HAUPTSTADTGEFLÜSTER: Laschets wackelige Brücke ins Kanzleramt

Arne Delfs
·Lesedauer: 2 Min.

(Bloomberg) -- Armin Laschet ist in diesen Tagen nicht zu beneiden. Was immer der CDU-Chef anpackt, geht schief - oder endet bestenfalls im Nirgendwo.

Jüngstes Beispiel ist Laschets Idee eines sogenannten “Brücken-Lockdowns”, die er am Ostermontag bei einem Besuch eines Aachener Corona-Impfzentrums in die politische Debatte warf.

Schon am Dienstag war klar, dass Laschets Brücke niemals gebaut wird. Reihenweise erteilten die Ministerpräsidenten - darunter auch so mancher Unionspolitiker - seiner Idee eines zwei- bis dreiwöchigen harten Lockdowns eine Absage. Die Kanzlerin ließ über einen Sprecher lediglich verlauten, dass sie die Idee zwar grundsätzlich richtig finde, aber zunächst geklärt werden müsse, auf welchem Weg man dorthin gelange.

Zumindest in den sozialen Medien sorgte der CDU-Chef mit seiner Idee für kurzzeitige Heiterkeit. Unter dem Hashtag #Laschethatnachgedacht posteten Twitter-Nutzer Bilder von einstürzenden Brücken, Brücken, die ins Nichts führen oder Menschen, die von selbigen in den Abgrund springen. Dazu dudelte der Oldie “Bridge over Troubled Water” von Simon & Garfunkel.

Ein Grund für den Spott mag sein, dass Laschets Vorstoß zu kalkuliert und wenig glaubwürdig wirkte. Denn als NRW-Ministerpräsident hat er wiederholt härtere Lockdown-Maßnahmen blockiert. Insofern wirkte sein jüngster Vorstoß weniger wie ein Beitrag zur Corona-Debatte, denn vielmehr als Versuch, im Rennen um die Kanzlerkandidatur Boden gegenüber seinem CSU-Konkurrenten Markus Söder gut zu machen. Es sollte Laschets Brücke ins Kanzleramt werden.

Im Unterschied zu Laschet hat CSU-Chef Söder von Anfang an auf einen strikten Kurs bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie gesetzt und stand dabei stets fest an der Seite der Kanzlerin. Von Laschet kann man das nicht unbedingt behaupten. Mehrfach hat er sich in seiner Rolle als NRW-Ministerpräsident von Merkels striktem Lockdown-Kurs distanziert.

In den Umfragen hat ihm das nicht geholfen. Bei der Kanzlerfrage liegt Söder laut einer neuen Forsa-Umfrage bei allen Wählergruppen deutlich vor Laschet, im linken Wählerspektrum mit 14 Prozentpunkten, in Bayern gar mit 37 Punkten.

Würden die Grünen ihre Co-Chefin Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin aufstellen, läge Söder laut Forsa mit 39% vorn, Baerbock käme auf 20%, SPD-Kandidat Olaf Scholz auf 14%. Würde hingegen für die Union der CDU-Chef antreten, käme Baerbock auf 23%, Scholz auf 17% und Laschet nur auf magere 16%.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Ein Sprache, die auch der Vorstand der Unionsfraktion zur Kenntnis nehmen wird, wenn er sich am Sonntag zu einer Klausurtagung in Berlin trifft. Zwar steht dort die Kandidatenfrage nicht offiziell auf der Tagesordnung, könnte dort aber dennoch schnell entschieden werden. Zumal Laschet, Merkel und Söder ebenfalls an dem Treffen teilnehmen werden.

(Dieser Kommentar spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung von Bloomberg LP oder deren Eigentümern wider. Arne Delfs ist Reporter bei Bloomberg News.)

For more articles like this, please visit us at bloomberg.com

Subscribe now to stay ahead with the most trusted business news source.

©2021 Bloomberg L.P.