Das hat er jetzt bei Siemens vor

Der Vertrag mit Siemens-Chef Kaeser wurde um zweieinhalb Jahre verlängert. Der Aufsichtsrat lobte sein Engagement in der Neuausrichtung des Konzerns. Neue Infos gibt es zum geplanten Börsengang der Medizintechniksparte.


Siemens-Chefaufseher Gerhard Cromme war am Donnerstag voll des Lobes: „Herr Kaeser hat die Neuausrichtung von Siemens in den vergangenen Jahren mit großem Engagement und Unternehmergeist vorangetrieben“, erklärte er in München. „Er ist nicht nur Garant des Erfolges, sondern auch der Stabilität in zunehmend unruhigen Zeiten.“ Siemens-Chef Joe Kaeser bleibt nun weitere zweieinhalb Jahre an der Spitze des Konzerns. Der Aufsichtsrat verlängerte das Mandat Kaesers bis zur Hauptversammlung im Jahr 2021.

Kaesers Weg als Reformer bei Siemens begann im August 2013, als er den Posten des Vorstandschefs von Peter Löscher übernahm. Es folgten arbeitsreiche Jahre: Kaeser verordnete dem Unternehmen einen radikalen Umbau. Mit seiner „Vision 2020“ richtet er Siemens auf die wachstumsträchtigen Geschäftsfelder Digitalisierung, Automatisierung und Elektrifizierung aus.

Hier habe man zwar bereits viel erreicht – es gebe aber auch noch viel zu tun, erklärte der Siemens-Chef. „Zusammen mit dem globalen Führungsteam wollen wir bei Siemens den industriellen digitalen Wandel gestalten und unser Unternehmen auf die nächste Generation gut vorbereiten.“



So will Siemens etwa seine Medizintechniksparte im kommendem Jahr an die Börse bringen. Die Erstnotiz solle mit dem Verkauf neuer Aktien an Anleger im ersten Kalenderhalbjahr 2018 erfolgen, teilte der Technologiekonzern am Donnerstag mit. Siemens äußerte sich damit erstmals zu Zeitplan und Form des bereits in Aussicht gestellten Börsengangs. Bisher stand auch im Raum, dass Siemens alternativ die neuen Aktien an die eigenen Investoren verschenken oder die Medizintechnik-Sparte mit einem bereits börsennotierten Unternehmen fusionieren könnte.

Die Sparte mit dem Namen Healthineers wuchs im dritten Geschäftsquartal im Rahmen der Markterwartungen und steigerte den Quartalsumsatz um vier Prozent auf 3,36 Milliarden Euro. Das Ergebnis kletterte um neun Prozent auf 579 Millionen Euro. Der Auftragseingang legte auf vergleichbarer Basis um drei Prozent auf 3,46 Milliarden Euro zu. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten einen Spartenumsatz von 3,38 Milliarden Euro und ein Ergebnis von 578 Millionen Euro erwartet.


Joe Kaeser bremst Erwartungen an schnelle Eisenbahn-Fusion


Der gesamte Siemens-Konzern schnitt hingegen schwächer ab als von Branchenexperten prognostiziert. Im Konzern stiegen die Erlöse im abgelaufenen Quartal auf vergleichbarer Basis um drei Prozent auf 21,41 Milliarden Euro. Der Auftragseingang schrumpfte um neun Prozent auf 19,82 Milliarden Euro. Die Windkrafttochter Siemens Gamesa hatte bereits von rückläufigen Geschäften berichtet, der Gewinn im Industriegeschäft legte hingegen um drei Prozent auf 2,25 Milliarden Euro zu.

Analysten hatten mit einem Umsatz von 21,78 Milliarden Euro, einem Auftragseingang von 21,43 Milliarden Euro und einem Gewinn im Industriegeschäft von 2,41 Milliarden Euro gerechnet.

Vorstandschef Kaeser bekräftigte jedoch die Erwartung, dass der Konzernumsatz im gesamten Geschäftsjahr 2016/17 bis Ende September leicht wächst und das Ergebnis je Aktie auf 7,20 bis 7,70 Euro von 6,74 Euro im vergangenen Jahr steigt.



Die Erwartungen an eine rasche Fusion der Eisenbahn-Sparte mit einem Konkurrenten bremste er hingegen. "Natürlich wird man eine starke Nummer zwei bauen müssen", sagte Kaeser. Die Branche müsse darauf reagieren, dass - fast unbemerkt von den Wettbewerbsbehörden - in China durch die Fusion der Nummer eins und zwei der Weltmarktführer CRRC entstanden sei. "Aber ich würde nicht darauf wetten, dass es schnell geht." Das Geschäft von Siemens in dem Bereich sei "in gutem Zustand".

Den Namen des kanadischen Rivalen Bombardier, mit dem Siemens Insidern zufolge über eine Zusammenlegung des Zug- und des Signaltechnik-Geschäfts spricht, erwähnte Kaeser nicht. Die Gründung zweier Gemeinschaftsunternehmen zwischen Siemens und Bombardier sollte am Mittwoch Thema im Siemens-Aufsichtsrat sein, wie mehrere Insider zuvor verlauten ließen. Sitz beider Joint Ventures solle Berlin sein. Dem Vernehmen nach gibt es dazu aber noch eine Reihe offener Fragen, das Thema sei sehr komplex, hieß es. Zur nächsten turnusmäßigen Sitzung des Kontrollgremiums Ende September könnte die mögliche Allianz dann wieder auf die Tagesordnung kommen.