Heidel reagiert auf Fan-Proteste - Ultras erklären sich

Christian Heidel stößt aktuell auf wenig Gegenliebe bei den Fans

"70 Millionen ausgegeben - dafür 70 Prozent der Identität verloren". "Identitätsverlust stoppen - Knappenschmiede stärken". "Vom Autohändler zum IdentifikationsCHänder". 

So äußerte die Schalker Nordkurve am Sonntag im Spiel gegen den VfB Stuttgart ihre deutliche Kritik an Manager Christian Heidel. Nun hat sich der 54-Jährige zu den Plakaten gegen seine Person geäußert.

In der Bild-Zeitung gibt er zu: "Die Plakate tun mir natürlich weh! Es tut mir auch leid, wenn bei einigen unserer Fans - gerade beim Wechsel von Benedikt (Höwedes, Anm. d. Red.) - ein falscher Eindruck entstanden ist. Wir wollten nicht, dass er geht."

Heidel, der von 1989 bis 2005 ein Autohaus in Mainz leitete, identifiziert sich nach eigenen Angaben voll und ganz mit seinem Verein. "Wer mich kennt, weiß, wie wichtig mir dieses Thema ist. Wie früher mit Mainz identifiziere ich mich jetzt zu 100 Prozent mit Schalke. Ich bin wohl einer der größten Fußball-Romantiker. Aber ich mach den Fans keinen Vorwurf."

Fans erklären ihre Plakate

Jene Fans aber machen ihrem Manager sehr wohl einen Vorwurf. In ihrer Fanklub-Zeitschrift "Blauer Brief", die bei jedem Heimspiel vor der Nordkurve verteilt wird, begründeten die Ultras ihre Plakate ausführlich: "Für noch mehr Unruhe sorgte allerdings der Wechsel, beziehungsweise dessen Art und Weise, des Ur-Schalkers Benedikt Höwedes. (...)


Auch wenn wir die genauen Hintergründe wohl nie wirklich erfahren werden, so lässt aber Benes Statement und das Interview mit Trainer Tedesco doch vermuten, dass der Wechsel nicht ganz sauber über die Bühne ging. Der Umgang mit Bene steht stellvertretend für die Entwicklung auf Schalke der letzten Monate: Verdiente Spieler werden respektlos behandelt und unser Nachwuchs bekommt kaum noch Chancen, sich zu beweisen."

"Talente nicht direkt vom Hof jagen"

Und weiter: "Wir haben auf Schalke eine der besten Nachwuchsabteilung des Landes und können kein Nutzen mehr daraus ziehen. Vor wenigen Jahren waren wir noch auf dem richtigen Weg: Fährmann, Höwedes, Matip, Kolasinac, Meyer, Draxler, Sane... Alles Spieler, die bereits in der Knappenschmiede vor den Ball getreten haben und sich im Profifußball durchsetzen konnten. Heute tragen davon lediglich noch Ralle und Max Meyer das königsblaue Trikot. Während für Draxler und Sane noch gute Transfererlöse erzielt werden konnten, sind Joel und Sead ablösefrei gewechselt." 


Besonders kreiden die Ultras den Umgang mit ihren jungen Talenten an: "Platte, Hemmerich, Tekpetey, Wellenreuther, Neumann... Junge Talente die entweder verliehen wurden oder für nen Appel und nen Ei wechseln konnten. Dass unsere erste Mannschaft nicht zu 100 Prozent aus dem eigenen Nachwuchs bestehen kann und die Zeiten vorbei sind, wo man sein Leben lang für einen Verein gespielt hat, ist auch uns klar. Aber wenn man schon so einen guten Unterbau wie die Knappenschmiede hat, dann muss man da mehr rausholen. Dazu gehört es auch, den Jungs eine Chance zu geben und sie nicht direkt vom Hof zu jagen." 

Verträge von Goretzka und Meyer laufen aus

Dem setzt Heidel entgegen: "Wir achten sehr darauf, neue Identifikationsfiguren zu schaffen. Aber das muss sich entwickeln, wenn man sich wie wir neu aufstellt. Solche Figuren entstehen vor allem durch Erfolge - und davon gab es in der letzten Saison zu wenige." Sollte sich das in diesem Jahr nicht ändern, müsste Heidel wohl die nächsten Leistungsträger verabschieden. Die Verträge von Leon Goretzka und May Meyer laufen beide 2018 aus.