Henning Baum bei der Bundeswehr: "Die Veteranen standen unter extrem hohem Stress"

Mit der Waffe in der Hand: Henning Baum (rechts) absolvierte für seine RTL-Reportage Teile der Grundausbildung.
 (Bild: RTL / Thorsten Weber/Luftwaffe)
Mit der Waffe in der Hand: Henning Baum (rechts) absolvierte für seine RTL-Reportage Teile der Grundausbildung. (Bild: RTL / Thorsten Weber/Luftwaffe)

Vier Monate verbrachte Henning Baum für eine RTL-Reportage bei der Bundeswehr. Dem negativen Image der Truppe müsse man Gespräche mit den Soldatinnen und Soldaten entgegensetzen, so der Schauspieler.

Seit Jahren dominiert in der Berichterstattung über die Bundeswehr ein eher negatives Bild. Noch ist nicht sicher, ob der Perspektivwechsel aufgrund des Krieges in der Ukraine das Image aufbessern wird. Doch wie sieht die Realität in der Truppe wirklich aus? Was sind das für Menschen, die bei Auslandseinsätzen ihr Leben aufs Spiel setzen? Schauspieler Henning Baum verbrachte für eine RTL-Reportage vier Monate bei der Bundeswehr - und absolvierte beim "Einsatz für Henning Baum" (Donnerstag, 11. August, 20.15 Uhr) Teile der Grundausbildung, den Kampfpiloten-Test und einen Flug im Eurofighter. Für ihn steht fest, "dass eine Institution wieder einen Sinn bekommt, wenn man sich dieses Sinns gewahr wird. Und wenn dieser Sinn die Landes- und Bündnisverteidigung ist und es einen konkreten Anlass gibt, dann beginnt man, das Ganze wieder zu begreifen", so Baum im Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau: "Wenn das verstanden wird, dann sieht der Bürger die Bundeswehr auch wieder anders".

Die Diskussionen, die die Bundeswehr in ein schlechtes Licht gerückt hätten, fokussierten laut Baum "vor allem auf Dinge, die nicht funktionierten". Spräche man "mit jenen, die in den letzten Jahren gedient haben, ist das differenzierter. Die haben ganz andere Probleme - wenn die in Afghanistan unter Feuer standen, ganz auf sich gestellt". Baum, der im vergangenen Jahr bereits bei der sächsischen Polizei sekundierte, verbrachte mit den Soldatinnen und Soldaten auch Zeit auf der Stube: "Ich habe die Traumata zu hören bekommen", berichtet Baum im teleschau-Interview: "Die Veteranen standen unter extrem hohem Stress. Die hatten tagelang auf einsamsten Außenposten im Feindesland ausgeharrt, mussten sich aus den Notrationen selbst versorgen".

Teilweise hätten die Veteranen tagelang unter Beschuss gestanden: "Das muss man sich mal vorstellen: Vier Tage lang versuchten sich Angreifer ihnen zu nähern und die mussten die abwehren. Die Kugeln flogen ihnen um die Ohren. Das geht nicht an jedem spurlos vorbei." Es seien "sehr tapfere Soldaten", so Baum - "aber dennoch sind das ungeheuerliche Erlebnisse, die die Seelen dieser Menschen nicht unberührt ließen." Ein Arzt würde dem Schauspieler zufolge den Begriff des "Traumas" verwenden.

 "Mir wurde nichts erspart", gesteht Henning Baum über seinen Einsatz bei der Bundeswehr. (Bild: Sebastian Widmann/Getty Images)
"Mir wurde nichts erspart", gesteht Henning Baum über seinen Einsatz bei der Bundeswehr. (Bild: Sebastian Widmann/Getty Images)

"Die Bundeswehr ist kein unbelebter Haufen"

Insgesamt habe er auch die Art und Weise der Führung als "viel weniger rigide und steif" wahrgenommen, "als man das vielleicht annehmen würde. Die Bundeswehr ist kein unbelebter Haufen. Im Gegenteil machten die Menschen, mit denen ich sprach, einen sehr wachen und lebendigen Eindruck". Auch trotz seiner Prominenz, so Baum gegenüber der teleschau, ginge man "sehr unbefangen miteinander um. Dass man jemanden schon mal im Fernsehen gesehen hat - das legt sich schnell". Müsse man gemeinsam die gleichen Übungen bestehen, "kommt man sich rasch näher. Ich hatte keine Sonderstellung; mir wurde nichts erspart".

Für Baum ist es "ein Fehler, nicht mit den Soldaten zu reden". Diese könnten "konkret etwas dazu sagen. Man sollte sich als Gesellschaft bemühen, das Gespräch zu suchen - gerade auch vonseiten der Politik". Es sei wichtig, sich selbst ein Bild zu machen: "Der unmittelbare Kontakt zu den Mitmenschen gibt uns einen anderen Einblick, als wenn wir durchgekaute Drittmeinungen lesen."

Ursprünglich hatte RTL das jüngste Projekt des Schauspielers am 21. Juli zeigen wollen - doch offenbar weil am selben Abend die deutsche Nationalmannschaft bei der Frauenfußball-EM spielte, strich der Sender RTL die Bundeswehr-Dokumentation kurzfristig aus dem Programm. Nun heißt es also warten bis zum 11. August.

Alles für die Bundeswehr-Reportage: Henning Baum (rechts) bewirbt sich für die Laufbahn als Kampfpilot.
 (Bild: RTL / Thorsten Weber/Luftwaffe)
Alles für die Bundeswehr-Reportage: Henning Baum (rechts) bewirbt sich für die Laufbahn als Kampfpilot. (Bild: RTL / Thorsten Weber/Luftwaffe)
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