Hauptangeklagter in Prozess um staatliche Gewalt in Syrien weist Vorwürfe zurück

Der Hauptangeklagte im Koblenzer Prozess um Mord und Folter durch den syrischen Staat hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Er habe weder jemanden geschlagen noch gefoltert, ließ Anwar R. am Montag vor dem Koblenzer Oberlandesgericht über seine Verteidigung erklären. Auch den Vorwurf der Vergewaltigung wies er zurück - dies sei "gegen unsere Religion". Er sei aus Syrien geflüchtet, weil er die staatlichen Vergehen nicht habe mittragen wollen. R. drückte den Opfern sein Bedauern aus.

Die Berliner Menschenrechtsorganisation European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) kritisierte die Stellungnahme. "Anwar R. versucht offensichtlich, seine Rolle herunterzuspielen, indem er sagt, er habe Befehle befolgt", erklärte ECCHR-Generalsekretär Wolfgang Kaleck. R. habe seine Karriere in der syrischen Regierung noch vor 2011 gemacht. Das ECCHR glaube nicht, dass R. eine untergeordnete Rolle gespielt habe.

R. steht im weltweit ersten Prozess um Mord und Folter durch den syrischen Staat wegen 58-fachen Mordes sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht. Nach Überzeugung der Anklage war er der militärische Vorgesetzte des berüchtigten Al-Khatib-Gefängnisses in Damaskus.

Unter seiner Befehlsgewalt sollen zwischen April 2011 und September 2012 mindestens 4000 Häftlinge während ihrer Inhaftierung mit Schlägen, Tritten und Elektroschocks gefoltert worden sein. Mitangeklagt ist Eyad A, dem Beihilfe vorgeworfen wird. Beide Männer sollen dem syrischen Geheimdienst angehört haben.