Wem Bayern seine Ablösen zahlte

SPORT1

Christian Heidel hat mit seiner Kritik an der Transferpolitik des FC Bayern für Wirbel gesorgt. Indirekt warf der frühere Manager des FSV Mainz 05 und des FC Schalke 04 den Münchnern vor, dem wirtschaftlichen Kreislauf in Deutschland bzw. dem Bundesliga-Markt wichtige finanzielle Mittel zu entziehen und diesen damit zu schwächen.


"Die Bayern fahren inzwischen leider die Politik, auf dem deutschen Markt nichts mehr oder kaum was zahlen zu wollen, und sichern sich Top-Bundesligaspieler sehr früh, um sie dann ablösefrei zu übernehmen. Ob das immer statutengerecht ist, interessiert niemand", sagte Heidel dem kicker: "Die dicke Kohle fließt, wie zum Beispiel bei Hernández, ins Ausland."

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Doch entsprechen Heidels Aussagen der Wahrheit? Überweist der deutsche Rekordmeister wirklich den größeren Anteil seiner Transferausgaben ins Ausland? SPORT1 nimmt die Zugänge des FC Bayern seit Heidels Amtsantritt auf Schalke im Sommer 2016 unter die Lupe. (Transferausgaben laut transfermarkt.de)

Höhere Summen fließen ins Ausland

Vor beziehungsweise in der Winterpause der Saison 2016/17 war das Verhältnis noch ausgeglichen. Bayern bezahlte sowohl für Neuzugänge aus dem Ausland als auch aus Deutschland jeweils insgesamt 35 Millionen Euro. Ablösefrei kam kein Spieler von einem anderen Klub.

In der darauffolgenden Spielzeit gaben die Münchner 41 Millionen Euro für Einkäufe in des Bundesliga und 2. Bundesliga aus. 75,5 Millionen Euro flossen ins Ausland. Am schwersten wogen die Ablösesummen für Corentin Tolisso (41,5 Mio. Euro) und Kingsley Coman (21 Mio. Euro). Für Niklas Süle überwies Bayern 20 Millionen Euro an die TSG Hoffenheim.


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Bayerische Zurückhaltung 2018/19

2018/19 hielt sich der aktuelle deutsche Meister auf dem Transfermarkt zurück. Lediglich zehn Millionen Euro bezahlten die Roten für einen Neuzugang - Alphonzo Davies kam aus der Major League Soccer.

Ganz anders stellte sich das Bild in den anschließenden beiden Transferperioden dar. Für Spieler wie Lucas Hernández (80 Mio. Euro) oder Philippe Coutinho (8,5 Mio. Euro Leihgebühr) überwies Bayern insgesamt 93,5 Millionen Euro an ausländische Vereine.

Für Spieler von deutschen Klubs waren es in Summe 50 Millionen Euro, darunter Benjamin Pavard, der für 35 Millionen Euro vom VfB Stuttgart an die Isar wechselte. 


Das Fazit:

Seit Sommer 2016 bezahlte der FC Bayern insgesamt 340 Millionen Euro an Ablösesummen und Leihgebühren für neue Spieler. Davon blieben 126 Millionen Euro in Deutschland, 214 Millionen Euro flossen ins Ausland. In diesem Punkt hat Heidel also Recht.

Auch sein Vorwurf, dass die Münchner vermehrt Spieler aus Deutschland ablösefrei verpflichten, ist nicht von der Hand zu weisen. Im genannten Zeitraum holten die Roten mit Sebastian Rudy, Leon Goretzka und Alexander Nübel drei Bundesliga-Akteure, ohne dem abgebenden Verein einen finanziellen Ausgleich zukommen zu lassen. Aus dem Ausland kam seit 2016 kein einziger ablösefreier Spieler.