Heidel und Tedesco auf Schalke: Die alte Leier

Der FC Schalke 04 schaut einmal mehr optimistisch in die Zukunft. Neu-Trainer Domenico Tedesco soll mit Sportdirektor Christian Heidel ein erfolgreiches Duo bilden. Der Start in die Saison offenbart aber manche Ungereimtheit.

Domenico Tedesco ist neu beim FC Schalke 04

Die viel zitierte Ruhe auf Schalke war das erklärte Ziel von Christian Heidel, als er vor einem Jahr das Amt als Sportdirektor der Knappen übernahm. Mit der Ruhe war es schnell dahin nach einem völlig verkorksten Start mit fünf Bundesligapleiten in Folge.

Die komplette erste Saison geriet zur Achterbahnfahrt mit unrühmlichem Ende: Trainer Markus Weinzierl wurde entlassen. Mit der Trennung von Weinzierl ging Heidel nur bedingt ein Risiko ein, umso größer wurde jenes dann allerdings mit der Ernennung von Tedesco zum neuen Cheftrainer. Der Fußball-Lehrer hatte bisher nur Erzgebirge Aue im Profibereich angeleitet.

Die ersten Vorzeichen der Saison standen jedoch gut. Der Konflikt mit Yevhen Konoplyanka konnte beigelegt werden, Tedesco führte seine Mannschaft durch eine weitestgehend stabile Vorbereitung. Nur in vier von acht Spielen mussten die Königsblauen Gegentore hinnehmen.

Transferschluss legte Probleme offen

Soweit so gut also die Lage in Gelsenkirchen. Doch mit nahendem Transferschluss und dem Start der Saison wurde doch Probleme offengelegt – und das ausgerechnet im eigentlich angedachten Erfolgsduo Heidel/Tedesco.

Der Trainer entschied sich zum Absetzen von S04-Legende Benedikt Höwedes als Kapitän. Eine derartige Entscheidung wird Tedesco nicht zum ersten Mal durchgerungen haben, zum ersten Mal wurde er aber mit dem öffentlichen Echo des Kalibers Schalke konfrontiert.

Höwedes verließ den Klub in Richtung Juventus Turin, der Trainer sorgte mit seiner Aussage, Reisende solle man “nicht aufhalten” für Aufsehen. Der Spieler entgegnete selbst, man hätte ihn sehr wohl aufhalten können und schon war die von Heidel so gern gesehene Ruhe verschwunden.


Höwedes war kein Reisender

Noch vor dem Saisonstart hatte Schalke sich Konfliktpotenzial geschaffen. Das wusste Tedesco sicherlich, als er sich dazu entschied, Höwedes die Binde abzunehmen. Auf einen Abgang war er jedoch nicht vorbereitet, wie er selbst im Interview mit dem kicker zugab.

Höwedes war nie ein Reisender, vielmehr war er ein Urgestein der Schalker. Eine Identifikationsfigur, ein Malocher wie man sie in Gelsenkirchen gerne sieht. Tedesco hat mit seiner Degradierung ein großes Stück des aufgebauten Vertrauens wieder ausgegeben.

Viel mehr Ausgaben sind in diesem Budget schon nicht mehr möglich, wirtschaften ist gefragt. Zu neu, zu experimentell ist die Gestaltung des Projekts Tedesco. Dass er sich öffentlich über einen zu kleinen Kader beschwerte und dafür von Heidel gerüffelt wurde, macht die Situation nicht besser.


Heidel widerspricht Tedesco

“Noch 15 Bundesliga-Spiele und hoffentlich zwei Pokalspiele”, so Heidel in der WAZ, soll sein Trainer nun überstehen. Dieser wiederum spricht davon, zwei Spieler zu wenig im Kader zu haben. Uneinigkeit an einer unbequemen Stelle.

So offenbar auch bei der Entscheidung gegen Höwedes. Heidel zeigte sich öffentlich zurückhaltend, was die Entscheidung von Tedesco gegen den ehemaligen Kapitän und Publikumsliebling anging. Echter Rückhalt für die Entscheidung seines Trainers lässt sich nicht herauslesen.

“Ich bin ganz sicher, dass Bene wieder ein ganz wichtiger Bestandteil dieser Mannschaft und dieser ersten Elf wird“, stellte Heidel noch nach dem ersten Spieltag gegen RB Leipzig fest. Wenige Tage später zeigte er sich als neutraler Manager der von Tedesco geschaffenen Situation.

Tedesco braucht Rückendeckung

Dabei wurde dieser doch exakt dafür geholt: Unbequem sein. Das hatte Heidel im frühen August bei SPOX noch angesprochen. Der Perfektionismus des Trainers könne “anstrengend sein”, so Heidel, er sehe das aber “absolut positiv.”

Mit derartigen Aussagen und dem fast überschwänglichen Lob für Tedesco legte Heidel die Messlatte sehr hoch. Nun wird es an ihm sein, Tedesco auch das nötige Vertrauen zu schenken, sich einzuleben und Schalke so zu gestalten, wie er es sich vorstellt.

Es ist ein großes Risiko, das Heidel und Schalke eingehen. Tedesco darf und muss unbequem sein, schließlich ist eine zweite, derart graue Saison wie 16/17 nicht das erklärte Ziel. Gleichwohl ist er noch mitten im Prozess, Vertrauen aufzubauen.