Hauptversammlung bei Daimler: Was läuft gut und wo hakt es im Konzern?

Bei der heutigen Hauptversammlung kann Daimler mit Rekordzahlen aufwarten. Grund zur grenzenlosen Freude gibt es dennoch nicht, denn die Stuttgarter haben auch mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen.

Es ist nicht alles rosig bei Daimler (Bild: Getty Images)

Mit 3,3 Millionen verkaufter Fahrzeuge steht Daimler so gut da wie nie zuvor. Insgesamt machten die Stuttgarter damit einen Umsatz von 164,3 Milliarden Euro und verzeichnen einen Gewinn von 10,5 Milliarden Euro. Davon profitieren auch die Aktionäre: Insgesamt 3,9 Milliarden Euro werden an sie ausbezahlt, das entspricht einer Dividende von 3,65 Euro pro Aktie und damit einem Plus von zwölf Prozent.

Viele neue Modelle sollen viele Kunden anlocken

Womit Daimler auch in Zukunft bei den Kunden punkten will ist klar: “Das Tempo unserer Produktoffensive bleibt hoch“, kündigte Dieter Zetsche laut “Manager Magazin“ in Berlin an. In den vergangenen fünf Jahren hat der Daimler-Chef bewiesen, dass dieses Modell aufgeht. Schließlich sind die Daimler-Fahrzeuge im Premiumsegment weltweit führend, BMW und Audi hinken bei den Verkaufszahlen hinterher. Vor allem in China boomt das Geschäft, wobei SUVs noch immer besonders gefragt sind. In diesem Jahr sollen mehr als ein Dutzend neue Fahrzeuge die Produktpalette erweitern, darunter auch eine Neuauflage der A-Klasse.

Mit diesen Problemen hat der Konzern zu kämpfen

Bei aller Freude um die offensichtlich guten Zahlen ist in Stuttgart nicht alles eitel Sonnenschein. Ein leidiges Problemthema ist noch immer der Diesel. Insgesamt sollen drei Millionen Fahrzeuge ein Software-Update bekommen, um den Schadstoffausstoß herabzusetzen. Dass bei Daimler Abgaswerte durch illegale Abschalteinrichtungen manipuliert wurden, hat die Konzernführung immer vehement bestritten. Trotzdem stehen abschließende Beurteilungen u. a. des Kraftfahrt-Bundesamts noch aus und auch die Diskussion um Diesel-Fahrverbote in Städten ist noch nicht vom Tisch.

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Kartellvorwürfe

Ein weiterer Punkt, der die Stimmung drücken dürfte, sind die Kartellvorwürfe gegen Daimler und andere Autobauer aus Deutschland. Über Jahre hinweg sollen sie sich illegal über Kosten, Technik und Zulieferer abgesprochen haben. Daimler hat sich deswegen selbst angezeigt, das Urteil der zuständigen EU-Kommission steht noch aus. Dass die Aktionäre hier besonders gut hinschauen, ist kein Zufall. Schließlich hat die EU schon einmal eine Strafe in Milliardenhöhe gegen den Konzern verhängt. Damals ging es um illegale Preisabsprachen unter den Lastwagenherstellern.

In Forschung und Entwicklung fließt viel Geld

Um sich seine Spitzenposition auch in Zukunft zu bewahren, will Daimler einiges investieren. “Jetzt sind wir in der Gestaltungsphase für die Zukunft“, zitiert das Handelsblatt Daimler-Chef Zetsche. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind 2017 um fast 13 Prozent auf knapp 6 Milliarden Euro gestiegen. In diesem und im nächsten Jahr sollen weitere 18 Milliarden dazu kommen.

Der gesamte Konzern wird umstrukturiert

Künftig sollen unter dem Dach der Daimler AG drei rechtlich selbstständige Sparten vereint sein: Pkw & Vans, Lkw & Busse und Financial Services. Für die Zukunft mag das richtig und wichtig sein. Für die Anleger bedeutet das aber auch, dass für den Umbau erst einmal ein dreistelliger Millionenbetrag ausgegeben wird. Was für die einen Grund zur Sorge ist, geht den anderen nicht weit genug.

Das “Manager Magazin“ etwa schreibt, der Konzern täte besser daran, weniger Dividenden auszuschütten und noch mehr Geld in den technologischen Wandel zu stecken. Neben BMW und Audi sei auch Daimler weit davon entfernt, sich im aufstrebenden Bereich alternativer Antriebe, autonomes Fahren und neuer Mobilitätskonzepte als führend hervorzutun.