Hedgefonds wettet jetzt mit 5,5 Milliarden Euro gegen Dax-Aktien

Von Börsenturbulenzen lässt sich der Hedgefonds Bridgewater nicht beirren. Er vergrößert seine Spekulation auf fallende Kurse – auch bei SAP.

Der Montag war am deutschen Aktienmarkt nichts für schwache Nerven. Der Dax brach vorbörslich auf 11.730 Punkte ein und auch während des regulären Handels lief es zunächst nicht besser.

Die Frankfurter Benchmark verfehlte anfangs mit 11.830 Zählern nur knapp ein neues Tief der vergangenen zwölf Handelsmonate. Dann setzte das deutsche Börsenbarometer zur Erholung an, der Index schloss nach einer Aufholjagd bei 12.190 Zählern.

Nervenstark zeigte sich der weltgrößte Hedgefonds Bridgewater: Anstatt die Möglichkeit zu nutzen, einen Teil seiner milliardenschweren Wette auf fallende Kurse am Deutschen Aktienmarkt aufzulösen und Gewinne einzustreichen, wählte der Fonds einen anderen Weg. Er vergrößerte seine Wette auf einen Dax-Crash. Bridgewater erhöhte am Montag die sogenannten Short-Position bei acht Aktien.

Wetten gegen den Dax


Seit dem 29. Januar dieses Jahres setzt Ray Dalio, Gründer und Chefanlagestratege des Fonds, massiv auf fallende Kurse bei europäischen Aktien. Allein beim Dax 30 ist Bridgewater bei 13 Papieren mit Leerverkaufspositionen eine Spekulation auf niedrigere Notierungen eingegangen. Insgesamt wettet er derzeit mit 5,5 Milliarden Euro auf fallende Kurse bei deutschen Wertpapieren.

Bei Leerverkäufen leihen sich die Investoren Aktien von Unternehmen, bei denen sie mit Kursverlusten rechnen. Diese Papiere verkaufen sie danach und hoffen darauf, dass die Notierungen fallen. Dann können sie die Aktien später günstiger zurückkaufen und an den Verleiher zurückgeben.

Fällt der Kurs tatsächlich, behält der Investor die Differenz aus Verkaufs- und Kaufwert als Gewinn, abzüglich einer Leihgebühr. Steigen die Aktien hingegen, macht der Spekulant Verluste. Er muss sie teurer zurückkaufen als er sie abgegeben hat. Theoretisch sind so extreme Verluste möglich, wenn das Papier immer weiter raufklettert.

Erhöht hat Bridgewater am gestrigen Montag seine Spekulation bei acht Dax-Werten: Eon, Daimler, Adidas, Fresenius Medical Care, BASF, Munich Re, SAP und Siemens. Bei dreien davon deutlich: Die Höhe der Leerverkaufsposition stieg allein bei dem Softwarekonzern SAP um 0,11 Prozentpunkte auf 0,71 Prozent des gesamten ausgegebenen Aktienkapitals. Bei einer Marktkapitalisierung von 103,9 Milliarden Euro hat er der Fonds seine Wette um 114 Millionen Euro auf 738 Millionen Euro vergrößert.


SAP-Chef Bill McDermott hatte zuletzt im Handelsblatt-Interview verkündet, in den kommenden acht Jahren den Börsenwert des Unternehmens verdreifachen zu wollen.

Ebenfalls stark vergrößert haben sich die Positionen bei Daimler (plus zehn Prozentpunkte auf 0,8 Prozent) und Siemens (plus neun Prozentpunkte auf 0,86 Prozent). Weiterhin setzt der Fonds bei Bayer, Allianz, Deutsche Bank, Deutsche Post und Deutsche Telekom auf schwächere Kurse.

Wie groß die Positionen auf deutsche Aktien sind, zeigt eine Übersicht der entsprechenden Handelsblatt-Datenbank. Die Onlineanwendung zeigt alle Leerverkäufe von Investoren („Positionsinhaber“), die mehr als 0,5 Prozent der ausstehenden Aktien eines Unternehmens („Aktiengesellschaft“) ausmachen und im „Bundesanzeiger“ veröffentlicht werden. Dieser dient den deutschen Behörden neben dem Bundesgesetzblatt als Veröffentlichungsorgan für wichtige Bekanntmachungen.

Große Wette gegen italienische Bankaktien

Doch nicht nur in Deutschland, sondern auch am italienischen und spanischen Aktienmarkt wettet Dalio auf fallende Kurse. Seit Mitte Februar hat er Short-Positionen in Höhe von rund zwei Milliarden Euro gegen italienische Banken aufgebaut.

Seitdem hat sich der Wert der von Dalio leerverkauften Aktien um knapp 40 Millionen Euro reduziert – was wiederum auf einen möglichen Gewinn für den Hedgefonds Bridgewater schließen lässt.

Mit einem geschätzten Volumen von 621 Millionen Euro hat Bridgewater gegen Intesa Sanpaolo die größte Wette laufen. Insgesamt hat Dalio 1,2 Prozent der Aktien des Bankhauses leerverkauft.


Zur Einordnung: Bridgewater verwaltet nach eigenen Angaben ein Vermögen von 160 Milliarden US-Dollar. Laut Datenbank der US-Technologiebörse Nasdaq hat der Hedgefonds Ende des vergangenen Jahres 90 Prozent von seiner Anlagesumme in Finanzwerte investiert. Das meiste Geld steckt dabei in börsengehandelten Indexfonds (ETFs), mit denen das Unternehmen auf steigende Kurse spekuliert.

Doch Hedgefonds neigen dazu, sich abzusichern. So hat Bridgewater vermutlich auf fallende Kurse bei italienischen Banken gesetzt, um sich ein wenig abzusichern. Auf diese Art würde der Hedgefonds bereits profitieren, wenn sich US-Finanztitel im Vergleich zu den italienischen einfach besser entwickeln – auch wenn beide Titel fallen sollten.

Angesichts der starken US-Banken im Vergleich zu den teilweise maroden italienischen Geldhäusern beispielsweise keine unwahrscheinliche Entwicklung.