Hedgefonds: Klare Krisen-Signale

Viele Hedgefonds sind aktuell auf dem absteigenden Ast. Sie haben zu hohe Gebühren und bringen zu wenig Ertrag.

Sie waren das einstige Vorzeigemodell der Investmentbranche. Mitte der 2000er standen die Hedgefonds-Manager sowohl in puncto Nachfrage als auch bei den Einkommen weit oben im Ranking aller Assetmanager. Im Nachklang der geplatzten Technologieblase begannen institutionelle Anleger ertragreiche Häfen für ihr Kapital zu suchen – und fanden sie in Hedgefonds. 

Hedgefonds-Assets vervierfachten sich von etwa 500 Mrd. USD im Jahr 2000 bis zur Finanzkrise 2007 auf knapp zwei Bio. USD. Nach einem kurzen Einbruch in den Jahren 2008 und 2009 kletterten die verwalteten Vermögen erneut rapide an. Bis 2016 kletterten die Hedgefonds-Assets jährlich auf Höchstwerte. Zuletzt lagen diese bei knapp drei Bio. USD. Allerdings kehrt sich der Trend seit Mitte 2016 um. 

Quelle: Bloomberg

Zum Jahresende 2016 konstatierte das Analyse-Haus “Hedge Fund Research” zum ersten Mal seit der Finanzkrise negative Nettomittelzuflüsse. Investoren zogen gut 70 Mrd. USD aus den Fonds ab. Das (Shenzhen: 002421.SZ - Nachrichten) entspricht ungefähr 2,5% der AuM. Vor allem große staatliche US-Pensionsfonds reduzierten ihre Positionen. Bloomberg nennt hier Illinois, New York, Rhode Island und Kalifornien. Zahlreiche Versicherer und Stiftungen seien ihrem Beispiel gefolgt. Ihre Begründung: das Geschäftsmodell der Fonds sei zu teuer und zu komplex. Hedgefonds operieren noch immer nach der „zwei-und-zwanzig“ Regel: zwei Prozent Management-Gebühr plus zwanzig Prozent Ertragsprämie. 



Quelle: Bloomberg

In Zeiten der Outperformance konnten Investoren mit den hohe Gebühren leben. Zuletzt underperformten die Hedgefonds allerdings signifikant. Einer Bloomberg-Erhebung zufolge, die die Performance der Hedgefonds über die vergangenen acht Jahre betrachtet, brachten Hedgefonds im Mittel fast 100 Prozentpunkte weniger Ertrag als Aktien. Mehr noch: Ihre Wertentwicklung lag sogar unter der von Anleihen.



Quelle: Bloomberg

Die Etablierung von US-Robo-Advisors und das Aufkommen überwiegend passiv verwalteter Indexfonds befeuert die Debatte um das Geschäftsmodell der Fonds. Experten gehen daher davon aus, dass die Magie der Fonds auf lange Sicht nicht halten wird und das Anbietersterben am Hedgefondsmarkt weiter geht.  Im ersten Quartal 2017 sind siebzig Fonds mehr geschlossen als geöffnet worden.  

(DW)