Henriette Confurius: Was sie an Götz George am meisten beeindruckte

redaktion@spot-on-news.de (ili/spot)
Henriette Confurius ist aktuell im Dreiteiler "Tannbach" zu sehen. Doch sie stand auch schon mit dem verstorbenen Filmstar Götz George vor der Kamera.

Die 26-jährige Berlinerin Henriette Confurius ("Der ganz große Traum") spielt in der zweiten Staffel von "Tannbach - Schicksal eines Dorfes" (8./10./11., 20:15 Uhr, ZDF) Anna, eine engagierte Frau auf der DDR-Seite des geteilten Dorfes an der bayerisch-thüringischen Grenze. Die Cast-Liste liest sich wie ein Auszug aus dem Who is Who der deutschen Filmbranche: Heiner Lauterbach, Alexander Held, Maximilian Brückner, Martina Gedeck, Anna Loos, Jonas Nay etc.

Doch Confurius stand auch schon mit einem ganz anderen Kaliber vor der Kamera: dem vielfach ausgezeichneten Filmstar Götz George (1938-2016, "Schimanski"). Vor zehn Jahren drehten sie zusammen "Der Novembermann". Was sie an ihm am meisten beeindruckte, erzählt sie im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news. Verraten hat sie dabei aber auch, warum sie die Mauer bei den "Tannbach"-Dreharbeiten so sehr überraschte, und wie es mit Altersmaske und Perücke so war.

Sie stehen vor der Kamera seit Sie acht Jahre alt sind. Wann wussten Sie, dass es Ihr Beruf wird?

Henriette Confurius: Das hat schon eine Weile gedauert. Anfangs war es nicht so einfach, die Schauspielerei mit der Schule zu vereinbaren. Schwierig fand ich aber auch immer die fehlende Alltagsstruktur, die der Beruf mit sich bringt. Man arbeitet wochenlang so intensiv an einem Stück oder Filmprojekt und dann ist es einfach vorbei. Um mehr Struktur zu bekommen, habe ich mich dann in handwerklichen Berufen umgesehen. Inzwischen habe ich aber gelernt, mit dem Beruf und der drehfreien Zeit umzugehen. Dadurch habe ich die Schauspielerei immer mehr lieben gelernt. Und irgendwann war mir dann auch klar, dass es doch der Beruf ist, den ich machen will.

Was machen Sie denn in den drehfreien Zeiten am liebsten?

Confurius: Ich habe angefangen, in der drehfreien Zeit in einer Möbelrestaurationswerkstatt zu arbeiten. Das mache ich sehr gerne und es gibt mir Struktur.

Sie standen schon mit Götz George ("Der Novembermann", 2007) vor der Kamera. Was hat Sie am meisten beeindruckt?

Confurius: Ich weiß noch, dass alles für mich total aufregend und aufwühlend war. Götz George hatte dagegen so eine angenehme Ruhe, Gelassenheit, Freude und Professionalität an sich. Außerdem hat er alles nicht so furchtbar ernst genommen. Seine Ruhe hat sich auf alle übertragen. Das fand ich toll.

"Tannbach II" spielt zwischen 1960 und 1968. Sie sind 26 Jahre alt und haben nichts davon selbst erlebt. Was hat Sie am meisten überrascht?

Confurius: Überraschend war zum einen, in dieses vertraute Dorf Tannbach zurückzukommen, das ich so total idyllisch in Erinnerung hatte, mit seiner kleinen Kirche und dem Bach. Und dann steht da plötzlich diese riesige Mauer mit Stacheldraht. Überraschend war aber auch, dass es mich so überrascht hat, was so eine Mauer ausmacht. Wie bedrückend und bedrohlich es sich anfühlt, wenn sie wirklich vor einem steht. Nichts ist mehr gemütlich, man kann sich auch nicht mehr so frei bewegen. Ich dachte eigentlich, dass ich ein Gefühl dafür hätte, weil ich ja schon viel darüber gelesen und in der Schule gelernt hatte.

Wie war es für Sie, eine sehr viel ältere Frau der 1960er Jahre zu spielen?

Confurius: Die Altersmaske anzubringen und die Perücke zu befestigen, war sehr zeitaufwändig. Morgens saß ich teilweise zwei Stunden in der Maske, was für mich bedeutete, dass ich um 4 Uhr da sein musste. Außerdem hat meine Haut diese Silikonschicht nicht so gut vertragen - und einfach mal kurz hinter dem Ohr kratzen, entfällt auch. Das habe ich manchmal schon verflucht. Für meine Rolle war beides aber total hilfreich. Ich finde, es passt total gut, dass man dieser Frau ansieht, dass sie viel erlebt hat und wie sie sich mit letzter Kraft aufrecht hält.

Gab es ein Kleidungsstück vom Set, das Sie gerne mitgenommen hätten?

Confurius: Nein, nicht wirklich. Diese Kostüme sind kratzig und jucken immer. Was ich aber mochte, ist der Blauton, der sich bei meinen Kostümen durchgezogen hat.

Foto(s): ZDF / Julie Vrabelova