Hier hat Leipzig Dortmund schon überholt

Moritz Löhn
·Lesedauer: 5 Min.

Am Samstagabend steigt das Top-Duell der Verfolger in der Bundesliga. RB Leipzig empfängt Borussia Dortmund. Der Zweite spielt gegen den Vierten (Bundesliga: RB Leipzig - Borussia Dortmund am Samstag ab 18.30 im LIVETICKER).

Mit einem Erfolg gegen die Westfalen würde RB an die Tabellenspitze klettern und den BVB deutlich distanzieren.

Doch die Partie bietet mehr als nur den Kampf um die drei Punkte. Sie liefert eine klares Statement: Wer darf aktuell den Platz als (zumindest) zweite Kraft in Fußball-Deutschland für sich beanspruchen?

Lange Jahre hatte der BVB diese Position inne. Nach den Meistertiteln 2011 und 2012 startete der FC Bayern einen nie dagewesenen Lauf in der Meisterschaft. Aktuell stehen acht Meistertitel in Folge zu Buche. In dieser Zeit galten die Schwarz-Gelben immer als der ärgste Verfolger der Bayern. In einigen Jahren wurde ihnen sogar der Titel zugetraut. Doch geklappt hat es nicht mehr mit dem großen Wurf.

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Und mittlerweile stellt sich nicht mehr die Frage, ob Dortmund die Bayern noch einholt, sondern eher, ob Dortmund überhaupt noch Verfolger Nummer eins ist. RB Leipzig hat den Borussen Stück für Stück den Rang abgelaufen. Zwar wurden die Sachsen in den vergangenen beiden Jahren nur Dritter hinter dem BVB. Doch vor allem das Erreichen des Champions-League-Halbfinals in der vergangenen Saison sorgte für Aufsehen.

Akanji findet RB-Anspruch ungerechtfertigt

"Ehrlich gesagt finde ich noch nicht, dass Leipzig das Recht hat, den Platz als zweite Kraft hinter Bayern in Anspruch zu nehmen", sagte BVB-Verteidiger Manuel Akanji im SPORT1-Interview. "Ich habe in meinen fast drei Jahren mit Dortmund noch nie gegen Leipzig verloren. Wir haben über Jahre hinweg bewiesen, dass wir hinter Bayern die Nummer zwei sind. Das wollen wir am Wochenende mit einem Sieg untermauern."

In diesem Jahr steht RB nach 14 Spielen sechs Punkte vor dem Konkurrenten aus dem Westen. Dass das aber noch nichts zu bedeuten hat, zeigte die Vorsaison, in der die Mannschaft von Julian Nagelsmann Herbstmeister wurde. Trotzdem liegt eine Wachablösung in der Luft. SPORT1 stellt deshalb die Frage: In welchen Bereichen hat RB Leipzig den BVB schon jetzt überholt? (Tabelle der Bundesliga)

Die Abwehr: RB Leipzigs Bollwerk

Die Leipziger Defensive ist seit einigen Jahren eine der besten der Bundesliga. In dieser Saison ist sie mit nur neun Gegentoren nach 14 Spielen herausragend gut. Die zweitbeste Abwehr stellt Leverkusen mit fünf Gegentreffern mehr. Borussia Dortmund hat sogar schon 18 Tore gefangen.

Neben den nackten Zahlen ist die Art und Weise bemerkenswert, wie diese Werte zustande kamen. Während Dortmund in der Vergangenheit ständig Probleme mit dem Abwehrsystem hatte und Lucien Favre weder mit der Vierer- noch mit der Fünferkette gänzlich zufrieden war, ist RB unglaublich flexibel. Egal, ob Nagelsmann vier oder fünf Mann in der Defensive aufbietet: Das Abwehrbollwerk steht.

Die Kaderbreite: Leipzigs großer Vorteil

Diese Variation in der Defensive ist nur durch einen entscheidenden Faktor möglich: Leipzigs Kaderbreite. Julian Nagelsmann hat auf jeder Position mehrere gleichwertige Spieler zur Verfügung und weiß diesen Umstand clever für sich zu nutzen. Andere Vereine laufen in der eng getakteten Corona-Saison auf dem Zahnfleisch, während RB unfassbar gierig wirkt.

Im Gegensatz dazu hat der BVB enorm mit den Ausfällen einzelner Spieler zu kämpfen. Am schwersten trifft es den Verein, wenn Top-Stürmer Erling Haaland nicht zur Verfügung steht. Im Kader steht mit Youssoufa Moukoko nur ein weiterer echter Zentrumsstürmer, der gerade einmal 16 Jahre alt ist. Fällt Haaland aus, fällt Dortmund meistens nichts ein. (Spielplan der Bundesliga)

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Die internationalen Leistungen: Champions-League-Halbfinalist RB

In den europäischen Wettbewerben hat die Borussia aufgrund ihrer weitaus längeren Geschichte logischerweise mehr Erfolge vorzuweisen. Doch aktuell ist es RB Leipzig, das in der Champions League für Furore sorgt.

Zunächst durch das Erreichen des Halbfinals in der Vorsaison. Mit Siegen über Tottenham und Atlético Madrid auf dem Weg dorthin. Und in dieser Saison durch das sensationelle Weiterkommen in der Hammergruppe mit Paris Saint-Germain und Manchester United. Wobei der englische Rekordmeister in einem beeindruckenden Endspiel mit 3:2 nach Hause geschickt wurde. (Spielplan der Champions League)

Dortmund dagegen qualifizierte sich ohne besonders zu glänzen in einer vergleichsweise einfachen Gruppe für das Achtelfinale und hätte am letzten Spieltag sogar beinahe noch die Tabellenführung abgegeben. Das ist zwar nur eine Momentaufnahme, aber aktuell steht RB international wesentlich besser da als der BVB. (Tabellen der Champions League)

Der Trainer: Julian Nagelsmann

Die vielleicht wichtigste Kategorie, die alle anderen maßgeblich beeinflusst, ist der Trainer. In dieser liegt Leipzig momentan meilenweit vorne. Während Dortmund Lucien Favre kürzlich entließ und es jetzt vorerst bis zum Saisonende mit dem jungen Edin Terzic probiert, haben die Roten Bullen einen der begehrtesten Trainer der Fußballwelt an der Seitenlinie.

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Auch die Schwarz-Gelben wollten Nagelsmann vor zwei Jahren verpflichten, doch dieser entschied sich für die Sachsen. Was sich als voller Erfolg erwies.

Die Mannschaft machte unter Nagelsmann den nächsten Schritt, vom Top-Team in der Bundesliga zum Klub mit internationaler Klasse. Dass Nagelsmann wie in der Vergangenheit oft spekuliert bald selbst beim BVB übernehmen könnte, ist keine Option mehr. Für den Trainer wäre das keine höhere Stufe auf der Karriereleiter: "In Bezug auf Borussia Dortmund gibt es keinen Grund, nervös zu werden", sagte er zu dem Thema.

Gewinnt RB heute gegen die Borussia, dürften höchstens einige Herren im Süden der Republik langsam ein Kribbeln verspüren.