Darum investierte ein ehemaliger Morgan Stanley-Mitarbeiter mit seinem 30-Millionen-Dollar-Fond "fast ausschließlich" in den Ethereum Merge

Der Ethereum Merge wurde in der Krytposzene lange erwartet. - Copyright: istock
Der Ethereum Merge wurde in der Krytposzene lange erwartet. - Copyright: istock

In den vergangenen Monaten hat der Ethereum Merge die Aufmerksamkeit vieler potenzieller Investoren auf sich gezogen, von Privatkunden bis hin zu institutionellen Akteuren. Jetzt ist der Ethereum Merge abgeschlossen und die kommenden Tage werden zeigen, ob alles reibungslos verlief. Die Hoffnungen von Investoren sind groß, dass das das Vertrauen in die Kryptowährung den Wert stabilisieren wird.

Die Citigroup beispielsweise sagte in einem kürzlich veröffentlichten Bericht, dass Ether – die ursprüngliche Kryptowährung des Ethereum-Netzwerks – nach dem Upgrade sowohl deflationär als auch renditeträchtig werde.

Die Kryptomärkte schienen sich aufgrund des Hypes um das Upgrade im August zu erholen. Ethereum stieg da sogar zwischenzeitig innerhalb einer Woche um mehr als 40 Prozent. Seitdem ist der Token jedoch aufgrund schwieriger makroökonomischer Bedingungen und Inflationssorgen ins Straucheln geraten, sodass sich die Anleger vorerst von spekulativen Anlagen fernhalten.

Einige Händler haben den Merge erst kürzlich als Investitionsmöglichkeit ins Auge gefasst. Andere beschäftigen sich schon seit über einem Jahr mit der technischen Aufwertung.

Hal Press ist einer der frühen Marktteilnehmer, der den Merge vor etwa 18 Monaten als "relevantes Ereignis aus Investorensicht" beschrieben hat. Damals war er ein leitender Analyst bei Maverick Capital. Später gründete er den Krypto-Hedgefonds North Rock Digital und machte den Ethereum Merge zur ersten großen Wette des Unternehmens.

Press sagt, dass er den Fonds "fast ausschließlich zur Investition in den Merge" gegründet hat, dass North Rock Digital aber auch nach dem Netzwerk-Upgrade weiterhin nach "überzeugenden" Kryptowährungen suchen wird.

"Meine Philosophie als Investor ist es, im Grunde, die Hände in den Schoß zu legen und auf alle Ideen mit geringer bis mittlerer Überzeugungskraft zu verzichten und auf Ideen mit hoher Überzeugungskraft zu warten", so Press, der zuvor auch bei Morgan Stanley tätig war, im Gespräch mit Business Insider. "Sobald die Ideen mit hoher Überzeugungskraft auftauchen, sollte man wirklich tiefergehend zu recherchieren und sie angemessen monetarisieren."

North Rock Digital ist laut Press gegenüber Kryptowährungen eher verhalten eingestellt, Ethereum stellt für den 30-Millionen-Dollar-Fonds eine Ausnahme dar.

Woher kommt die hohe Überzeugung für Ethereum?

Der Merge, bei dem Ethereum von einem Proof of Work (PoW) auf ein Proof of Stake (PoS) Modell umstellen wurde, wird den Energieverbrauch des Netzwerks um mehr als 99 Prozent senken. Die Umstellung wird sich aber noch nicht mit der Kritik an den Energiekosten und der Skalierbarkeit befassen.

Das Upgrade könnte jedoch auch den Wert von Ethereum für seine Token-Inhaber weiter erhöhen. Derzeit gibt es laut Press "keine Verbindung" zwischen dem, was ein Inhaber besitzt, und den Einnahmen, die das Netzwerk unter dem PoW-Modell generiert hatte. Dies ändert sich jedoch bei PoS, wo die Inhaber "plötzlich" auch Gebühren einnehmen können.

Press weiter: "Sie bekommen es direkt ausgeschüttet, wenn sie sich beteiligen, und der Rest wird verbrannt … Um es mit Aktien gleichzusetzen: es ist eine effektive aktienbasierte Dividende und ein Aktienrückkauf. Ethereum hat damit eine Gewinnspanne von 100 Prozent, weil das Netzwerk im Grunde keine Ausgaben hat."

"Der Grund, warum ich denke, dass die Fusion von einem Investitionsstandpunkt aus bedeutsam ist, ist, dass ich den gesamten Krypto-Raum durch eine Linse von Flüssen betrachte", sagte er und fügte hinzu, dass "letztendlich das, was die Preise bewegt, der Fluss der Mittel ist, nicht die Fundamentaldaten."

Press weiter: "Nichts bewegt den Preis direkt, außer dem Geldfluss, vor allem bei Kryptowährungen, wo die Fundamentaldaten undurchsichtiger sind. Es dreht sich alles nur um die Geldflüsse. Die Kryptoindustrie als Ganzes hat ein Problem. Es ist das, was ich als strukturelle Flussindustrie bezeichne, was bedeutet, dass es jeden Tag einen strukturellen Verkäufer gibt."

Das liege daran, so Press, dass "Krypto im Großen und Ganzen ein negatives Nettoeinkommen hat" und dieses negative Nettoeinkommen über Token-Verkäufe finanzieren muss, was "strukturelle Nettoabflüsse erzeugt."

Ethereum wird Gleichgewicht erreich, sagt Press

Press' These ist, dass Ethereum bei den aktuellen Preisen ein Gleichgewicht erreicht hat, bei dem es Käufer gibt, die dieses strukturelle Angebot absorbieren. "Nach dem Merge wird es den strukturellen Verkäufer von Ethereum-Token, die Miner, jedoch nicht mehr geben und daher muss der Token-Preis steigen, um ein neues Gleichgewicht zu finden."

Kryptowährungen brauchen jeden Tag aktive Käufer, damit die Preise nicht sinken, sagt Press. "Das ist der Hauptunterschied zwischen Kryptowährungen und Aktien", so Press. "Es funktioniert in Zeiten einer sehr lockeren Geldpolitik, aber ansonsten eher nicht."

Ethereum ist laut Press auch eines der "wenigen Netzwerke, die jetzt tatsächlich echte Einnahmen generieren."

"Der Merge wird zum ersten Mal in der Geschichte ein Krypto-Asset mit struktureller Nachfrage schaffen, bei dem die Einnahmen tatsächlich dauerhaft höher sind als die Ausgaben", sagte er. "Dies wird eine Situation schaffen, in der es nicht mehr auf Zuflüsse ankommt, um die Preise aufrechtzuerhalten, sondern tatsächlich auf Verkäufer angewiesen ist, um einen Preisverfall zu verhindern."

Schließlich sei Ethereum nun auch aus Sicht der traditionellen Finanzwelt eine Anlageklasse, in die es sich zu investieren lasse. "Der Besitzer eines Tokens fängt jetztt an, tatsächlich Erträge zu erwirtschaften", sagt. Press.

Risiko hat auch eine Kehrseite

Bei jedem Versuch, hohe Renditen zu erzielen, gibt es immer auch eine Kehrseite und ein Risiko. Press sagte, er sei sich aber fast sicher, dass die Fusion "reibungslos" verlaufen ist.

"Es gibt bei allem Risiken. Es können technische Probleme auftreten", so Press. "Das könnte das Vertrauen der Menschen in Ethereum massiv beeinträchtigen, und das würde sich sehr negativ auf den Token-Preis auswirken." In den nächsten Tagen wird man laut Experten erkennen können, ob das Update erfolgreich wird.

Der Beitrag wurde von Tristan Filges aus dem Englischen übersetzt. Hier lest ihr das Original.