Der Herd ist aus

Mit Hoffnung waren heute Morgen die Mitarbeiter des insolventen Küchenherstellers Alno zur Betriebsversammlung gekommen. Doch sie wurden enttäuscht. Der Insolvenzverwalter muss die meisten Mitarbeiter nach Hause schicken.


„Es war ein schwarzer Tag für die Beschäftigten bei Alno“, sagte Michael Föst von der örtlichen IG-Metall am Montagmittag dem Handelsblatt. Denn die gut 600 Mitarbeiter des seit Jahren kränkelnden Küchenherstellers Alno erfuhren heute, dass sie zum großen Teil freigestellt werden.

Es sei schlicht kein Geld mehr da, teilte Insolvenzverwalter Martin Hörmann der in der Kantine des Stammwerks in Pfullendorf versammelten Belegschaft mit. Deswegen muss er nun bis auf eine kleinere, immerhin noch dreistellige Kernmannschaft den größten Teil der Mitarbeiter nach Hause schicken. Entsprechend enttäuscht und traurig waren heute die Reaktionen. Bis zum Montag hatten die Mitarbeiter noch auf gute Nachrichten gehofft. Sie hatten damit gerechnet, dass Insolvenzverwalter Hörmann ihnen heute einen Investor nennt.

Die Suche nach einem Investor laufe zwar noch, sie sei aber noch nicht abgeschlossen, teilte Hörmann heute den Beschäftigten mit. Er bestätigte die Nachricht und teilte mit: „Die Lage ist schwierig und es besteht ein enormer Zeitdruck. Aber wir geben nicht auf und werden alles versuchen, um eine Zukunftslösung für Alno und die Mitarbeiter zu erzielen.“


Laut Hörmann kann nur noch ein Team von 170 Mitarbeitern inklusive Auszubildenden bleiben, das den Investorenprozess begleiten und insolvenzspezifische Aufgaben erfüllen soll. Die Freistellung bedeute aber nicht gleichzeitig die Kündigung. Ein Interessenausgleich und Sozialplan werde mit dem Betriebsrat verhandelt.

Alno hat einen glänzenden Namen, schrieb aber schon über Jahre rote Zahlen. Der Küchenbauer hatte Ende Juli zunächst eine Insolvenz in Eigenregie beantragt, die Geschäftsführung der Hastor-Gruppe als jüngster Eigentümer hatte aber später eine Regelinsolvenz beantragt. Bis Ende September konnten die Beschäftigten noch Insolvenzgeld von der Bundesanstalt für Arbeit erhalten. Das ist aber mit Eröffnung des regulären Verfahrens zum 1. Oktober ausgelaufen.


Alno war seit 1995 an der Börse, schrieb allerdings seitdem nur einmal Gewinn. Mehrere Vorstandschefs versuchten mit immer neuen Strategien die Wende – letztlich vergeblich. Während ausgerechnet die billigen Küchen von Pino, die auch über Baumärkte verkauft werden, Gewinne brachten, häufte die Kernmarke Alno Verluste an. Häufig lockten Küchenstudios Kunden mit der Marke in ihre Häuser, um letztlich die margenstärkeren Eigenmarken zu verkaufen. Zugleich drückten die Lohnkosten in den veralteten Werken.

2011 stieg der Schweizer Unternehmer Max Müller als Vorstandchef ein und brachte eine Investorengruppe mit. Sein Wirken ist umstritten – klar ist, dass er über Beratungsverträge und Darlehen von Alno auch dann profitierte, wenn kein Gewinn anfiel. Als der Großaktionär Whirlpool, die amerikanische Mutter von Bauknecht, 2016 das Alno-Engagement endgültig leid war, holte Müller die bosnische Industriellen-Familie Hastor an Bord. Sie wollte mit Alno ihre Engagement im Möbelmarkt stärken – versenkte aber letztlich einen hohen zweistelligen Millionenbetrag.


Im Insolvenzverfahren wolle sich die Familie nicht mehr beteiligen, um kein weiteres Geld zu verbrennen, heißt es aus ihrem Umfeld. Alno hat der Familie, die sich vor zwei Jahren schlagzeilenträchtig eine Auseinandersetzung zwischen ihrem Autozulieferer Prevent und VW geliefert hat, einigen Ärger verursacht. So sahen sich die Bosnier damit konfrontiert, dass die frühere Finanzchefin Altschulden des Konzerns aufgekauft hatte. Zudem sahen sie sich von zu optimistischen Einschätzungen Müllers getäuscht.

Gerettet ist immer der Großteil der Jobs bei Pino: Der ostwestfälische Konkurrent Nobilia hat die Einstiegsmarke gekauft und übernimmt 229 Mitarbeiter in Sachsen-Anhalt. Insgesamt hatte Alno im Konzern rund 1600 Mitarbeiter an vier Standorten.