Der heiße Dreikampf der Serie A

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Der heiße Dreikampf der Serie A
Der heiße Dreikampf der Serie A

Während in der Bundesliga der FC Bayern vor seiner zehnten Deutschen Meisterschaft in Serie steht, ist in der Serie A fünf Spieltage vor Schluss ein spannender Dreikampf um den Scudetto entbrannt.

Mit ein Grund dafür: Die fetten Jahre vom italienischen Serienmeister Juventus Turin sind vorbei. Nach neun Titeln in Folge durchbrach Inter Mailand bereits 2021 die Phalanx der Alten Dame.

In der Saison 2021/22 hat Juve mit dem Ausgang der Meisterschaft ebenfalls nichts zu tun und kann nur zusehen, wie die Nerazzurri, der AC Mailand und der SSC Neapel den Scudetto unter sich ausmachen werden.

Am 34. von 38. Spieltagen trennen die drei Top-Klubs nur vier Punkte. Die Tifosi stehen Kopf, denn weder Inter, noch Milan, noch Napoli konnten von den Ausrutschern der anderen profitieren oder sich deutlich absetzen.

SPORT1 wagt eine Meisterschaftsprognose nach Restprogramm, Verletztenstand und Form der drei Titelanwärter.

AC Milan / 33 Spiele / 58:29 Tore / +29 Differenz / 71 Punkte

Die Mannschaft von Stefano Pioli träumt von der ersten Meisterschaft seit 2011 und ist seit elf Spielen in der Serie A ungeschlagen. Die letzte Niederlage kassierten die Rossoneri am 22. Spieltag gegen Spezia Calcio beim 1:2 im Giuseppe-Meazza-Stadion. (DATEN: Die Tabelle der Serie A)

In den letzten sechs Spielen blieb der aktuelle Tabellenführer sogar sechs Mal ohne Gegentreffer dank des starken Torwarts Mike Maignan. Trotzdem sprangen nur ein 2:0- und drei 1:0-Siege bei zwei torlosen Remis heraus. Gegen Bologna und Torino wäre mehr drin gewesen.

Allerdings fehlt Milan ganz klar ein Top-Torjäger à la Ciro Immobile (25 Tore für Lazio) oder Dusan Vlahović (23 Tore für Juve/Florenz), der eine Partie im Alleingang entscheiden kann. Die alten Recken Zlatan Ibrahimović und Oliver Giroud kommen nur auf je acht Treffer sowie Rafael Leão auf deren neun. Und aus dem Mittelfeld liefert nur Franck Kessié (5) noch Torgefahr.

Milan kämpft in der laufenden Saison zudem mit viel Verletzungspech - vor allem im Offensivbereich: Giroud, Ibra, Rafael Leão, Ante Rebić, Samu Castillejo und Junior Messias haben insgesamt über 50 Spiele verpasst.

Zudem wird Coach Pioli im Saisonendspurt auf sein Stamm-Innenverteidiger-Duo Alessio Romagnoli und Simon Kjaer verletzungsbedingt verzichten müssen. In den italienischen Medien wird zudem moniert, dass den Rossoneri ein echter Anführer fehlt. Sandro Tonali ist dem mit 21 Jahren noch nicht gewachsen, auch wenn er ein Riesen-Talent ist.

Restprogramm:

24. April bei Lazio Rom

01. Mai gegen AC Florenz

08. Mai bei Hellas Verona

15. Mai gegen Atalanta Bergamo

22. Mai beim US Sassuolo

Inter Mailand / 32 Spiele / 68:25 Tore / +43 Differenz / 69 Punkte

Der Titelverteidiger hat den Abgang von Top-Torjäger Romelu Lukaku (24 Liga-Tore) und Meister-Coach Antonio Conte ohne größere Probleme gemeistert. Zugute kam Neu-Coach Simone Inzaghi, dass seine Mannschaft mit dem 3-5-2-System bestens vertraut ist und nur punktuell verstärkt wurde.

Für den belgischen Sturmtank sprang Neuzugang Edin Dzeko (13 Tore) in die Bresche und ergänzt sich im Angriff blendend mit Lautaro Martínez (15), der noch stärker ist als in der Vorsaison. Joaquín Correa (4) und Alexis Sánchez (4) sorgen für Verschnaufpausen und wissen auch, wo das Tor steht. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Serie A)

Das Prunk-Stück der Nerazzurri ist aber das Fünfer-Mittelfeld: Über den linken Flügel macht Ivan Perisić (5 Tore/5 Assists), auf dem rechten Neuentdeckung Dunzel Dumfries (4/5) Dampf und laufen die Linie hoch und runter. Die Schaltzentrale bilden Marcelo Brozović, Nicolò Barella (3/10) und Neuzugang Hakan Calhanoglu (7/9).

Da fällt es nicht einmal ins Gewicht, dass Winter-Leihspieler Robins Gosens nach seiner schweren Verletzung erst 113 Minuten zum Zuge kam. Denn hinten lässt die beste Abwehr Italiens - nur 25 Gegentore - kaum etwas anbrennen. Milan Skriniar, Alessandro Bastoni und Stefan de Vrij verstehen sich blind und sind schwer zu überwinden.

Außerdem blieb Inter bisher von größeren Verletzungssorgen verschont, einziger Wermutstropfen: Im Saison-Finish ist der Einsatz von de Vrij fraglich, da er nicht 100 Prozent fit. Doch mit Andrea Ranocchia (34 Jahre), Aleksandar Kolarov (36) und Danilo D‘Ambrosio (33) steht geballte Erfahrung als Ersatz parat.

Zudem sind die Mailänder seit sieben Spielen ungeschlagen (vier Siege, drei Remis) und haben noch ein Nachholspiel in der Hinterhand. Mit einem Sieg stünde Inter wieder an der Spitze.

Restprogramm:

24. April gegen AS Rom

27. April beim FC Bologna (Nachholspiel)

01. Mai bei Udinese Calcio

08. Mai gegen FC Empoli

15. Mai bei Cagliari Calcio

22. Mai gegen Sampdoria Genua

SSC Neapel / 33 Spiele / 59:27 / +32 Differenz / 67 Punkte

Kaum eine Stadt, kaum ein Fußball-Klub und erst recht kaum eine Fan-Gemeinde wartet so sehnsüchtig auf die Meisterschaft wie die Partenopei. Niemand Geringeres als Diego Maradona führte vor 22 Jahren Napoli zum letzten Titelgewinn. 1990 und 1987 grüßten die Azzurri vom Platz an der Sonne.

Und seit dem Wiederaufstieg 2007 schrammten die Neapolitaner schon acht Mal knapp am Scudetto vorbei, was noch viel mehr schmerzt. Der SSC wurde vier Mal Vize-Meister und wurde vier Mal Dritter. Manch Fan hat das bis heute noch nicht verdaut. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Serie A)

2022 sollte unter Luciano Spalletti alles anders werden, doch wieder einmal bekommt Napoli zum Ende der Spielzeit das Nervenflattern. Nach fünf Siegen und einer Niederlage hatten die Süditaliener zuletzt die Chance, auf Platz eins zu springen. Doch die 2:3-Heimpleite gegen die Fiorentina vereitelte das.

Dabei ist Neapels Kader breit aufgestellt: Die Mittelstürmer Victor Osimhen (12 Tore) und Dries Mertens (8) könnten unterschiedlicher nicht sein, der erste groß und wuchtig, der zweite klein und wendig. Je nach Gegner setzt Spalletti auf den einen oder anderen oder versetzt Mertens in die offensive Dreierreihe im 4-2-3-1-System dahinter, wo Hirving Lozano (4 Tore/5 Assists) Matteo Politano (2/4) und Lorenzo Insigne (9/7) für kreative Momente sorgen.

Im zentralen Mittelfeld sind die Aufgaben ebenfalls klar: Zambo, Stanislav Lobotka und Ex-Leipzig-Star Diego Demme stehen für „Drecksarbeit“, Balleroberung und das schnelle Umschaltspiel. Fabián Ruiz (6 Tore/3 Assists), Piotr Zielinski (5/5) und Eljif Elmas (3/5) sind dagegen für das Spielerische verantwortlich und zudem torgefährlich.

Die Hintermannschaft um Abwehrchef Kalidou Koulibaly und Amir Rrahmani gehört auch zum Besten, was die Serie A zu bieten hat. Zusammen mit Schlussmann David Ospina hat Napoli den zweitbesten Abwehrverbund, was die 27 Gegentore belegen. Selbst das Verletzungspech konnte bislang immer aufgefangen werden, doch Nerven und Inkonstanz ließen bessere Resultate bisher nicht zu - so wie auch gegen die Roma, als der SSC in der 90.+1 Minute den späten Ausgleich zum 1:1 kassierten.

Restprogramm:

24. April beim FC Empoli

01. Mai gegen US Sassuolo

08. Mai beim FC Turin

15. Mai gegen Genua CFC

22. Mai bei Spezia Calcio

Prognose: Inter verteidigt Scudetto knapp vor Napoli und Milan

Das schwerste Restprogramm hat ganz klar Milan, da Lazio, Bergamo und die Fiorentina allesamt noch um die internationalen Plätze kämpfen. Zudem sind Sassuolo und Hellas schwer zu bespielen. Dazu noch das Verletzungspech. Die Rossoneri werden sich mit Rang drei begnügen müssen.

Napoli hingegen wird wie im Vorjahr wieder nur Vize-Meister. Mit dem physischen Spiel der vermeintlich kleineren Klubs wie Empoli, Torino und Co. hat die Spalletti-Truppe immer schon Probleme. Und mit der Niederlage am vorletzten Spieltag gegen Genua, das sich dadurch retten wird, verspielt der SSC mal wieder die Meisterschaft. Immer diese Nerven.

Inter wird somit seinen Titel erfolgreich verteidigen, weil die Truppe kaum aus der Ruhe zu bringen und zu erfahren ist. Zudem wird der Dreier aus dem Nachholspiel und das leichteste Restprogramm den Ausschlag geben. Die Nerazzurri holen sich somit den 20. Scudetto - nur Rekordmeister Juve (36) hat mehr.

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