Rebensburg verpasst Sieg in Lienz hauchdünn

Viktoria Rebensburg hat beim Riesenslalom in Lienz Siegchancen

Es fehlte nicht viel, und Viktoria Rebensburg hätte das Jahr beendet, wie sie in diesen olympischen Winter gestartet war: mit einem Sieg in ihrer Lieblingsdisziplin.

Beim Riesenslalom im österreichischen Lienz, dem 400. Frauen-Weltcup in dieser Disziplin, musste sich die Olympiasiegerin von 2010 aber denkbar knapp - mit vier Hundertstelsekunden Rückstand - Federica Brignone aus Italien geschlagen geben.

"Es war ein solides Rennen. Mit einem zweiten Platz kann man zufrieden sein", sagte Rebensburg am Fuße des Schlossbergs - wer sie kennt, der ahnte: Sie ärgerte sich auch ein wenig, dass es nicht zum dritten Saisonsieg gereicht hatte. Und deshalb ergänzte die 27 Jahre alte Ausnahmekönnerin auch erwartungsgemäß: "Ja, also im ersten Moment knabbert man schon ein bisschen an diesen vier Hundertstel."

Immerhin: Nach dem kleinen Zwischentief vor Weihnachten mit einem bösen Sturz im Super-G in Val d'Isere und einem 14. Rang im Riesenslalom in Courchevel zwei Tage später war sie wieder auf der Höhe ihrer Schaffenskraft. Die Weihnachtspause, sagte sie, sei "extrem wichtig und nötig" gewesen, "um zu Hause meine Akkus aufzuladen". Den furchterregenden Sturz zu verarbeiten, "hat natürlich auch ein paar Tage gedauert".

Rebensburg führt nach erstem Lauf

Diese letzten Tage vor Weihnachten seien "nicht ganz einfach" gewesen, "aber jetzt ist alles wieder perfekt", hatte Rebensburg vor dem Start des letzten Rennens im Jahr 2017 betont - prompt lag sie nach dem ersten Lauf vorne, 0,05 Sekunden vor Mikaela Shiffrin (USA). Im Finale baute sie ihren Vorsprung auf Brignone auf 0,20 Sekunden aus, verlor dann aber noch Sekundenbruchteil um Sekundenbruchteil auf der schwer zu fahrenden Piste.

"Im Riesenslalom ist die Dichte von allen Disziplinen die größte und dadurch eine echte Challenge für uns alle. Vier Hundertstel, das ist nur ein Wimpernschlag", sagte Rebensburg. Vier Hundertstel, das war auch ihr Vorsprung auf die drittplatzierte Shiffrin, der sie nach der Hälfte der Riesenslalom-Rennen in diesem Winter die Führung in der Weltcup-Wertung abjagte: 13 Punkte beträgt Rebensburgs Vorsprung auf die Amerikanerin. 

Auch wenn es kein Sieg war: Der zweiten Platz hat Signalwirkung. "Den kann ich sicher gut brauchen für Januar", sagte Rebensburg - und mindestens ebenso brauchbar ist ihre erneut hervorragende Leistung mit Blick auf Olympia. Dorthin wird die Olympiasiegerin von 2010, Olympiadritte von 2014 und WM-Zweite von 2015 mit der Gewissheit fahren können, dass sie um Gold mitfahren kann. Das nötige Selbstvertrauen sammelt sie gerade weiter an.

Der zweite Platz, bestätigte Rebensburg, "ist ein super Resultat, auch als Abschluss des Jahres". Und, das schob sie noch nach, sie habe "sicher noch ein bisschen Luft nach oben".