HAUPTSTADTGEFLÜSTER: Merkels Schweigen zu Trump

Arne Delfs
·Lesedauer: 2 Min.

(Bloomberg) -- Wirtschaftsminister Peter Altmaier ist normalerweise ein sehr gesprächiger Zeitgenosse. Als es aber gestern um eine erste Einschätzung zu den US-Präsidentschaftswahlen ging, zeigte sich Altmaier ungewohnt wortkarg.

Als ein „einfacher Wirtschaftsminister“ stehe es ihm ja gar nicht zu, dem Präsidenten eines anderen Landes zu gratulieren, blockte Altmaier die Frage von Bloomberg TV ab, ob er Donald Trump denn schon zu dessen angeblichem Wahlsieg gratulieren wolle. Schließlich hatte der US-Präsident sich kurz zuvor im Stile eines osteuropäischen Diktators zum Sieger erklärt - obwohl die Auszählung der Stimmen noch im vollen Gange war.

Andere Vertreter der Bundesregierung reagierten noch schmallippiger auf den ungeliebten US-Präsidenten, dessen Abwahl man heimlich entgegenfieberte. Da das Endergebnis der US-Wahl noch nicht vorliege, „verfolgt die Bundesregierung alles aufmerksam, aber sie kommentiert den Stand der Dinge nicht“, wehrte der Sprecher der Bundeskanzlerin, Steffen Seibert, entsprechende Nachfragen ab. Angela Merkel selbst war an diesem Tag sicherheitshalber auf Tauchstation gegangen, um gar nicht erst in die Verlegenheit zu kommen, etwas zu Trump sagen zu müssen.

Einzig Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer fand deutlichere Worte und sprach im ZDF von einer „sehr explosiven“ Lage und von einer „Schlacht um die Legitimität des Ergebnisses“. Was ein bisschen so klang, als kommentiere sie gerade das Kriegsgeschehen in Afghanistan oder Berg-Karabach.

In der Tat wüsste man gerne, was die Bundesregierung sagen würde, wenn der Präsident eines Landes wie Montenegro oder - sagen wir - Belarus sich noch vor Verkündung des Wahlergebnisses zum Sieger erklären und gleichzeitig ankündigen würde, die weitere Stimmenauszählung zu stoppen. Dann wäre sicherlich auch Peter Altmaier wieder gesprächiger gewesen.

(Dieser Kommentar spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung von Bloomberg LP oder deren Eigentümern wider. Arne Delfs ist Reporter bei Bloomberg News.)

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