HelloFresh testet zweites Standbein – IPO-Preis wohl am oberen Ende der Spanne

Nikolas Kessler
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Rocket-Beteiligung HelloFresh: Gelungenes Börsendebüt – jetzt muss geliefert werden

Bisher ist HelloFresh als Versender von Kochboxen zum Selbstkochen bekannt, doch das Unternehmen hat offenbar ein zweites Standbein gefunden. Wenige Tage vor dem Börsengang wurden die Pläne nun bekannt.

Unter dem Namen HelloFreshGo bietet das Unternehmen smarte Kühlschränke für Firmenkunden an, meldet das Portal gruenderszene.de. Dort sollen sich die Mitarbeiter schnell und einfach mit gesunden Getränken, Snacks und sogar kompletten Mahlzeiten versorgen können. Für die Nutzung können sie sich direkt am Automaten via ID-Karte oder Fingerabdruck registrieren und bargeldlos bezahlen.

Dass die Kühlschränke stets mit frischen Snacks gefüllt sind, sollen Partnerunternehmen sicherstellen. Dank einer entsprechenden Software bestellen die Geräte selbstständig nach und analysieren und optimieren die Produktauswahl. Für den Betrieb der Geräte werden lediglich Strom- und WLAN-Anschluss benötigt.

Unternehmen soll der Automaten-Service dem Bericht zufolge rund 150 Euro pro Monat kosten. Vorteil seien laut HelloFreshGo unter anderem die arbeitsplatznahe und zeitsparende Versorgung der Mitarbeiter mit nährstoffreichem „Brain Food“ sowie finanzielle Vorteile gegenüber dem kostenintensiven Betrieb einer Kantine.

Erste Testgeräte stehen laut gründerszene.de bereits seit Anfang Oktober in mehreren Berliner Unternehmen. Anfang 2018 wird der Service laut HelloFresh auch in anderen deutschen Großstädten verfügbar sein.

Nicht ohne Risiko

Im Anbetracht der Herausforderungen im Geschäft mit Kochboxen erscheint die Suche nach zusätzliche Geschäftsfeldern sinnvoll. Der US-Konkurrent Blue Apron ist nach seinem durchwachsenen Börsengang im Sommer heftig unter Druck geraten – unter anderem, weil das Wachstum bereits an seine Grenzen zu stoßen scheint und auch Amazon nach der Übernahme des Lebensmitteleinzelhändlers Whole Foods den Markt aufmischen will.

Allerdings ist auch das neue Geschäftsfeld nicht ohne Risiko. Gruenderszene.de verweist beispielsweise auf das Berliner Start-up Home Eat Home, das bereits mit einem ähnlichen Angebot gescheitert ist. Zudem sei eine aufwendige Logistik erforderlich.

Fortschritte beim Börsengang

Die Risiken im aktuellen und künftigen Geschäft scheint die Investoren allerdings nicht zu stören, denn für den geplanten Börsengang zeichnet sich eine gute Nachfrage ab. Die Konsortialbanken haben die Preisspanne vor dem Wochenende am oben Ende eingegrenzt. Demnach soll der Preis nun zwischen 10,25 und 11,50 Euro pro Aktie liegen, statt wie bisher zwischen 9,00 und 11,50 Euro. Innerhalb dieser Spanne seien die Orderbücher einschließlich der Mehrzuteilungsoption gefüllt.

Erstnotiz abwarten

Läuft alles nach Plan, soll HelloFresh am Donnerstag (2. November) in Frankfurt das Börsendebüt feiern. Nach der Bauchlandung von Konkurrent Blue Apron rät DER AKTIONÄR, zunächst an der Seitenlinie zu bleiben.