"Heißer Herbst 2022"? Linke und Rechtsextreme protestieren in Leipzig und Berlin

An diesem Montag haben in Leipzig Menschen sehr verschiedener politischer Ausrichtungen gegen die Regierung in Berlin protestiert. Im Internet geht der Protest viral.

Im Vorfeld hatte es harsche Kritik daran gegeben, dass die Proteste gegen die hohen Energiepreise in Deutschland als "Montagsdemos" bezeichnet werden - wie die Proteste gegen die Regierung der DDR vor dem Mauerfall. Doch an diesem Montag, den 5. September, wurde sowohl von der Partei DIE LINKE als auch von den rechtsextremen Freien Sachsen in Leipzig der sogenannte "heiße Herbst" eingeläutet.

Wut auf die Ampel-Koalition

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Linken versuchten zwar, sich von der gleichzeitig stattfindenden Kundgebung der rechtsextremen Freien Sachsen abzugrenzen. Doch die Wut der Linken wie der extrem Rechten richtete sich gegen die Ampel-Koalition und gegen die steigenden Preise. "They got money for the wars but can't feed the poor" ("Sie haben Geld für Kriege, aber können die Armen nicht ernähren") stand auf einem Plakat des Linken SDS über Portraits von Habeck, Scholz und Lindner. Weitere Parolen waren "Taschen leer, Schnauze voll". Hintergrund der Proteste ist auch der Preis der Sanktionen gegen Russland für die Menschen in Deutschland.

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Die rechtsextreme Kleinpartei "Freie Sachsen" rief die Linken dazu auf, sich die Hand zu reichen.

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Plakat von Linken in Leipzig. (Sebastian Willnow/dpa)

Linken-Politiker Gregor Gysi forderte in seiner Rede dazu auf, nur die politische Elite, nicht aber alle Russen mit Sanktionen zu belegen - wie der MDR berichtet. Auf dem zentralen Augustusplatz hielt die Polizei Linke und Rechte auseinander.

Impfgegner und Holocaust-Leugner

Bei den Rechtsextremen wurden Plakate aus der Zeit der Demonstrationen gegen die Coronaregeln mit Politikerinnen und Politikern in Gefängniskleidung neu aufgelegt - mit ausgetauschten abgebildeten Personen. Offenbar mischten sich auch Impfgegner unter die Demonstrierenden.

Mit bei der Demo dabei waren auch der Rechtsextremist und Gründer des Compact-Magazin Jürgen Elässer und der verurteilte Holocaust-Leugner Nikolai Nerling, der auch als "Volkslehrer" bezeichnet wird.

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Rechtxextremer Jürgen Elsässer in Leipzig - mit Portrait von Wirtschaftsminister Robert Habeck. (Jan Woitas/dpa)

In Berlin gab es ebenfalls Proteste - vor allem vor der Parteizentrale der Grünen. Und es kam zu verbalen Auseinandersetzungen, weil Linke keine Verschwörungstheoretiker auf ihrer Demo dulden wollten.

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