Nach Hass-Plakaten: DFB schickt Schiri-Flüsterer im Pokal

Patrick Berger

Nach den jüngsten Vorfällen im deutschen Profi-Fußball mit Protestbannern und Schmähungen gegen TSG-Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp reagiert der Deutsche Fußball-Bund. Wie SPORT1 exklusiv erfuhr, verstärkt der DFB für die Pokal-Viertelfinalspiele das Team der Offiziellen – und schickt zur Unterstützung der Referees einen Schiri-Flüsterer.

Beim Match zwischen Bayer 04 Leverkusen und Union Berlin (ab 17.30 Uhr live auf SPORT1 und auf SPORT1.de im Livestream) wird Manuel Hartmann, Abteilungsleiter Spielbetrieb beim DFB, als Schiri-Helfer agieren. 

Hintergrund: Die DFB-Gesandten sollen vor allem dem vierten Offiziellen – in Leverkusen Thorben Siewer aus Olpe – den Rücken freihalten und ganz genau beobachten, was auf den Tribünen passiert. Welche Banner werden von den Fans ausgerollt? Gibt es Botschaften, die zur Nutzung des Drei-Stufen-Plans und damit zu einer Unterbrechung führen?

Keller: "Können nicht länger wegschauen"

DFB-Präsident Fritz Keller: "Aus der besonderen Verantwortung des Fußballs heraus müssen wir bei Diskriminierungen oder personalisierten Gewaltandrohungen handeln und können nicht länger wegschauen. Wir müssen gemeinsam mit allen relevanten Akteuren diskutieren, wo bei Kritik, die selbstverständlich zulässig ist, auch wenn sie überzeichnet daherkommt, künftig die rote Linie verläuft." 


Vor den Anpfiffen in Leverkusen und Frankfurt findet ein separates DFB-Briefing mit dem Schiedsrichter-Gespann statt. Dort wird das heikle Thema noch mal genau besprochen.

Bei der Partie der Eintracht in Frankfurt gegen Werder Bremen (20.45 Uhr) wird DFB-Direktorin Heike Ulrich, die am Dienstagabend schon auf Schalke war, als Schiri-Flüsterin agieren. Ulrich musste in Gelsenkirchen nicht eingreifen.


"DFB durchaus kritikfähig"

Auf Schalke zeigten die Heim-Fans bei der 0:1-Pleite gegen den FC Bayern zwar Banner mit klaren Botschaften, die aber nach Ansicht des DFB zur freien Meinungsäußerung gehören. Beispiel: „Dementer Fußball-Bund: Zusage gegen Kollektivstrafen vergessen. Versucht ihr nur uns Fans mit Spielabbrüchen zu erpressen.“ Oder: „Wer im Glashaus sitzt, sollte zuerst mit C.T. reden. Ihr Heuchler!“

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Keller dazu: „Der DFB ist durchaus kritikfähig und lässt auch Kritik im Stadion zu. Der Verband ist harte Kritik gewohnt und kann damit umgehen. Aber noch einmal: Nicht tolerieren können wir personifizierte Gewaltandrohungen und erst recht kein diskriminierendes Verhalten. Mit einer Beschränkung der Meinungsfreiheit hat das nichts zu tun. Das sollte eine Selbstverständlichkeit und Konsens sein in unserer Gesellschaft. Daher ist es wichtig, dass hier klare Zeichen gesetzt werden.“