Heftigkeit der Kämpfe in Südjemens Hafenstadt Aden nimmt zu

Kämpfer der Separatisten in Aden

Bei Kämpfen in der südjemenitischen Hafenstadt Aden sind seit Sonntag mindestens 36 Menschen getötet worden. Mindestens 185 Menschen seien verletzt worden, teilte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) am Montag mit. Truppen der jemenitischen Regierung und Verbände südjemenitischer Separatisten ließen Kampfpanzer in der Großstadt auffahren und beschossen sich in den Straßen mit schwerer Artillerie, wie ein AFP-Fotograf berichtete.

Das Leben in der Hafenstadt war auch am Montag weitgehend gelähmt. Die Bewohner suchten Schutz vor den eskalierenden Kämpfen. Schulen, Universitäten und Geschäfte blieben geschlossen, auch der Hafen und der Flughafen stellten den Betrieb ein. In vielen Stadtteilen waren Kämpfe zu beobachten. Die Zusammenstöße hatten am Sonntag begonnen. Am Montagabend intensivierten sich die Kämpfe nach Militärangaben.

Die Kämpfe in Aden fügen dem ohnehin schon verfahrenen Bürgerkrieg im Jemen eine neue Dimension hinzu. In dem arabischen Land kämpfen schiitische Huthi-Rebellen seit Jahren gegen die Regierung von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi. Die Frontstellung in dem Konflikt in Aden ist eine andere: Hier kämpfen die Truppen des Präsidenten gegen Separatisten, die eine Rückkehr zu einem unabhängigen Staat Südjemen anstreben, wie er bereits vor der jemenitischen Vereinigung 1990 bestanden hatte.

Das große Nachbarland Saudi-Arabien, das Hadis Regierung stützt, rief die Konfliktparteien zur Mäßigung und zum Dialog auf. Hadis Regierung müsse "die Forderungen der politischen und sozialen Bewegung prüfen", sagte der Sprecher der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition, Turki al-Maliki, in Riad.

Die Koalition unterstützt Hadi im Kampf gegen die Huthi-Rebellen. Allerdings unterstützt ein Mitglied der Koalition - die Vereinigten Arabischen Emirate - im Südjemen zugleich die Separatisten, die früher mit Hadi verbündet waren und nun gegen ihn kämpfen.

Hadi hatte Aden als Hauptquartier seiner Regierung ausgewählt, nachdem ihn die Huthi-Rebellen 2014 aus der Hauptstadt Sanaa vertrieben hatten. Die Separatisten unterstützten die sunnitischen Hadi-Einheiten zeitweise gegen die Huthi-Rebellen. Am Sonntag eroberten die südjemenitischen Separatisten allerdings den Regierungssitz, nachdem Hadis Truppen eine separatistische Kundgebung verhindern wollten.

Der Südjemen blickt auf eine eigene historische Tradition zurück: Nach dem Ende der britischen Kolonialherrschaft wurde das Land 1967 eine unabhängige, marxistisch orientierte Volksrepublik mit der Hauptstadt Aden. Der Nordjemen war bereits seit 1918 ein unabhängiger, muslimisch-konservativer Staat mit der Hauptstadt Sanaa, der aus dem Osmanischen Reich hervorgegangen war. 1990 vereinigten sich beide Staaten, wobei der Nordjemen die dominierende Kraft war.