Heliosgelände Ehrenfeld: Gemeinsame Fläche für Fußgänger, Radfahrer und Autos

Der Stadtentwicklungsausschuss entscheidet über die künftige Nutzung des Plangebiets.

Darkwing Duck schaut grimmig und zückt seine Allzweckpistole, mit der er wahlweise Kletterseile, Netze oder auch Rauchpatronen verschießen kann. Der Comic-Superheld ist Teil einer – legalen – Graffiticollage an der Rückseite des Konzertlokals „Underground“. So ziemlich jede Wand ist hier mit Sprayerwerken verziert.

Manch einer würde sich einen Helden wie Darkwing herbei wünschen, um die Atmosphäre wilder Kreativität auf dem Heliosgelände noch lange zu erhalten. Denn eigentlich ist das Ende nah. Das Konzertlokal soll einem Schulgebäude weichen. Ungefähr dort, wo jetzt die Comic-Ente ihre Waffe hochhält, sollen Schulkinder in der vorgesehenen Dreifach-Turnhalle mal Leibesübungen machen.

Ausschuss beschäftigt sich mit dem Konzept am 6. Juli

Das aktuelle städtebauliche Planungskonzept wurde erst kürzlich in der Bezirksvertretung Ehrenfeld diskutiert. Diese hat aber nur eine beratende Rolle. Beschlussorgan ist der Stadtentwicklungsausschuss, der das Konzept am 6. Juli auf der Tagesordnung hat.

Neben einer Grund- und Gesamtschule mit einem innovativen pädagogischen Konzept soll eine „lebendige Mischung aus Wohnen, Kultur, Gewerbe und Einzelhandel“ realisiert werden. Nach den Sommerferien werden auch die Bürger mitreden dürfen.

Erhalt kreativer Orte bleibt fraglich

Um den Erhalt kreativer Orte geht es nur am Rande. Am westlichen Rand des knapp vier Hektar großen Plangebiets ist an der Heliosstraße in einem Neubau ein „Kulturbaustein“ vorgesehen. Er soll von der Vogelsanger Straße bis zur Zufahrt an der Rückseite der Rheinlandhalle reichen. Dafür gibt es aber weder einen konkreten Gebäudeentwurf noch einen Investor.

Der Fokus der Bezirksvertretung lag eher auf Straßenverkehrsaspekten. So fordern alle Fraktionen mit Ausnahme FDP/Piraten, dass der Fahrrad-Durchgangsverkehr über das Gelände geführt werden soll und nicht – wie im Planungskonzept vorgeschlagen – um das Gelände herum. Grünen-Fraktionsvorsitzende Christiane Martin kritisierte, dass das Planungskonzept wesentliche Förderungen des sogenannten Helios-Kodex nicht berücksichtige.

Bürger fordern mehr Grünflächen

Der mit Bürgern erarbeitete Kodex will vor allem zwischen den vorhandenen und künftigen Gebäuden auf dem Gelände möglichst viel an öffentlicher Fläche, die zudem „weitgehend autofrei“ sein und möglichst viel Grün bieten soll.

Auch Petra Bossinger, Vorsitzende der SPD-Fraktion, schloss sich dieser Kritik an: „Die Bürger wollten Bäume, geplant ist aber nur Beton“, sagte sie und bezog sich konkret auf den Bereich vor der Rheinlandhalle am Ehrenfeldgürtel. Bei der geplanten Platzgestaltung wünschen sich die Bezirksvertreter Bäume. Die sind im Planungsentwurf nicht vorgesehen.

Dabei ist gerade diese Fläche zurzeit noch der Bereich mit dem höchsten Grünanteil. Bäume soll es in größerer Anzahl auf dem künftigen Schulhof geben. Dieser soll als öffentlich nutzbare Fläche keine Einzäunung bekommen.

Entfallen Parkplätze auf Venloer Straße?

Gefordert wird auch, dass die zur Venloer Straße liegenden 45 Parkplätze entfallen sollen – spätestens bei einer Nutzungsänderung der Rheinlandhalle oder einem Mieterwechsel. Im Konzept sind sie mit eingeplant. Dort heißt es, sie seien „an dieser Stelle unschädlich“.

Bezirksvertreter Martin Berg (Vorsitzender der CDU-Fraktion) weist darauf hin, dass bei der vorgeschlagenen Gestaltung das Konzept der Inklusiven Schule (Heliosschule) nur unzureichend berücksichtigt wurde. Zum Beispiel seien keine Haltemöglichkeiten für das Bringen und Abholen von gehandicapten Schülerinnen und Schülern vorgesehen.

Neues Verkehrskonzept „Shared Space“

Der Vorschlag aus der Bezirksvertretung bietet hier aber auch keine ausreichende Lösung an. Im Unterschied zum Planungskonzept, das für die Schule zehn sogenannte „Kiss and Ride-Plätze“ als „Minimalangebot“ zum Bringen und Abholen der Schüler vorsieht, verlangen die Ehrenfelder Politiker eine Reduzierung auf sechs solcher Plätze. Diese sollen ausschließlich in der Heliosstraße markiert werden. Das Planungskonzept schlug sechs Plätze in der Vogelsanger Straße und vier in der Heliosstraße vor.

Dort wünschen sich die Politiker ansonsten einen sogenannten „Shared Space“. Dabei handelt es sich um ein Verkehrskonzept, dessen Name auf deutsch „geteilter Raum“ heißt. In begrenzten Bereichen wie Straßen oder Plätzen wird auf Markierungen und Schilder verzichtet.

Auch eine bauliche Unterteilung zwischen Bürgersteigen und Fahrbahn gibt es in einem konsequent ausgebauten Shared Space nicht, alle Verkehrsteilnehmer müssen sich die Fläche unter dem Gebot gegenseitiger Rücksichtnahme teilen.

Die Geschichte des Heliosgeländes

1882 – 1905: Helios Elektricitätswerke AG – Elektrische Anlagen wie Leuchttürme und Straßenbahnen.

1927: Umbau zur Veranstaltungshalle mit Radrennbahn (Rheinlandhalle).

1957: In der Rheinlandhalle eröffnet der erste Kölner Supermarkt.

1987: Das Underground eröffnet als Auto-Mietwerkstatt.

1996: Der Turm erhält wieder eine Kuppel mit Leuchtfeuer.

2009: Bürgerinitiative Helios gegründet. Ziele: Einkaufszentrum verhindern, Nutzungen weitgehend erhalten.

2010: Bürger dürfen bei den Planungen Vorschläge machen.

2011: Verwaltung bringt Bau einer Schule ins Gespräch.

2012: Kodex zum Heliosgelände erarbeitet.

2017: Bebauungsplanverfahren

2018: Übergabe des Baugeländes für geplante Schule.

2022: Eröffnung der Schule (geplant) (Rös)...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta