Politische Botschaften: Rund 30.000 Teilnehmer beim CSD in Köln

Der Demonstrationszug zum Christopher Street Day war auch politisch.

Heiß, heißer, CSD: Als sich am Sonntagmittag der Demonstrationszug zum Christopher Street Day auf der Deutzer Brücke in Bewegung setzt, brennt die Sonne vom Himmel, wird der Fächer zum wichtigsten Utensil an diesem Tag. Andere haben Wasserpistolen mitgebracht, bespritzen sich gegenseitig. Allein die Hobbysportler des SC Janus ficht die Hitze nicht an. Unter Anleitung eines Vorturners absolvieren sie ein schweißtreibendes Fitnessprogramm, Choreographie mit Frisbee-Scheiben und Regenbogen-Fähnchen inklusive.

Sie machen das jedes Jahr so, und tatsächlich ist vieles wie immer: die stampfenden Beats, die Drag Queens, die in ihren schrillen Kostümen für die Fotografen posieren, die Fetisch-Fraktion mit ihren Peitschen und Lack-Uniformen, die politischen Botschaften.

Die „Ehe für alle“ ist ein Grund besonders viel zu feiern

Und doch ist auch alles ganz anders. Mit der Rehabilitierung von schwulen Männern, die einst wegen des Paragrafen 175 verurteilt wurden, und der Öffnung der Ehe für Homosexuelle gibt es in diesem Jahr besonders viel zu feiern. Es ist ein ganz besonderer CSD, das Gefühl hätten viele in der Community, sagt Martin Rätze vom Kölner Lesben- und Schwulentag (Klust), dem Veranstalter von Demo und Cologne Pride. „Die Leute sind teilweise sehr ergriffen und hören auch bei ruhigeren Tönen zu.“

Jörg und Stefan, die aus Darmstadt angereist sind, können das nur bestätigen. Als die Entscheidung für die „Ehe für alle“ fiel, hätten sie die Regenbogenfahne ins Fenster gehängt und gefeiert“, erzählt Jörg. Seit siebzehn Jahren sind sie ein Paar, seit zwei Jahren auch verpartnert. „Im Oktober werden wir das upgraden und richtig heiraten.“

„Für uns beginnt jetzt eine neue Zeit der Akzeptanz“

Bevor die Parade am Mittag mit buntem Regen aus der Konfetti-Kanone eröffnet wird, ist kurz Zeit zur Selbstbesinnung: „Für uns beginnt jetzt eine neue Zeit der Akzeptanz“, sagt Volker Beck, Grünen-Politiker und jahrzehntelanger Vorkämpfer für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern. „Aber es gibt noch viel zu tun. Die Akzeptanz, die der Gesetzgeber jetzt gezeigt hat, muss auch in der Gesellschaft verankert werden.“

Neben Beck ist an Polit-Prominenz auch Claudia Roth von den Grünen und Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes da. Oberbürgermeisterin Henriette Reker erhält freundlichen Applaus dafür, dass Köln diesmal noch mehr Flagge zeigt als sonst: Denn erstmals ist nicht nur die Deutzer Brücke in den Regenbogen-Farben beflaggt, sondern auch die Zoobrücke – mit 175 Fahnen – sowie das Rathaus, alle Bezirksrathäuser und das Polizeipräsidium.

Friedlich, fröhlich, bunt

Und dann setzt sich mit halbstündiger Verspätung der Demonstrationszug in Bewegung. 99 Gruppen mit 30 000 Teilnehmern sind mit von der Partie, mehrere Hunderttausend Zuschauer säumen den Weg, der von der Deutzer Brücke über Heumarkt und Neumarkt bis zum Dom führt. Es ist friedlich, es ist fröhlich und bunt.

Einziges negatives Vorkommnis laut Polizei: ein Wagen-Engel mit einem gebrochenen Fuß. Ein Reifen war darüber gerollt. Sehen und gesehen werden, lautet die Devise für den Rest des Tages. Drei Krankenschwestern, selbst top gestylt und mit rosa Plastikkelchen ausgestattet, in denen der Schampus perlt, entfährt angesichts so mancher Drag Queen im Glitzer-Kostüm ein neidvolles Stöhnen: „Harte Konkurrenz hier.“...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta