HAUPTSTADTGEFLÜSTER: Laschet erntet Pfiffe in Merkels Wahlkreis

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(Bloomberg) -- Dieser Abend hätte so schön werden können: Die Kanzlerin kommt noch einmal zurück in ihren alten Wahlkreis, um gemeinsam mit ihrem Nachfolger auf die Erfolge ihrer 16-jährigen Regentschaft zurückzublicken und optimistisch in die Zukunft zu schauen. Die untergehende Sonne taucht den Alten Markt von Stralsund samt der scheidenden Kanzlerin in ein mildes Abendlicht, während Armin Laschet siegesgewiss die Bühne betritt.

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Leider sah die Realität am Dienstagabend in Stralsund ganz anders aus: Es regnete in Strömen, der herbstliche Marktplatz war nur halb gefüllt, und die Wenigen, die da waren, schrien “Haut ab!” und “Merkel muss weg”, als die Kanzlerin und ihr Möchtegern-Nachfolger über den düsteren Marktplatz huschten.

Auf der Bühne versuchte Merkel, der traurigen Kulisse mit demonstrativem Optimismus zu trotzen. “Wenn Du Bundeskanzler bist, lieber Armin Laschet, musst Du unbedingt bei Tageslicht und Sonnenschein wieder hierher kommen, um zu erleben, wie schön es hier ist”, rief Merkel dem CDU-Vorsitzenden zu. Der Angesprochene lächelte tapfer von der Bühne und schien zu ahnen, dass seine Kanzlerschaft in dem Moment so fern war wie die wärmende Sonne dem verregneten Stralsunder Marktplatz.

Dementsprechend lustlos klang denn auch der Rest von Merkels Rede, die dem schwächelnden Unionskanzlerkandidaten noch einmal Rückenwind verschaffen sollte, an diesem Abend aber nur gellende Pfeifkonzerte auslöste. Als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen kämpfe Laschet um “jeden einzelnen Job” und werde dies bald auch als Bundeskanzler tun, sagte Merkel noch. Dann war sie schon fertig und insgeheim wohl froh, dass sie nicht mehr allzu viele solcher Auftritte absolvieren muss.

Laschet selbst tat an diesem Abend wenig, um die feindselige Stimmung auf dem Marktplatz jedenfalls ein bisschen zu seinen Gunsten zu drehen. “Dieses Land hat eine neue Führung verdient”, sagte er an einer Stelle. Wobei man sich als wohlwollender Zuhörer unwillkürlich fragte, ob Laschet damit Mecklenburg-Vorpommerns SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig meinte, oder vielleicht doch durch die Blume die Führung im Bund unter Merkel.

Ein Stralsunder zumindest meinte es gut mit dem glücklosen Kandidaten. “Der kann im nächsten Sommer ja auch wieder kommen, wenn er nicht Bundeskanzler geworden ist”, sagte der ältere Herr. “Dann kann er hier in Ruhe in der Sonne sitzen und seinen Kaffee trinken.”

(Dieser Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung von Bloomberg LP oder deren Eigentümern wider. Arne Delfs ist Reporter bei Bloomberg News.)

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