Heftige Kämpfe um wichtigen Militärflughafen im Süden von Idlib

Zivilisten fliehen vor Kämpfen in Idlib

In der Provinz Idlib haben sich die syrischen Regierungstruppen am Donnerstag heftige Gefechte mit dem Dschihadistenbündnis Hajat Tahrir al-Scham um den strategisch wichtigen Militärflughafen Abu Duhur geliefert. Die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad waren am Mittwochabend auf den Stützpunkt vorgedrungen, doch leisteten die Dschihadisten heftige Gegenwehr, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte.

Demnach starteten die Dschihadisten zudem einen Gegenangriff auf die Versorgungslinien der Regierungstruppen weiter südlich. Mindestens 16 Kämpfer von Hajat Tahrir al-Scham seien bei Gefechten mit den Regierungstruppen getötet worden, die von der russischen Luftwaffe unterstützt wurden. Laut den nur schwer überprüfbaren Angaben der oppositionsnahen Beobachtungsstelle wurden auch 35 Soldaten auf dem Flughafen getötet.

Gelingt der Regierung in Damaskus die Rückeroberung des Militärstützpunkts Abu Duhur, den sie Ende 2015 an die Dschihadisten verloren hatte, würde das ihre Position in Idlib deutlich stärken. Die Regierungstruppen hatten Ende Dezember eine neue Offensive im Südosten der Provinz gestartet, um die Autobahn zwischen Damaskus und Aleppo zu sichern. Seitdem eroberten sie dutzende Dörfer.

Idlib ist die letzte Provinz Syriens, die noch unter der Kontrolle der Rebellen ist. Dominiert werden die Aufständischen von Hajat Tahrir al-Scham, deren Rückgrat der frühere syrische Al-Kaida-Ableger Fateh al-Scham ist. Eigentlich wurde auf Initiative von Russland, der Türkei und dem Iran in Idlib eine Deeskalationszone eingerichtet, in der eine Waffenruhe zwischen Rebellen und Regierungstruppen gilt.

Zu ihrer Absicherung hat die Türkei Truppen im Norden der Provinz stationiert. Ankara rief am Mittwoch Russland und den Iran auf, Einfluss auf ihren Verbündeten Assad zu nehmen, die Offensive in Idlib zu stoppen. Die Türkei befürchtet andernfalls ein weiteres Ansteigen der Flüchtlingszahlen aus Idlib. Sie unterstützt die Rebellen, hat sich zuletzt aber Russland angenähert. Der Streit um Idlib zeigt, welch große Differenzen es weiter zwischen den drei Mächten gibt.