Hello World! Das sind die größten Sportler aller Zeiten

Nach dem achten Wimbledonsieg von Roger Federer ist eine beliebte Debatte neu entfacht worden: Die Frage nach dem größten Sportler aller Zeiten. Auch die Yahoo Sport-Redaktion hat kontrovers diskutiert. Das ist das Ergebnis.  

Dirk Nowitzki (von Klaus Bellstedt)

 

Dirk Nowitzki spielt seit 19 Jahren bei den Dallas Mavericks

Kurzer Blick zurück: Es war in Spiel eins der NBA-Finalserie 2010/2011 zwischen den Dallas Mavericks und Miami Heat, als sich Dirk Nowitzki im linken Mittelfinger einen Sehnenriss zuzog. Ein Aufschrei ging durch ganz Texas – zumal die “Mavs” das erste Match auch noch verloren hatten. Die “Linke” ist zwar nicht Nowitzkis Wurfhand, dennoch sahen die damals leidgeprüften Fans aus Dallas die Zukunft finster. Wie sollte das bloß weitergehen? Ihr mit Abstand beste Spieler war nun plötzlich verletzt, der Finger fortan die Story der NBA-Finals. Aber die Angst war unbegründet.

Mit getapter Fingerkuppe und einer Plastikschiene zum Schutz des Gelenks ging Dirk Nowitzki in die nächste Partie. Und dann? Beim 95:93-Auswärtserfolg in Miami gelang ihm 3,6 Sekunden vor Ende der Partie der entscheidende Korbleger – ausgerechnet mit der linken Hand. Nowitzki war nicht der Gehandicapte, er war der alles überragende Akteur in der American Airlines Arena von Miami. Er allein hatte die Finalserie ausgeglichen. Und natürlich lag es vor allem auch an Nowitzki, dass die Dallas Mavericks am Ende die Finals mit 4:2 gewannen und der Würzburger als erster Deutscher überhaupt den Thron der besten Basketballliga der Welt besteigen konnte.

Die Amerikaner, in ihrer Sportsprache einmalig, nennen Spieler wie Nowitzki „Go-to-Guy“. Es sind diejenigen, auf die es in wichtigen Situationen ankommt, die Verantwortung übernehmen – und dann liefern. Dirk Nowitzki liefert. Immer. Ob mit gerissener Sehne oder grippegeplagt (wie übrigens auch in jener Finalserie 2010/2011).

Man muss sich das mal vorstellen: Nowitzki steht in diesem Jahr vor seiner 20. (!) Saison bei den Mavericks. 20 Jahre im Dienste eines Klubs. Wo gibt es das heutzutage im Sport noch? Francesco Totti fällt einem ein. 24 Jahre bei der Roma. Und sonst? Schönen Gruß an Serge Gnabry! Es ist diese Mischung aus grenzenloser Treue, sportlicher Einzigartigkeit und menschlicher Größe, die Nowitzki für mich zum größten Athleten aller Zeiten macht. In Dallas führt der 39-Jährige sämtliche Bestenlisten an. Die meisten Spiele, die meisten Rebounds. Die meisten Punkte. Im März knackte er die sagenhafte 30.000-Punkte-Marke. Damit ist er jetzt in Gesellschaft der Legenden Kareem Abdul-Jabbar, Karl Melone, Kobe Bryant, Wilt Chamberlain und natürlich Michael Jordan.

Dirk Bauermann, Ex-Coach der deutschen Basketball-Nationalmannschaft und heutiger Trainer beim Bundesligisten s.Oliver Würzburg, hat vor Jahren einmal Folgendes zu mir über Nowitzki gesagt: „Dirk ist 2,13 Meter groß. Wie er sich bewegt, das hat etwas von einem Sportler, der 30 Zentimeter kleiner sein könnte. Das Talent für den Umgang mit Bällen wurde ihm in die Wiege gelegt. Hinzu kommen Ehrgeiz und Disziplin. Ich kenne keinen Basketballprofi, der härter arbeitet als Nowitzki. Als Mensch ist er bescheiden, bodenständig und unprätentiös. Das ist fast noch höher einzuordnen als das Sportliche.“ Besser kann man Dirk Nowitzki nicht beschreiben.

Im Frühjahr diesen Jahres wurde der zweimalige MVP (2007&2011) übrigens von der NBA zum “Teammate of the Year” ausgezeichnet. Seine Mavericks hatten die Playoffs zwar verpasst, aber der unschätzbare Wert des Spielers für seine Mannschaft wurde damit noch einmal symbolkräftig unter Beweis gestellt. In seiner Dankesrede antwortete Nowitzki dann auf die für ihn unvergleichliche Art und Weise: “Ich möchte meiner Frau und meiner Familie danken, die mich immer unterstützen und zulassen, dass ich noch für ein paar Jahre über das Feld stolpern kann.“ Dirk Nowitzki – für immer meine Nummer 1.

Roger Federer (von Johannes Kallenbach)

Für mich sollte diese Kategorie auf jeden Fall ein Individualsportler anführen und da sprechen alleine die Zahlen eindeutig für Roger Federer. 19 Grand Slam-Titel (Bisher! Der 20. folgt bei den US Open im September), 6 ATP Championship-Titel, 26 Masters-Titel. Federer ist der mit Abstand erfolgreichste Einzelsportler der Nullerjahre und das unangefochtene Aushängeschild seiner Sportart. Roger Federer ist Tennis. Er steht damit auf einer Stufe mit Michael Jordan, Tiger Woods, Muhammed Ali oder Pelé.

Darum geht es mir persönlich bei der Wahl des größten Sportlers aller Zeiten aber gar nicht so sehr. Vielmehr ist es das Gesamtpaket, das Federer für mich über die extrem hochkarätige Konkurrenz stellt.

Federer ist nicht nur der erfolgreichste Tennisspieler aller Zeiten, sondern auch der ästhetischste. Er hatte nie die meiste Power, nie die höchste Ausdauer. Sein größtes Plus gegenüber der Konkurrenz ist die technische Brillanz, die unheimliche Spielintelligenz und die unerreichbare Variabilität in seinem Spiel. Sein Art zu Spielen ist formvollendet, seine Art zu gewinnen künstlerisch. Was da Vinci mit dem Pinsel war, ist Federer mit dem Tennisschläger.

Roger Federer holte in Wimbledon seinen 19. Grand-Slam-Titel

Aber – und das ist das Entscheidende: Der Schweizer ist nicht nur ein großer Sportler, sondern auch ein großer Sportsmann und ein großer Mensch. Es gibt keinen Konkurrenten, der über ihn je ein schlechtes Wort verloren hat. Es gibt keine Skandale, es gibt keine Eskapaden. Roger Federer verweigert sich den Automatismen einer auf Egoismus basierenden Einzelsportart nahezu komplett und ist trotz seiner unzähligen Titel und einem geschätzten Vermögen von 500 Millionen US-Dollar… einfach nur ein guter Mensch. Das zu sein und das im Haifischbecken Tennis-Zirkus zu bewahren ist aller Ehren wert. Deswegen gibt es für mich auch nur eine richtige Wahl für den größten Sportler aller Zeiten.

Tiger Woods (von Thomas Gaber)

Am 28. August 1996 trat ein gewisser Eldrick Tiger Woods auf einer Veranstaltung der US PGA Tour vor die Mikrophone. Mit zwei simplen Worten gab der damals 20-Jährige seinen Einstieg ins Golf-Profigeschäft bekannt. “Hello, World”, sagte Woods mit einem breiten Grinsen.

Dass ihn nur wenige Monate später die Welt kennenlernen sollte, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Im April 1997 gewann er in seinem ersten Jahr als Profi gleich das bedeutende US Masters. Mit 18 unter Par – Rekord. Mit 12 Schlägen Vorsprung. Natürlich Rekord. Der damals Zweiplatzierte Tom Kite sagte: “Die Sterblichen habe ich alle geschlagen.”

Der “Unsterbliche” aber war nicht aufzuhalten. Die nackten Zahlen: 14 Majortitel, über 100 Turniersiege weltweit. Als erster Sportler die magische Grenze von einer Milliarde US-Dollar Vermögen angehäuft. Alleine aufgrund dieser drei Fakten hat sich Golfprofi Tiger Woods einen Platz in der Hall of Fame des Sports verdient.

Für mich geht eine große Sportler-Karriere jedoch weit über die Anzahl der Erfolge hinaus. Tiger Woods hat eine ganze Sportart verändert. Er hat Menschen aus allen sozialen Schichten zu einer Sportart gebracht, die Golf als elitär, spießig und langweilig vorverurteilten. Überall auf der Welt, insbesondere in den USA und in Asien wurde vor allem jungen Leuten der Zugang zum Golfsport deutlich erleichtert. Teure Aufnahmegebühren in den Clubs abgeschafft, die Verbände starteten Kampagnen, um auch sozial Schwachen das Spiel mit dem kleinen weißen Ball zu ermöglichen.

TV-Sender boten plötzlich hohe Summen für Live-Übertragungen, Sponsoren rannten der PGA Tour die Tür ein. Woods’ Konkurrenten hatten zwar meist das Nachsehen, wurden aber trotzdem reich, weil es für Platz 25 so viel Geld gab, wie vor der Woods-Ära für Platz 1.

Zudem durchbrach Woods vor allem in den USA gesellschaftliche Barrieren. Als erster Afro-Amerikaner streifte er sich für den Masters-Sieg 1997 das legendäre grüne Jackett über. “Grün und schwarz passen ganz gut zusammen”, konterte Woods anschließend einen rassistischen Satz von Clifford Roberts, Mit-Begründer von Augusta National, dem neben St. Andrews in Schottland berühmtesten Golfplatz der Welt. Roberts hatte einst gesagt: “Solange ich lebe, werden Golfer weiß und Caddies schwarz sein.”

Wie schwer sich der Golfsport ohne Woods tut, sieht man an den aktuellen Zuschauerzahlen. Seitdem Woods wegen gesundheitlichen Problemen immer wieder Turniere absagen muss, brechen die Quoten ein. Es ist Tiger Woods zu wünschen, dass er bald wieder auf die Beine kommt. Eine Sportler-Legende ist er schon jetzt.