Der Haussegen hängt schief bei Zumtobel

Vorstandschef Ulrich Schumacher kämpft um bessere Zahlen und gegen den miesen Aktienkurs beim österreichischen Lichtkonzern Zumtobel. Der Aufsichtsrat lässt den Aufstand der Führungskräfte an sich abperlen.


Das ist ein Novum in der Geschichte von Zumtobel. Die Manager der zweiten Ebene proben den Aufstand gegen den Aufsichtsrat. Das bringt Vorstandschef Ulrich Schumacher unter Druck. In einem Brief an den Aufsichtsrat mit seinem Vorsitzenden Jürg Zumtobel fordern 20 Führungskräfte des börsennotierten Familienunternehmens mehr Freiheit iim operativen Geschäft. Vorstandschef Schumacher trug diese Kritik im Aufsichtsrat bereits vor Wochen vor, berichten Unternehmensinsider. Bislang galt das Verhältnis zwischen Zumtobel und Schumacher als eng und vertrauensvoll.

Der Deutsche führt seit fünf Jahren den Leuchtenhersteller aus der Vorarlberger Kleinstadt Dornbirn. Wir müssen was unternehmen, so kann es nicht weitergehen, sagten sich einige Manager, die sich an den Vorstand wandten. Schumacher fungiert als Sprachrohr seiner Managementkollegen. Der gebürtige Rheinländer wollte sich am Sonntag auf Anfrage nicht zum Verhältnis zwischen Aufsichtsrat und Management äußern. Die Zumtobel Group AG mit ihren fünf Marken illuminiert Straßen, Büros, Industrieanlagen und Läden.

Das interne Schreiben löste im Konzern eine heftige Diskussion aus. Die Autoren wollen den Einfluss der Familie auf die Konzernstrategie zurück drängen. Der Konzern brauche in einen schwierigen Marktumfeld schnelle Entscheidungswege, heißt es im Konzern. Die Führungskräfte verlangen eine saubere Corporate Governance in Anspielung auf die Einflussnahme von Jürg Zumtobel, der bis 2003 selbst Vorstandschef war, und seinen Bruder Fritz Zumtobel.


Ulrich Schumacher hat seinen Vertrag erst im vergangenen Jahr um drei Jahre verlängert. Sein Vertragsverhältnis läuft bis zum Jahr 2020. Der frühere Chef des Halbleiterkonzerns Infineon hatte 2013 den Chefsessel bei Zumtobel übernommen. Jürg Zumtobel hatte ihm die Aufgabe als Vorstandschef persönlich angeboten. Die Familie Zumtobel hält insgesamt 35 Prozent der Aktien.

Am vergangenen Freitag ging die schon lange geplante Aufsichtsratssitzung über die Bühne. Eine Reaktion auf den Brandbrief der zweiten Managementebene blieb am Wochenende aus. Inhalte aus der Diskussion des Kontrollgremiums wurden nicht bekannt.

Der Haussegen hängt bei Zumtobel schon länger schief. Denn die Zahlen sind zuletzt mies ausgefallen. Die Umsatz- und Gewinnwarnung, mit der Zumtobel zuletzt an der Wiener Börse überraschte, ließ die Aktie abstürzen. Das Papier von Zumtobel bewegt sich nun in Richtung eines Fünf-Jahres-Tiefs. Die Marktkapitalisierung betrug am Freitagabend nur noch 480 Millionen Euro.

Die Marktsituation ist derzeit für das Unternehmen sehr schwierig. Im vergangenen Jahr schloss Zumtobel sein Werk in Usingen, nördlich von Frankfurt. Nach verschiedenen Restrukturierungen sah Schumacher keine Möglichkeit mehr, die rund 160 Arbeitsplätze zu erhalten. Vor Schließung gab es einen mehrwöchigen Streik der Beschäftigen, der aber zu keiner Rücknahme der Entscheidung in der Konzernzentrale führte. Neben dem österreichischen Dornbirn produziert Zumtobel Leuchten im nordenglischen Spennymoor, im westfälischen Lemgo und im amerikanischen Highland. Außerdem gibt es noch eine Fabrik in China.


Von Schnelligkeit und Nachhaltigkeit

Schumacher, der vor der Übernahme des Chefsessel in China Manager war, macht der gnadenlosen Preiskampf im Leuchtenmarkt zu schaffen. Auch Osram, Philips und General Electric reagieren mit Werkschließungen und Verkäufen auf den Preisverfall im Markt. Im Juli wurde Bau einer neuen Fabrik im serbischen Nis begonnen. Die Komponentenproduktion in Dornbirn soll in den nächsten Jahre schrittweise nach Serbien verlegt werden. Der wirtschaftliche Druck ist gewaltig.

Zumtobel hatte im ersten Halbjahr einen Umsatzeinbruch um mehr als sechs Prozent auf 824 Millionen Euro hinnehmen müssen. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern hat sich mehr als halbiert auf nur noch 20 Millionen Euro. Eine Gewinnwarnung in der vergangenen Woche schockte die Anleger. Der Vorstand erwartet nur noch ein operatives Ergebnis von 50 bis 60 Millionen Euro und eine rückläufige Umsatzentwicklung von rund fünf Prozent. Im ansonsten gut laufenden österreichischen Leitindex ATX ist Zumtobel derzeit der schlechteste Wert.



Schumacher besitzt dennoch eine klare Vision, wohin bei Zumtobel die Reise gehen soll. Statt sich weiter in einem ruinösen Wettbewerb mit Billiganbietern aus dem Fernen Osten zu bewegen, will der CEO Zumtobel zum „Google des Lichts“ machen. Er setzt auf hochtechnologische Anwendungen, um so zu früheren Margen wieder zu kommen. Der 59-Jährige konzentriert sich künftig auf Dienstleistungen rund um das Licht. Der Service-Bereich ist noch überschaubar, aber er wächst im zweistelligen Bereich.

Vor Zumtobel arbeitete Schumacher ein paar Jahre im Silicon Valley bei dem Finanzinvestor Francisco Partner, später als Präsident bei dem chinesischen Halbleiterhersteller Grace Semiconductor in Schanghai und schließlich bei der Schweizer Investmentfirma CGS DS. Der vom einstigen Siemens-Chef Heinrich von Pierer geförderte Manager brachte Infineon im Jahr 2000 an die Börse. Damals ahnten weder der CEO noch seine Hunderttausende von Aktionären, dass die Aktie des Halbleiterherstellers sich zu einem Desaster entwickeln sollte. Schnell geriet die Firma nach dem Börsengang unter die Räder. Die Aktie von Infineon stürzte ab. 2004 musste der Strahlemann die Kommandobrücke des Konzerns verlassen. „Ich bereue gar nichts“, sagt er viele Jahre danach.



Schumacher hat in Österreich auch sein privates Glück gefunden. Seit 2013 ist der Manager mit der Österreicherin Kadriye verheiratet und besitzt mehrere Wohnsitze im Alpenraum. Beruflich ist Schumacher zwar mit einem firmeneigenen Audi unterwegs, doch seine Leidenschaft gilt schönen und schnellen Autos. Mit seinem Rennfahrer-Outfit samt Porsche 911 vor der Frankfurter Börse wurde Schumacher über Nacht berühmt. „Ich neige von Natur aus dazu, lieber schneller als langsamer unterwegs zu sein“, sagt der Zumtobel-Chef über sich.

Der gelernte Ingenieur sammelt aber nicht nur Porsche-Autos, sondern auch andere Luxusmarken.. Der Rheinländer, der Infineon mit viel Tamtam an die Börse brachte, wusste früher, wie man Börsenkurse sehr geschickt treibt. Ob seine Fantasie auch bei Zumtobel reicht, um die das Familienunternehmen und die Aktie aus der Baisse zu holen, muss die Zukunft aber erst noch erweisen. Schnelligkeit, aber auch Nachhaltigkeit sind gefragt.