Helaba-Chefvolkswirtin: Trendwende bei der Inflation ist da

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) sieht wieder steigende Inflationsraten. "Die Trendwende bei der Inflation ist da, es hat aber niemand gemerkt", sagte Chefvolkswirtin Gertrud Traud am Montag in Frankfurt. Sie widersprach damit EZB-Präsident Mario Draghi, der zuletzt eine "unerwünscht niedrige" Teuerung in der Eurozone konstatierte. "Davon kann keine Rede sein."

Bislang sei der Anstieg der Inflation vor allem auf höhere Energiepreise zurückzuführen, sagte Traud. Im kommenden Jahr rechnet die Expertin aber auch mit höheren Kernraten. Bei der Kernrate werden schwankungsanfällige Energie- und Lebensmittelpreise herausgerechnet. In der Eurozone und in Deutschland dürfte sich die Inflationsrate wieder in Richtung von zwei Prozent bewegen. Die EZB strebt eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an. In den USA sollte sie nach Einschätzung der Expertin wieder über zwei Prozent steigen. Die US-Notenbank dürfte daher mit ihren Leitzinsanhebungen fortfahren.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach Einschätzung von Traud aber nur verzögert auf die steigende Inflation reagieren. Die Notenbank hatte zuletzt ihre Anleihekäufe bis Herbst 2018 verlängert. "Ich erwarte, dass Draghi den Zinshebel noch selbst umlegen und kurz vor dem Ende seiner Amtszeit den Leitzins anheben wird, bevor er ab November 2019 in den Ruhestand geht." Den Einlagenzins dürfte die EZB bereits im Frühjahr 2019 von minus 0,4 auf minus 0,2 Prozent anheben. Im Laufe des Jahres sollte sie dann der Leitzins von Null auf 0,25 Prozent anheben.

Beim Wirtschaftswachstum erwartet Traut in der Eurozone und Deutschland eine Abschwächung. "Mit einer Rate von zwei Prozent werden die Eurozone und Deutschland aber weiter kräftig wachsen, und die Arbeitslosigkeit wird weiter sinken", sagte die Ökonomin. Die Unterschiede in der Eurozone zwischen Ländern die Reformen umgesetzt haben und Ländern ohne eine Reformagenda, blieben jedoch groß. So dürfte Spanien im Jahr 2018 mit 2,8 Prozent wachsen und Italien mit lediglich 1,5 Prozent.

An den Aktienmärkten sieht Traud angesichts der bereits sehr guten Stimmung Rückschlagpotenzial: "Aktienanleger haben bereits zu viele Vorschusslorbeeren verteilt und sind ausgesprochen sorglos gewesen". So sei das Kurs-Gewinn-Verhältnis bereits hoch. Auch bei Staatsanleihen gebe es angesichts der höheren Inflation Abwärtsgefahren bei den Kursen. Die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen dürfte 2018 laut Traud bis auf ein Prozent ansteigen.