ein anderes Modell tut also Not: „Wir wollen eine Grundlage dafür schaffen, damit Menschen Unternehmen Kurzmitteilungen schicken können und die Antworten, die sie wollen, bekommen“, sagte Whatsapp-Manager Idema dem „Wall Street Journal“. „Wir haben vor, dafür von Unternehmen in der Zukunft Geld zu verlangen.“ Bisher wurden Firmen probeweise kostenlose Werkzeuge für den Kontakt zu Kunden angeboten. An dem Test nahm unter anderem die Fluggesellschaft KLM teil.

Derzeit gehe es um eine kostenlose Business-App für kleine bis mittelgroße Unternehmen und eine Unternehmenslösung für Großunternehmen mit globaler Kundschaft wie zum Beispiel Fluggesellschaften, Onlinehandel und Banken, erklärte WhatsApp in einem Blogeintrag am Dienstag. „Unternehmen werden unsere Lösungen dazu nutzen können, um ihre Kunden über nützliche Informationen wie Flugzeiten, Lieferbestätigungen und andere Informationen zu benachrichtigen.“

Wenn Nutzer nicht möchten, dass sie von einem bestimmten Unternehmen kontaktiert werden, könnten sie es blockieren, hieß es. Erkennen kann man die Firmen mit verifizierter Telefonnummer an einem Siegel mit einem weißen Häkchen auf grünem Hintergrund. Die Chats mit den Firmen seien wie die restliche WhatsApp-Kommunikation Ende-zu-Ende verschlüsselt.

Dabei ist Whatsapp zur wichtigen Kommunikationsplattform für Unternehmen geworden – und dürfte weiter wachsen. Die sogenannten Chatbots, also Roboter, die automatisiert einfache Kommunikation mit dem Kunden übernehmen können, sollen in Zukunft den Kundenservice immer weiter übernehmen – auch über den Nachrichtendienst Whatsapp.


Zudem: Die Zielgruppe der Nutzer ist für Unternehmen höchst interessant. Rund 1,3 Milliarden Menschen weltweit nutzen den Dienst. In der Zielgruppe der 30 bis 39-Jährigen in Deutschland sind es ganze 69 Prozent, die Whatsapp verwenden, so die Datenbank Statista. Bei den 18 bis 19-Jährigen sind es sogar 94 Prozent. Gerade die sind für Unternehmen eine lohnende Zielgruppe, sind das doch die Kunden von morgen.

Doch bei all den Dollarzeichen, die da schon in die Augen treten können: Facebook steht mit diesem Modell auch vor Herausforderungen. Es ist eine Abkehr von den bisherigen Erlösquellen und verlangt Fingerspitzengefühl. Wenn Unternehmen für einen Dienst zahlen, wollen sie eine entsprechende Gegenleistung. In der Vergangenheit musste sich Facebook mitunter schon in seinen Werbemodellen Kritik der Kunden anhören, die Wirkungsmessung und Reichweitenangaben seien zu ungenau. Bei einem Bezahlmodell für Whatsapp muss Facebook seinen Kunden also ein ziemlich gutes Angebot machen.

KONTEXT

Welche Facebook-Dienste die Deutschen nutzen

Mehr als "Gefällt mir"

Facebook ist nicht nur eine Internetseite oder eine App. Das soziale Netzwerk wurde in den vergangenen Jahren kräftig erweitert. Die bekanntesten Teile sind der Facebook Messenger, Instagram und Whatsapp. Das Statistik-Portal Statista hat die Deutschen gefragt, welche Dienste und Produkte sie mindestens gelegentlich nutzen.

Facebook allgemein

72 Prozent nutzen das Social Media Portal. Dabei ist der Unterschied zwischen Männern (73 Prozent) und Frauen (71 Prozent) gering.

Facebook Messenger

Den Facebook-Nachrichtendienst nutzen 43 Prozent der Befragten - Männer wie Frauen.

Instagram

Den Online-Dienst Instagram zum Teilen von Fotos und Videos nutzen 26 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen.

Whatsapp

Den Instant-Messaging-Dienst, der seit dem Jahr 2014 zu Facebook gehört, wird 70 Prozent der Befragten genutzt. Mit 71 Prozent männlichen und 70 Prozent weiblichen Nutzern sind die Unterschiede bei den Geschlechtern gering.