Hauptrolle Berlin: Berührende Geschichtsstunde: "Mein wunderbares West-Berlin"

Macht eure Sexualität öffentlich: Eine Demo in den 70er-Jahren, die Anfänge der Berliner Schwulenbewegung

Zwei ältere Herren sitzen in der Paris Bar. Der eine will eigentlich schildern, wie er 1964 nach West-Berlin kam, mit nur einer Tasche, ohne Bleibe, und sich erst mal als Tellerwäscher und Barkeeper durchgeschlagen hat. Aber der andere unterbricht brüsk: "Was mich interessiert, ist dein Privatleben. Das war ja damals ganz schrecklich. Ist es heute immer noch schrecklich?"

Der eine ist Star-Visagist René Koch und will weitererzählen, aber der andere, Star-Coiffeur Udo Walz, lässt ihn nicht: "Wenn der hinterm Tresen stand, hat er sich immer so aufgespielt und war ein bisschen nuttös." Koch lächelt gequält, will ins Wort fallen. Umsonst. "Lass mich doch ausreden.... Dann hat er immer mehr Trinkgeld gekriegt. Er war jung und brauchte das Geld." Und beide lachen.

Wunderbar, wie sie miteinander frotzeln: Coiffeur Udo Walz und Visagist René Koch beim Plausch in der Paris Bar Salzgeber

Die Art, wie die Herren am Tisch da miteinander umgehen, ist eine Art Spiel. Eins, das sie nicht bloß für sich treiben, sondern vor laufender Kamera, für den Filmemacher Jochen Hick. Dessen Dokumentarfilm "Mein wunderbares West-Berlin" handelt nicht, wie man meinen könnte, von der alten City-West im Allgemeinen, sondern von der schwulen Subkultur im Speziellen, die sich in Mauer-Zeiten freier entfalten konnte als in jeder anderen Stadt.

Ein faszinierender Blick auf das "andere" Berlin und ein oft überraschendes Zeit-Bild. In der Filmreihe "Hauptrolle Berlin", in der der Zoo Palast und die Berliner Morgenpo...

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