Heizkosten-Ableser: So werden die Mieter abgezockt

Für 18 Millionen Wohnungen in Deutschland müssen Heizkosten abgelesen werden. Die Anbieter machen damit Millionen-Gewinne. (Bild: ddp)

Für das Ablesen der Heizkosten gibt es in Deutschland zwei große Anbieter – und damit jede Menge Probleme. Das Bundeskartellamt weiß schon lange um die ungerechte Preispolitik, hat bislang aber noch nichts unternommen.

Manche Dinge hinterfragt man einfach nicht. Wie der Postbote eigentlich an die Briefkästen von Mehrfamilienhäusern kommt, zum Beispiel. Oder ob die Preise für den Heizungsableser eigentlich gerechtfertigt sind. Letzterem Thema hat sich nun allerdings die „Frankfurter Allgemeine“ gewidmet – mit überraschendem Resultat. Der F.A.Z. zufolge gibt es in Deutschland lediglich zwei große Anbieter für die Heizkosten-Ableser: Ista und Techem. Das Problem: Beide dominieren den Markt, handeln die Preise mit Vermietern und Verwaltungen aus – und wälzen diese dann an die Mieter ab.

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Laut F.A.Z. bestätigte das Bundeskartellamt schon 2017 Wettbewerbsprobleme. „Die Preissensibilität der Auftraggeber ist nur schwach ausgeprägt“, sagte Präsident Andreas Mundt dazu. Zudem wäre ein Anbieter-Wechsel der Zeitung zufolge äußerst schwierig, weil die Firmen jeweils spezifische Ablesegeräte verwendeten. Das Kartellamt forderte demnach den Gesetzgeber auf zu handeln – bislang hat sich aber nichts geändert.

Die Mieter zahlen laut „Deutschlandfunk“ zwischen 50 bis 100 Euro im Jahr für das Ablesen ihrer Heizung. Insgesamt müssen die Daten von rund 18 Millionen Wohnungen in Deutschland erfasst werden – das spült Gewinne in Millionenhöhe in die Kassen der Anbieter.

Das Mietrecht sollte dringend geändert werden

Verbraucherschützer fordern schon lange, das Mietrecht so zu ändern, dass die Ablesekosten nicht mehr einfach an die Mieter weitergegeben werden könnten. Denn dann hätten Vermieter ein Interesse, genauer auf Preisunterschiede zwischen den Dienstleistern zu achten – eine Voraussetzung, damit der Wettbewerb überhaupt in Gang kommt. Diese Forderung wurde bislang sowohl vom Bundeskartellamt als auch vom Gesetzgeber ignoriert.

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Das Essener Unternehmen Ista hatte im Jahr 2017 den Eigentümer für 5,8 Milliarden Euro in der größten Private-Equity-Transaktion in Deutschland gewechselt. Gekauft hatte es ein Konsortium um den Hongkonger Investor CKI. Nun steht der F.A.Z. zufolge auch Techem zum Verkauf. Das Unternehmen hatte im Geschäftsjahr 2016/17 (zu Ende März) 783 Millionen Euro umgesetzt und 320 Millionen Euro als Rohergebnis ausgewiesen.

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