Harvey Weinstein soll aus US-Produzentenvereinigung ausgeschlossen werden

Harvey Weinstein im Mai in Cannes

Die US-Vereinigung der Filmproduzenten will den Hollywood-Mogul Harvey Weinstein wegen der gegen ihn erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe aus ihrem Verband ausschließen. Die Producers Guild of America (PGA) entschied am Montag einstimmig, ein Verfahren zur Beendigung von Weinsteins Mitgliedschaft einzuleiten. Dessen Produktionsfirma ist vor dem Hintergrund des Skandals ins Trudeln gekommen und befindet sich in Verkaufsverhandlungen mit einem Investmentfonds.

Weinstein erhalte die Möglichkeit, sich zu den Anschuldigungen zu äußern, bevor am 6. November eine endgültige Entscheidung über den Rauswurf getroffen werde, erklärte die Vereinigung am Montag nach einer Sitzung in Los Angeles.

"Sexuelle Belästigung ist in jeder Form völlig inakzeptabel. Sie ist ein systemisches und verbreitetes Problem, das eine unverzügliche und umfassende Reaktion unserer Industrie erfordert", heißt es in der Mitteilung der PGA.

Der Vorstand der Produzentenvereinigung, der aus 20 Frauen und 18 Männern besteht, setzte eine Arbeitsgruppe ein, die gegen sexuelle Belästigung kämpfen soll. Dabei solle es auch darum gehen, wie das Problem in der Filmindustrie "ausgelöscht" werden könne.

Die Oscar-Akademie hatte Weinstein bereits am Samstag aus ihren Reihen ausgeschlossen und erklärt, "sexuell aggressives Verhalten" werde in der Filmbranche nicht mehr geduldet.

Der lange einflussreiche Hollywood-Produzent Weinstein soll über drei Jahrzehnte hinweg Frauen sexuell belästigt haben. Rund 40 Frauen haben sich mit entsprechenden Vorwürfen gemeldet, unter anderen die Top-Schauspielerinnen Gwyneth Paltrow und Angelina Jolie. Mindestens fünf Frauen werfen Weinstein vor, er habe sie vergewaltigt.

Der Skandal sorgt bei dem von Harvey Weinstein und seinem Bruder Bob gegründeten Unternehmen Weinstein Company offenbar für finanzielle Schwierigkeiten. Die Firma teilte am Montag mit, dass sie sich in Verkaufsverhandlungen mit dem Investmentfonds Colony Capital befinde.

So soll die Zusammenarbeit zunächst für eine unmittelbare Finanzspritze sorgen und dann womöglich in einen vollständigen oder teilweisen Verkauf münden. Der Investor Colony Capital wurde von Tom Barrack gegründet, einem Vertrauten von US-Präsident Donald Trump.

Laut US-Medienberichten ist für Dienstag ein Vorstandstreffen angesetzt, bei dem über das weitere Schicksal der Weinstein Company beraten werden soll. Vier von sieben Vorstandsmitgliedern sollen ihren Posten bereits niedergelegt haben. Zwar wurde Gründer Harvey Weinstein zu Beginn des Monats entlassen, doch wird er immer noch als "Co-Vorsitzender" auf der Firmenwebseite aufgeführt.

Unterdessen betonten weitere Hollywood-Größen, dass sexuelle Übergriffe in der Branche kein Einzelfall sind. Filmproduzent Jeffrey Katzenberg sagte auf einer Konferenz des "Wall Street Journal", es gebe in Hollywood nicht nur Weinstein, sondern "ein ganzes Wolfsrudel". Er sei "nicht der einzige Akteur" in der ganzen Affäre.

Hollywood-Star Catherine Zeta-Jones bezeichnete Weinstein als "Dinosaurier"-Mann, der Frauen jage. Es sei zu hoffen, dass solche Männer bald aussterben.