Heldenhaft oder heuchlerisch? Aldi verschenkt an Heiligabend Lebensmittel

In Großbritannien wird Aldi an Heiligabend frische Lebensmittel an Bedürftige verschenken. (Bild: ddp)

Die Aldi-Kette in Großbritannien möchte Bedürftigen an Heiligabend Lebensmittel schenken. In Deutschland wird die Aktion höchstwahrscheinlich nicht stattfinden.

Die PR-Abteilung von Aldi in Großbritannien wird sich derzeit kräftig auf die Schulter klopfen. Die Aktion, an Heiligabend Lebensmittel an Bedürftige zu verschenken, kommt im Netz und bei den Medien nämlich ausgesprochen gut an. Klingt ja auch toll: Diejenigen, die sich kein (gutes) Essen leisten können, bekommen dank Aldi die Möglichkeit, ein Weihnachtsmahl zu genießen. Dann folgt das große Aber: Bei den Lebensmitteln handelt es sich ausschließlich um nicht verkaufte frische Ware, die dann ausnahmsweise nicht in der Tonne, sondern eben in den Händen von Obdachlosen und anderen Hilfsbedürftigen landet.

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Um 16 Uhr schließen in Großbritannien die Märkte am 24. Dezember und öffnen nach den Feiertagen erst am 27. wieder. „Es wird eine große Auswahl von übrig gebliebenen Lebensmitteln guter Qualität geben, die unsere Märkte gern weiterverteilen würden, um benachteiligte Menschen zu unterstützen und Lebensmittelverschwendung zu verhindern”, schreibt Aldi in einem Statement. Demnach können Organisationen Aldi bis zum 8. Dezember kontaktieren, die Lebensmittel dann an Heiligabend nach Ladenschluss abholen und an die Bedürftigen verteilen.


Würde sich Aldi lediglich um die Weihnachtszeit mit dieser Aktion brüsten, könnte man dem Discounter Heuchelei vorwerfen. Aber: In Deutschland engagiert sich Aldi regelmäßig für die lokalen Tafeln. Die Filialen spenden übrig gebliebene, aber ohne Einschränkung zum Verzehr geeignete Lebensmittel an die Deutsche Tafel e.V. – dafür wurde Aldi Süd erst 2016 mit dem Tafel-Teller ausgezeichnet. „Wir stellen der Tafel fast alles an Lebensmittel zur Verfügung: Obst, Gemüse, Brot oder Cerealien“, erklärt Mohamad Khalil, Filialleiter einer Mülheimer Filiale auf blog.aldi-sued.de. Produkte, die kleine Schönheitsfehler haben oder bei denen der Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums naht, werden im gesamten Aldi-Süd-Gebiet aus dem Sortiment genommen und an die örtlichen Tafeln gespendet. Voraussetzung ist, dass die Produkte noch immer den gesetzlich geltenden Qualitätsstandards entsprechen.


Damit erfüllt Aldi eine wichtige Vorbildfunktion. Denn: Über elf Millionen Tonnen Lebensmittel werden im Jahr alleine in Deutschland weggeworfen, das besagt eine Studie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. „Die genaue Zahl ist aufgrund der unterschiedlichen Entsorgungswege und unsicherer Daten, vor allem aus der Industrie, schwer zu fassen“, sagt Professor Dr.-Ing. habil Christina Dornack vom Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft an der Technischen Universität Dresden gegenüber Yahoo! Finanzen. „Klar ist, dass die Menge erschreckend hoch ist.“

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Ob Aldi in Deutschland eine ähnliche Aktion wie in Großbritannien startet ist eher unwahrscheinlich: Die Filialen bleiben am Heiligabend – der auf einen Sonntag fällt – nämlich geschlossen. Das kündigten sowohl Aldi als auch Lidl an. Die Unternehmen haben sich dagegen entschieden, die im Gesetz festgelegte Sonderregelung für den Sonntag des 24. Dezembers in Anspruch zu nehmen. Die Mitarbeiter sollten eine entspannte Zeit im Kreise ihrer Liebsten verbringen dürfen.

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