HEIDELBERGCEMENT IM FOKUS: Baustoffkonzern im Aufwind

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HEIDELBERG (dpa-AFX) - Beim Baustoffkonzern Heidelbergcement <DE0006047004> liefen zuletzt die Geschäfte trotz der Corona-Pandemie wieder besser. Im laufenden Jahr peilt das Management rund um den Vorstandsvorsitzenden Dominik von Achten leichte Zuwächse bei Umsatz und operativen Ergebnis an. Um besser aus der Krise zu kommen, hatte von Achten Ende Februar 2020 ein neues Sparprogramm aufgesetzt. Zudem will von Achten den Konzern stärker auf Rendite trimmen und weniger profitable Konzernteile verkaufen. Was im Unternehmen los ist, was die Aktie macht und was Experten dazu sagen.

DAS IST LOS BEI HEIDELBERGCEMENT:

Im ersten Quartal lief es für des Dax-Konzern besser als gedacht, wie die Mitte April vorgelegten Eckdaten zeigten. Die Erlöse wuchsen leicht auf 3,96 Milliarden Euro. Das Ergebnis des laufenden Geschäftsbetriebs vor Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) stieg auf 538 Millionen Euro. Am 5. Mai wird Heidelbergcement dann die vollständigen Zahlen vorlegen.

Gerade mit dem Jahresauftakt in den USA zeigte sich der Manager im Gespräch mit dpa-AFX zuletzt zufrieden. Und momentan gebe es keinen Hinweis, dass es dort nicht so weitergehen werde, sagte der Manager, der vor mehr als einem Jahr das Ruder beim Baustoffkonzern von Bernd Scheifele übernommen hatte.

Für das laufende Jahr rechnet HeidelbergCement für den Gesamtkonzern mit einem leichten Anstieg des Umsatzes und des operativen Ergebnisses. Das bedeute einen Zuwachs im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich. In den Prognosen werden Währungseffekte sowie der Kauf und Verkauf von Unternehmensteilen ausgeklammert.

Um gut durch die Corona-Krise zu kommen, hatte HeidelbergCement vor mehr als einem Jahr ein Sparprogramm aufgesetzt. Der Konzern drückte die Kosten allein im vergangenen Jahr um rund 1,3 Milliarden Euro und damit stärker als zunächst geplant.

Auch will sich das Unternehmen auf die stärksten Märkte konzentrieren - und Geschäftsteile verkaufen, die mittelfristig nicht die Renditeerwartungen erfüllen. Anfang des Jahres schlug HeidelbergCement sein Kuwait-Geschäft los, weitere Verkäufe sollen folgen, auch kurzfristig.

Bis 2025 will das Management die operative Marge - das bereinigte Ebitda im Verhältnis zum Umsatz - auf 22 Prozent verbessern. 2020 betrug die Marge bereits 21,1 Prozent. Der Vorstand will Prozesse und Strukturen in Vertrieb, Produktion und Verwaltung optimieren. Vor allem in Nordamerika wolle HeidelbergCement besser werden, hatte von Achten im September gesagt.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Von den im dpa-AFX-Analyser seit März erfassten elf Experten empfehlen fünf die Aktie zum Kauf. Genauso viele Experten sprechen sich für das Halten des Papiers aus, ein Analyst gibt ein Verkaufsvotum aus. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 78 Euro - aktuell kostet das Papier gut 76 Euro.

Laut Analyst Matthias Pfeifenberger der Deutschen Bank übertraf HeidelbergCement mit seinen vorläufigen Zahlen zum ersten Quartal vor allem beim operativen Ergebnis deutlich die Erwartungen. Auch für Tobias Wörner vom Analysehaus Stifel fielen die vorläufigen Resultate des Baustoffkonzerns viel stärker aus als gedacht. Der Markt rechne für das laufende Geschäftsjahr bislang mit einer Stagnation, was er schon länger als zu konservativ ansehe. Seine nochmals angehobenen Schätzungen blieben über dem Konsens.

Analystin Elodie Rall von der US-Bank JPMorgan erinnerte aber zugleich daran, dass das erste Quartal aufs Gesamtjahr betrachtet saisonal bedingt aber nur wenig ins Gewicht falle. Im Schnitt trage es nur 11 Prozent zum operativen Jahresergebnis bei. Und Experte Patrick Creuset von der US-Investmentbank Goldman Sachs gab zudem zu bedenken, dass das weniger wichtige erste Quartal des Baustoffkonzerns zwar besser als erwartet verlaufen sei, aber die Auswirkungen der deutlich gestiegenen Energiepreise dürften sich im zweiten Halbjahr negativ bemerkbar machen.

Nach Ansicht von Analyst Stephan Bonhage vom Bankhaus Metzler bleibt HeidelbergCement mit Blick auf das mittelfristige Profitabilitätsziel in der Spur.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Die Aktie hat seit ihrem Mehrjahrestief im Frühjahr 2020, als die Corona-Pandemie die Finanzmärkte voll erwischte, eine eindrucksvolle Erholung hingelegt. Der Kurs ist seitdem auf mehr als das Zweieinhalbfache auf nun rund 76,50 Euro gestiegen.

Mit einem Börsenwert von gut 15 Milliarden Euro zählt HeidelbergCement aber immer noch zu den Leichtgewichten im Dax <DE0008469008>. Zum Vergleich: Der französische Baustoffhersteller Saint-Gobain kommt auf eine Marktkapitalisierung von rund 28 Milliarden Euro, der irische Baustoffkonzern CRH auf fast 30 Milliarden Euro und LafargeHolcim aus der Schweiz sogar auf umgerechnet fast 32 Milliarden Euro - und damit mehr als das Doppelte.

Im laufenden Jahr beläuft sich das Kursplus für HeidelbergCement auf rund ein Viertel. Das Papier zählt damit zu den vier größten Kursgewinnern unter den 30 Dax-Werten in diesem Jahr. Nur die Titel von Volkswagen <DE0007664039>, Deutsche Bank <DE0005140008> und Daimler <DE0007100000> haben noch deutlicher zugelegt.

Mitte April erklomm die Aktie mit gut 81 Euro den höchsten Stand seit fast drei Jahren. Seitdem bröckelte der Kurs etwas ab und bewegte. Damit ist weiterhin viel Luft vorhanden bis zum Rekordhoch von rund 121 Euro aus dem Jahr 2007. Im Jahr darauf hatte die Weltfinanzkrise dann für einen beispiellosen Kurseinbruch auf weniger als 20 Euro gesorgt.