Heilsbringer? Groß macht Druck auf DSV

SID
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Heilsbringer? Groß macht Druck auf DSV
Heilsbringer? Groß macht Druck auf DSV

Michael Groß steht weiterhin als Interims-Leistungssportdirektor bereit, vom Deutschen Schwimm-Verband erwartet der dreimalige Olympiasieger aber ein Ende der Hinhaltetaktik. "Ich erwarte vom Vorstand vor der Präsidiums-Sitzung eine ganz klare Aussage zu meiner Person und zum konkreten Aufgabenfeld. Ich bin kein Verhandlungsgegenstand", sagte Groß dem SID: "Üblicherweise wird gemeinsam der Inhalt der möglichen Zusammenarbeit besprochen. Die Eckpfeiler sind bekannt, eine Vertiefung gab es bislang noch nicht."

Am Freitag will das DSV-Präsidium über die Besetzung des seit der umstrittenen Trennung von Thomas Kurschilgen vakanten Postens beraten. Groß sei einer von mehreren Kandidaten, mit denen er Gespräche geführt habe, hatte DSV-Präsident Marco Troll am Rande der Olympia-Qualifikation am vergangenen Wochenende in Berlin bestätigt.

"Ich habe nicht aufgrund des Chaos' im DSV meine Bereitschaft erklärt, sondern wegen der extremen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie", betonte Groß: "Das Wasser hat mir in meinem Leben sehr viel gegeben, und in der aktuell schwierigen Situation würde ich gerne meine Kompetenz außerhalb des Beckens einbringen."

Durch den offenen Brief, der am Dienstag unter anderem von den Bundestrainern, Athletensprechern und Ex-Stars wie Franziska van Almsick und Britta Steffen unterzeichnet wurde, sei "klar, dass es zwischen dem aktuellen Vorstand und den Leistungssport-Verantwortlichen keine konstruktive Zusammenarbeit geben kann", meinte der "Albatros".

In dem Schreiben wird Troll für eine "intransparente und diffuse Kommunikation" massiv kritisiert und als Hauptverursacher für die "Krise zur Unzeit" ausgemacht. Am Dienstag soll erneut ein Gesprächstermin zwischen dem Präsidenten und den Bundestrainern zur Schlichtung abgesagt worden sein.

Als Interims-Leistungssportdirektor sehe sich Groß "quasi als Puffer" zwischen Haupt- und Ehrenamt. "Es geht jetzt vor allem darum, dass Stabilität und Ruhe reinkommen", sagte der 56-Jährige. Sich nur um die Olympia-Mannschaft zu kümmern, komme nicht infrage: "Damit ist in der jetzigen Situation nichts mehr gewonnen."

Die Betreuung des Olympia-Teams wäre nur eine von drei zentralen Aufgaben, verdeutlichte der erfolgreiche Unternehmer. "Wesentlich wichtiger ist der Wiederaufbau des Leistungssport- und Wettkampfbetriebs in allen Wassersportarten, weil die noch massiver von den Corona-Einschränkungen betroffen sind als die klassischen Outdoor-Sportarten", so Groß. Außerdem würde er sich bis Ende des Jahres um die Aktualisierung der Leistungssport-Struktur und -Strategie widmen.

"Der Wandel hat in den vergangenen Jahren schon stattgefunden, er ist für alle auch erkennbar", sagte Groß. Jetzt gehe es darum, "dass man keine Rolle rückwärts macht".