Hat Virtual Reality eine Zukunft?

Motley Fool beitragende Investmentanalysten

Alle setzen große Hoffnungen auf Virtual Reality. Das Versprechen ist einfach so riesig…

Wer einmal ein VR-Headset aufhatte, wird das bestätigen können. Vor zwei Jahren durfte ich mal eine VR-Achterbahn fahren. Letztes Jahr saß ich inmitten einer VR-Sinfonie. Beide Male hat es mich richtig intensiv gepackt.

VR ist eine Technologie, die die Unterhaltungsindustrie grundlegend verändern könnte, aber sie ist auch für andere Anwendungen denkbar. OPs im Krankenhaus, Firmen-Videokonferenzen oder Simulationen im militärischen Bereich sind andere Gebiete, die logisch erscheinen.

Mit potenziell unbegrenzten Möglichkeiten begannen Branchenkenner, riesige Wachstumsprognosen vorzulegen. International Data Corporation geht davon aus, dass der globale Markt für Virtual und Augmented Reality von 14 Milliarden Dollar in diesem Jahr auf 143 Milliarden Dollar im Jahr 2020 wachsen wird. Das ist eine Verzehnfachung für die gesamte Branche in nur drei Jahren – eine irre Prognose!

Allerdings scheint das riesige Wachstum von VR immer nur kurz bevorzustehen. Wird es bald tatsächlich fantastische Zulagen auf dem Markt geben, oder wird VR weiterhin im Leerlauf bleiben?

Pokémon als Proof of Concept

Möglicherweise war das beste Beispiel für die Zukunftsaussichten von VR Nintendos (WKN:864009) Pokemon Go im Sommer 2016. Das Augmented-Reality-Spiel vermischte digitale Charaktere mit realen Orten, an denen die Spieler mit ihren Smartphones durch reale Straßen navigieren konnten, um Pokemons zu „fangen“. Das Spiel war kostenlos, aber Nintendo hat im Spiel für „PokeBalls“, die Spielern erlaubt, mehr Pokemon zu fangen, Geld verlangt.

Egal welche Metrik man ansetzte, das Spiel war ein Riesenerfolg. Es wurde am Wochenende der Veröffentlichung im App Store schnell zum meist heruntergeladenen Spiel aller und wies innerhalb von drei Wochen 50 Millionen Android-Downloads auf. Im ersten Monat hatten die Spieler zusammengerechnet mehr Kilometer zu Fuß zurückgelegt als die Entfernung von der Erde zum Pluto. Bis heute hat das Spiel 1,2 Milliarden Dollar Umsatz generiert und wurde mehr als 750 Millionen Mal heruntergeladen – fast 10% der Weltbevölkerung hatte es auf dem Smartphone.

Der Erfolg des Spiels war auch für die Investoren ein großer Segen. Seit der Veröffentlichung von Pokemon Go im letzten Sommer hat sich der Aktienkurs von Nintendo verdreifacht. Das Spiel diente als Beweis dafür, dass die Öffentlichkeit tatsächlich in der Lage war, Augmented Reality zu verstehen und bereitwillig zu akzeptieren.

Was bringt uns VR tatsächlich?

Aber diejenigen, die der Zukunft von VR kritisch gegenüberstehen, weisen darauf hinweisen, dass ein ähnlicher Erfolg seitdem ausgeblieben ist. Pokemon Gos Beliebtheit ist nicht mehr so groß wie einst. Auch überraschend: niemand hat ernsthaft versucht, Pokemon zu kopieren.

Ein Grund ist vielleicht, dass die Hardware immer noch zu teuer ist. Für Pokemon Go braucht man bloß ein Smartphone, aber echte VR erfordert ernsthafte Investitionen, für die Headsets und High-Performance-Computer für die hochauflösende Grafik benötigt werden.

Eine Vielzahl von Anbietern bietet Headsets an. HTCs Vive und Facebooks (WKN:A1JWVX) Oculus Rift Virtual-Reality-Headsets kamen Anfang 2016 zu Preisen von 800 Dollar bzw. 600 Dollar auf den Markt. Diese Preise waren für den Massenmarkt zu hoch, und nur ernsthafte Gaming-Fans schlugen bislang zu.

Die alte Huhn-und-Ei-Situation: Ohne ein ausreichend großes Publikum würden Medienunternehmen keine VR-Inhalte produzieren. Aber ohne genügend herunterladbare Inhalte würden die Verbraucher nichts für die Headsets ausgeben.

Was die Zukunft bringt

Nun sind die Preise mittlerweile gesunken. Facebook ließ den Preis für den Oculus Rift in diesem Sommer vorübergehend auf 400 Dollar fallen, während HTC den Preis für den Vive dauerhaft auf 600 Dollar fallen ließ. Beide Unternehmen haben auch preiswertere Modelle auf den Markt gebracht, wobei der Oculus Go jetzt für 200 Dollar erhältlich ist und HTC kürzlich ein neues drahtloses Headset angekündigt hat. Und Samsungs (WKN:881823) Gear VR Headset, das direkt an seine Galaxy Smartphones angeschlossen wird, wird für rund 100 Dollar angeboten. Insgesamt wurden letztes Jahr 6 Millionen VR-Headsets ausgeliefert, und das Gear machte drei Viertel davon aus.

Ich glaube, dass die derzeitigen Branchenprognosen zu optimistisch sind, dass es VR aber letztendlich gelingen wird, den Mainstream zu erreichen. Sobald hochwertige, kabellose Headsets die 200 Dollar-Preisgrenze des Massenmarkts erreicht haben, die für Weihnachtsgeschenke relevant ist, dürfte es losgehen. Der Rückgang der Kosten wird durch eine deutlich gestiegene Nachfrage kompensiert, die das Interesse an Werbung, Software und Inhalten, die für den Aufbau des VR-Ökosystems notwendig sind, wecken wird.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Facebook. Dieser Artikel von Simon Erickson erschien am 25.11.17 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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