Hausärztin warnt: Aus diesem Grund fällt die Grippewelle 2021 deutlich stärker aus als im vergangenen Jahr

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Kopfschmerzen, verstopfte Nase, rauer Hals – mit den sinkenden Temperaturen steigen in Deutschland wieder die Erkältungs-Fälle. Normalerweise hilft Tee trinken und ein wenig Bettruhe. Aber: In diesem Jahr könnte eine Erkältung euch stärker treffen als in den Jahren zuvor.

Barbara Römer, Landesvorsitzende des Hausärzte­verbandes Rheinland-Pfalz, warnte im Gespräch mit Business Insider: „Wegen der Corona-Maßnahmen ist unser Immunsystem seit letztem Jahr nicht mehr so gut trainiert.“ Denn aufgrund von Lockdown, Abstandsregelungen und Hygienemaßnahmen haben wir uns nicht nur vor Corona, sondern auch vor Erkältungs- und Grippeviren geschützt – dadurch fiel die Grippewelle im vergangenen Jahr aus.

Unterschied Grippe und grippaler Infekt: Umgangssprachlich sprechen wir häufig von einer Grippe, wenn wir eigentlich einen grippalen Infekt meinen. Eine „echte“ Grippe wird durch Influenza-Viren ausgelöst und verläuft meist schwerer. Sie ist vor allem durch Gliederschmerzen, Fieber und Schüttelfrost gekennzeichnet, die blitzartig auftreten. Ein grippaler Infekt beginnt meist mit Schnupfen, Halsschmerzen und Husten und verschlimmert sich mit der Zeit.

Römer erzählt, dass sie seit etwa ein bis zwei Wochen viele Patientinnen und Patienten mit grippalen Infektsymptomen behandelt. „Die Zahl der Patienten mit Erkältungssymptomen ist massiv angestiegen“, sagt sie. Dafür gebe es mehrere Gründe: Einerseits sind viele Menschen noch immer verunsichert und wollen abklären lassen, ob es sich um eine Coronainfektion handeln könnte – wer also vor der Pandemie einfach für ein paar Tage im Bett geblieben wäre, meldet sich nun trotzdem bei seinem Hausarzt. Andererseits macht das aktuelle Wetter mit den Temperatur-Wechseln unser Immunsystem anfälliger für Infekte.

Und der dritte Grund: „Wie ein Muskel muss auch unser Immunsystem trainiert werden. Das passiert, indem wir immer wieder verschiedenen Viren und Keimen ausgesetzt sind, die unser Körper bekämpft und sich dadurch für andere Infektionen wappnet.“ Durch das Tragen von Masken, Kontaktreduzierung und weitere Hygienemaßnahmen hatten die meisten keine „Trainingsmöglichkeit“, daher sind die Symptome bei grippalen Infekten in diesem Jahr auch stärker ausgeprägt.

Aber: Die deutlich gefährlichere Grippewelle würde noch bevorstehen, warnt Römer. „Ich denke, dass wir in den Praxen in etwa so ausgelastet sind wie im vergangenen Jahr wegen Corona.“ Anfang Oktober 2020 waren die Infektionszahlen in die Höhe geschossen. Da es damals noch keine Impfung gab, steckten sich viele Menschen mit Covid-19 an. In diesem Jahr werden sicherlich nicht so viele Corona-Infizierte in den Praxen behandelt werden, dafür aber viele Menschen mit Infekten und vermutlich auch mit Grippe, befürchtet die Ärztin.

Grippe- und Coronaimpfung gleichzeitig?

Umso wichtiger sei es, sich gerade in diesem Jahr auch gegen Grippe impfen zu lassen, betont Römer. Ähnlich wie bei einer Corona-Infektion ist die Grippe vor allem für ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen gefährlich. Auf der Website des Robert Koch-Instituts heißt es: „Die Gruppen, die ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf haben, sind bei Influenza und Covid-19 sehr ähnlich: insbesondere ältere Menschen ab 60 Jahren/hochaltrige Menschen und Menschen mit Grunderkrankungen.“ Gerade im Rahmen der Corona-Pandemie sei eine hohe Influenza-Impfquote bei Risikogruppen essenziell, um schwere Influenza-Verläufe zu verhindern und Engpässe in Krankenhäusern – zum Beispiel bei Intensivbetten und Beatmungsplätzen – zu vermeiden. Die Impfquoten seien seit Jahren jedoch sehr niedrig.

Der Deutsche Hausärzteverband steht einer gleichzeitigen Impfung gegen Corona und Grippe an einem Termin offen gegenüber. „Aus hausärztlicher Sicht sprechen zwei klare Vorteile dafür, die Corona- wie die Influenzaimpfung möglichst zeitgleich zu verabreichen“, sagte der Bundesvorsitzende Ulrich Weigeldt der Deutschen Presse-Agentur. „Zum einen bestünde andernfalls die Gefahr, dass manche Patientinnen und Patienten nur eine der beiden Impfungen wahrnehmen.“ Denn sie wollten eher nicht zu mehreren Impfterminen hintereinander erscheinen. „Außerdem wäre es aus organisatorischer Sicht einfacher und würde gleichzeitig das mögliche Ansteckungsrisiko durch die Vermeidung eines zusätzlichen Impftermins reduzieren“, ergänzte Weigeldt.

Was ihr tun solltet, wenn ihr Grippe-Symptome habt

Wenn ihr euch krank fühlt, Gliederschmerzen oder Fieber habt, solltet ihr euren Hausarzt aufsuchen, sagt Ärztin Barbara Römer. „Dieser kann dann feststellen, ob es sich um eine echte Grippe, eine starke Erkältung oder Corona handelt. Wie auch bei Covid-19 können erst einmal nur die Symptome behandelt werden.“

Solltet ihr im Verlaufe der Erkrankung starken Husten bekommen und Atemprobleme haben, müsst ihr unbedingt noch einmal zum Arzt gehen. „Das größte Risiko bei einer echten Grippe ist, dass man sich eine Lungenentzündung einfängt.“ Euer Arzt kann dann klinisch feststellen, ob das bei euch der Fall ist und schickt euch notfalls ins Krankenhaus.

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