Helden des Alltags: Diese Frau protestiert seit 30 Jahren gegen Rechtsradikalismus

Irmela Mensah-Schramm aus Berlin möchte „den Hass vernichten“. (Bild: dpa)

Man braucht schon ein bemerkenswertes Maß an Disziplin und Ausdauer, um einen solchen Feldzug gegen den Rechtsradikalismus zu führen: Irmela Mensah-Schramm aus dem Berliner Stadtteil Zehlendorf geht seit 30 Jahren gegen Rechts auf die Straße. Am Samstag bekam es die 72-Jährige bei einer Demo nun mit Polizisten zu tun – und wurde für ihre Haltung prompt gefeiert.

Am Berliner S-Bahnhof Gesundbrunnen versammelten sich am Samstag ein paar Dutzend Anhänger der Identitären Bewegung. Diese vor drei Jahren in Deutschland gegründete Gruppe vertritt ein völkisch-nationalistisches Weltbild und unterscheidet sich damit praktisch kaum von der NPD. Am Samstag demonstrierten die Identitären unter dem Motto: „Zukunft Europa – Für die Verteidigung unserer Identität, Kultur und Lebensweise.“

Für Irmela Mensah-Schramm ein Pflichttermin, denn die 72-Jährige setzt sich seit Jahrzehnten gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit ein. Die Rentnerin schloss sich der Gegendemo an, die mit 1400 Teilnehmern und Teilnehmerinnen weit größer war als die eigentliche Demo. Als es zu einer Sitzblockade kommt, um den Zug der Identitären aufzuhalten, macht die ehemalige Lehrerin mit und setzt sich auf den Boden.


Ein Twitter-Video zeigt, wie die Rentnerin erst freundlich von einem Polizeibeamten angesprochen wird, der sie zum Aufstehen auffordert. Doch Mensah-Schramm bleibt hartnäckig und rührt sich nicht von der Stelle. Dabei hat die sympathische Aktivistin stets ein Lächeln auf den Lippen. „Ich möchte mich mit den Jugendlichen solidarisieren“, sagt sie.

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Doch es half nichts. Kurz vor 17 Uhr wurde Mensah-Schramm von Polizisten aus der Blockade getragen. Wegen der Blockade mussten die Identitären ihren Zug, der eigentlich bis zum Hauptbahnhof gehen sollte, schon am U-Bahnhof Voltastraße abbrechen.


Für Mensah-Schramm, die dem „Spiegel“ einmal gesagt hat „Ich beseitige Hassparolen, weil ich den Hass vernichten möchte“, ein kleiner Erfolg. Seit 30 Jahren engagiert sich die gebürtige Stuttgarterin gegen Fremdenhass und Rassismus. In Berlin übersprüht sie regelmäßig rechte Grafitti mit schwarzer Farbe aus der Spraydose, vermutlich deshalb nennt sie sich selbst auch eine „Polit-Putze“. Am Samstag hat sie diesmal nicht stehend, sondern sitzend Haltung bewiesen.

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