Warum hat niemand Fresenius auf der Rechnung?

Robin Gey, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Nur wenige Aktien konnten in den letzten Wochen dem Gesamtmarkt trotzen und eine positive Performance aufweisen. Die Aktie des deutschen Gesundheitskonzerns Fresenius (WKN: 578560) gehört nicht dazu. Dabei gilt das Geschäftsmodell von Fresenius eigentlich als sehr krisensicher. Daher werfen wir doch einfach mal einen Blick auf die drei größten Geschäftsfelder von Fresenius und schauen, inwiefern sie von der Coronakrise betroffen sind.

Fresenius Medical Care (FMC)

Mit einem Umsatz von 17,3 Mrd. Euro im Jahr 2019 ist FMC der größte Geschäftsbereich von Fresenius. FMC hat sich auf Dienstleistungen für Dialysepatienten spezialisiert. In einem Netz von knapp 4.000 Dialysezentren werden rund 10 % aller weltweiten Dialysepatienten von FMC behandelt. Neben den reinen Dienstleistungen ist FMC auch der weltweit führende Anbieter von Produkten für Dialysebehandlungen, wie zum Beispiel Geräte und Filter. Da es sich bei den Dialysepatienten um chronisch erkrankte Menschen handelt, die ohne die regelmäßige Dialysebehandlung nicht leben können, wird der Umsatz von FMC auch durch die Coronakrise nicht komplett einbrechen. Sicherlich könnte es zu Umsatzrückgängen kommen, da Dialysepatienten auch der Risikogruppe für COVID-19 angehören, jedoch sollten diese Umsatzrückgänge für FMC nicht existenzbedrohend werden.

Fresenius Helios

Helios ist der größte private Klinikbetreiber Europas. Der Fokus liegt dabei in erster Linie auf Deutschland und Spanien. In Deutschland betreibt Helios 86 Krankenhäuser mit rund 1.000 Intensivbetten. In Spanien sind es 50 Krankenhäuser mit rund 400 Intensivbetten. Aufgrund der aktuellen Coronakrise stockt Helios seine Kapazitäten massiv auf. In Deutschland soll die Zahl der Intensivbetten auf ca. 1.500 gesteigert werden und in Spanien wurde die Zahl der Intensivbetten bereits massiv ausgebaut. Somit sollte die Coronakrise für Helios zwar sehr fordernd werde, da insbesondere in Spanien die Krankenhäuser aktuell bereits weit über ihrem Kapazitätslimit arbeiten müssen, jedoch sollten die wirtschaftlichen Folgen für Helios tendenziell eher positiv sein.

Unsicherheit entstand in den letzten Tagen dadurch, dass es Berichte über mögliche Verstaatlichungen von privaten Krankenhäusern in Spanien gab. Helios nimmt dazu in einer aktuellen Meldung Stellung und sagt, dass diese Spekulationen jeder Grundlage entbehren. Helios arbeitet in Spanien eng mit den Gesundheitsbehörden zusammen, um die weitere Eindämmung des Coronavirus zu erreichen. Daher unterstützt Helios auch die Regelung, dass die spanische Regierung im Rahmen des Ausnahmezustandes alle Krankenhäuser des Landes unter ihren direkten Zugriff stellen kann. Nur durch diese zentrale Anlaufstelle können alle Ressourcen der spanischen Krankenhäuser gebündelt und möglichst effektiv auf die verschiedenen Teile des Landes verteilt werden.

Fresenius Kabi

Kabi ist ein weltweit operierendes Unternehmen, das Arzneimittel und Medizinprodukte herstellt. Es verfügt über ein sehr breit diversifiziertes Produktportfolio und die meisten dieser Produkte werden auch trotz der Coronakrise von den Patienten benötigt. Die Erfahrungen aus China zeigen zudem, dass Kabi die Produktion trotz zeitweiser Quarantänemaßnahmen ohne große Unterbrechungen aufrechterhalten konnte. Dadurch konnte zum einen die Versorgung der chinesischen Bevölkerung mit wichtigen Arzneimitteln sichergestellt werden und zum anderen sollten auch die Umsätze von Kabi nicht sehr stark unter den Maßnahmen in China gelitten haben.

Ist Fresenius jetzt ein Schnäppchen?

Fassen wir es also zusammen. Die Patienten von FMC werden trotz der Ausbreitung von Corona weiterhin auf ihre Dialysebehandlungen angewiesen sein. Helios stockt aufgrund der Coronakrise seine Kapazitäten auf und arbeitet teilweise über dem eigentlichen Kapazitätslimit. Und auch Kabi konnte in China trotz der Coronakrise seine Produktion ohne große Unterbrechungen fortführen und so die Versorgung der Bevölkerung mit wichtigen Arzneimitteln und Medizinprodukten gewährleisten. Das alles deutet darauf hin, dass Fresenius durch die Coronakrise kaum finanziellen Schaden erleiden sollte.

Trotzdem ist der Kurs der Fresenius-Aktie in den vergangenen Wochen um über 30 % gefallen. Dadurch ist die Aktie nun mit einem KGV von 9,8 (Stand: 26.03.2020) niedriger bewertet als zu Zeiten der Finanzkrise (KGV am 01.01.2009: 14,2). Aus meiner Sicht ergibt sich daher für langfristige Investoren jetzt die Gelegenheit, eines der erfolgreichsten deutschen Unternehmen der letzten Jahrzehnte, das zudem auch in Zukunft weiter wachsen möchte, zu einem sehr günstigen Preis zu bekommen. Nicht zu vergessen ist auch, dass Fresenius der einzige Dividendenaristokrat im DAX ist und durch den Kursrückgang ist die Dividendenrendite mit 2,5 % (Stand: 26.03.2020) ebenfalls durchaus interessant geworden.

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Robin Gey besitzt Aktien von Fresenius. The Motley Fool empfiehlt Aktien von Fresenius.

Motley Fool Deutschland 2020