HAUPTSTADTGEFLÜSTER: Ob Söder oder Laschet - die Union verliert

Birgit Jennen
·Lesedauer: 2 Min.

(Bloomberg) -- Der Showdown zwischen CDU-Parteichef Armin Laschet und seinem CSU-Pendant Markus Söder dürfte Parteigeschichte schreiben. Nicht nur, weil damit nach 16 Jahren das Ende der Kanzlerschaft von Angela Merkel eingeläutet wird, sondern weil damit auch die guten Jahre der Union vorbei sind.

Es brauchte nicht viel hellseherische Fähigkeiten um vorauszusagen, dass die Suche nach einem Kanzlerkandidaten schwierig werden würde für die Union. Viele von Merkels Möchtegern-Erben sind in den vergangenen Monaten gescheitert, bevor sie überhaupt als Kandidaten antreten durften. Zuerst sah sich Ex-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer gezwungen, das Handtuch zu werfen - nach zahlreichen Fehltritten, die bei den Parteifreunden Zweifel an ihrer Kanzlertauglichkeit schürten. Auch Friedrich Merz, dessen Ambitionen die Spaltung der Partei offenlegten, wurde der Weg zum Thron von seinen Parteifreunden verbaut. Wer auch immer im Ringen zwischen Laschet und Söder in dieser Woche die Oberhand behalten wird: der Verlierer steht jetzt schon fest, es ist die Union.

Fast wie Hohn klingt dabei die Äußerung des Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe Alexander Dobrindt, die Union betreibe bei der Kanzlersuche jetzt Teambildung. Das Gegenteil ist der Fall. Der Streit um die Kanzlerkandidatur dürfte die Spaltung der Union über Jahre hinweg vertiefen. Sie offenbart die Kluft zwischen jenen, die Merkels Modernisierungskurs fortsetzen wollen und den Ordnungspolitikern und Verteidigern konservativer Werte auf der anderen Seite.

Noch kann die Union als eine Gruppierung, die für alle gesellschaftlichen Schichten offen ist, auf die politische Mehrheit setzen. Doch der Verfall der ältesten deutschen Volkspartei sollte ihr eine Lehre sein. Die Parallelen zur SPD, die mittlerweile kaum noch Chancen hat, den Kanzler zu stellen, sind unübersehbar. Eingeklemmt zwischen Grünen und Linken hat sich die SPD zuerst inhaltlich an den Hartz-Reformen zerfleischt und ist dann von einer Führungskrise in die nächste getaumelt.

Einen ähnlichen Weg schlägt nun die Union ein, die sich angesichts der Konkurrenz durch die AfD zuerst inhaltlich an der Flüchtlingsfrage spaltete und nun ihre jahrzehntelange Parteidisziplin aufgibt und auf offener Bühne wenige Monate vor der Bundestagswahl einen Führungsstreit austrägt. Dabei hätte sie von der SPD lernen können: Der Wähler goutiert keine Partei, die sich vor allem mit sich selbst beschäftigt. Das kostet auf lange Sicht die Mehrheit.

(Dieser Kommentar spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung von Bloomberg LP oder deren Eigentümern wider. Birgit Jennen ist Reporterin bei Bloomberg News)

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