Heliosfest: Abschied nehmen vom Underground

. Im Westen feierte man mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Der Stadtteil verabschiedete sich am Wochenende von einer Institution des Kölner Nachtlebens. Samstags und sonntags wurde bei dem Heliosfest in den Räumen des Undergrounds noch einmal kräftig gefeiert und getanzt - am kommenden Wochenende endet eine Ära von 29 Jahren, nächstes Jahr hätte der Clubs sein 30. Jubiläum gefeiert. Doch die Bagger kommen: Die alten Lagerhallen sollen abgerissen werde, eine Schule soll auf dem Grundstück entstehen. Dem weit über Ehrenfeld hinaus bekannten Kultur- und Straßenfest tat das allerdings keinen Abbruch. Das Kultur- und Straßenfest Heliosfest präsentierte sich so alternativ, vielseitig und persönlich wie eh und je.

Die Souvenirs

Egal ob abstrakte Kunst oder bio- und fairtrade-gehandelte T-Shirts mit Motiven großer Maler - billige Plastikware findet man auf der Kulturmeile der Heliosstraße nicht. "Das ist innovative Kunst", so Organisator und Underground-Betreiber Micki Pick. Individuell und anders muss es sein. So wie die dekorativen Halbtonbilder von Till Wiemeler. "Twoody" nennt sich seine Manufaktur, zusammengesetzt aus seinen Initialen und dem englischen Wort für Holz, in der er mittels CNC-Frästechniken jedes Erinnerungsfoto in gepunktete oder linierte Halbtonbilder auf Holzbasis anbietet. Auch Kölsche Motive und Ehrenfeld-Schriftzüge hat er in dekorative Holzkunstwerke umgesetzt, die er bereits zum zweiten Mal anbietet. Den Verlust des Undergrounds findet er persönlich "sehr schade um die alteingesessene Location."

Die Musik

Das bunt gemischte Haus der Heliosstraße 6 setzt seit Jahren ein eigenes Programm. Die im Haus ansässigen Gewerbetreiben unterstützen und helfen einander, abseits des Trubels der Kulturmeile gesehen und gehört zu werden. Befreundete Bands und DJ's des Konserven-Lokals "Les Boîtes" spielen zu diesem Zweck auf der kleinen Rampe entlang der Seitengasse. Hier hat sich über die Jahre eine alternative, vierte Bühne etabliert, ungeachtet vom Hauptprogramm. Dieses erstreckte sich dieses Jahr über eine Hip-Hop-Bühne im Underground, eine Akustikbühne für junge Songwriter, die nahe der Venloer Straße stationiert war, und die große Hauptbühne an der Ecke zur Vogelsanger Straße. Dort heizten Lokalmatadoren wie Brings und Miljö den Besuchern ein. Egal ob Haupt- oder Newcomer-Bühne - alle Künstler traten ohne Gage auf. Alles freiwillig, um der Kultur willen. Underground-Produktionsleiter Niklas Heyden: "Die meisten Künstler verbindet viel mit Ehrenfeld." Am Sonntagabend trat die Band Silbermond in dem Club auf, in dem sie einst ihre ersten Erfolge feierten.

Der süsseste Nachtisch

20 Schnellimbiss-Wagen rollten zur Open-Air-Verpflegung an. Von Craftbeer über Nudelspezialität aus Bali oder Churros aus Lateinamerika - Exotikliebhaber kamen auf ihre Kosten. Besonders fiel das "Mellow Monkeys" ins Auge.Hier wurde Dessert am Stil verkauft. Schokoladeüberzogenes Fruchteis mit einer Marshmallow-Schicht, glasiert und dekoriert mit Toppings. Meike Spitzlei ließ sich ihren Nachtisch schmecken, mit einer Freundin besuchte sie das Straßenfest zum ersten Mal. "Die Stimmung hier ist super. Viel besser als beispielsweise in der Südstadt." Obwohl der Verlust des Undergrounds sie schmerzt, kommt sie im nächsten Jahr auch sicher zu einer veränderten Auflage des Heliosfestes wieder.

Die ungewisse Zukunft

Fraglich war lange, ob das Heliosfest die nächsten Jahre noch fortgesetzt werden kann. Underground-Betreiber Micki Pick gibt Entwarnung: Er als einer der Haupt-Organisatoren ist sich sicher, dass das kultige Straßenfest auch in den nächsten Jahren fortgeführt wird. "Wenn das alles weg wäre, wäre Ehrenfeld wieder nur ein ganz normaler Stadtteil." Die Stadt habe bereits zugesagt, dass die Kulturmeile erhalten bleiben soll. Derzeit suche man nur nach einer geeigneten Ausweichmöglichkeit, um den Platzverlust des Undergrounds wieder gut zu machen, verrät er. Um die Bürger in die Bauleitplanung mit einzubeziehen, wird allen Interessierten am 26. September um 19 Uhr die Möglichkeit geboten, im Berufskolleg Ehrenfeld im Plenum ihre Meinung zu äußern. Pick fragt: "Was bringt uns mehr öffentlicher Raum, wenn wir weniger Kultur im Veedel haben?" (cae)...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta