Harvard-Forscher warnt: Wir bezahlen einen hohen Preis, um Google und Facebook umsonst nutzen zu können

Business Insider Deutschland
Google, Tinder, Snapchat und Dropbox

Googles Werbeerlöse kletterten im dritten Quartal um mehr als 21 Prozent auf 24,1 Milliarden Dollar und spielten wie im Vorquartal 87 Prozent des Konzernumsatzes ein. Wir hatten ein sagenhaftes Quartal, sagte Finanzchefin Ruth Porat. An dem Erfolg der Tech-Giganten aus dem kalifornischen Silicon Valley — von Google bis Facebook — gibt es auch große Kritik. „Im Valley geht es um das Abzapfen von Daten“, sagte Harvard-Forscher und Bestsellerautor Evgeny Morozov kürzlich im Interview mit der „Wirtschaftswoche“. Den Konzernriesen ginge es um „den Aufbau von Plattformen, die Suchtpotenzial haben. Um vernetzte Infrastrukturen, die unser gesamtes Alltagsleben in sich aufnehmen und steuern sollen.“

 Illusion eines digitalen Wohlfahrtsstaates

Morozov warnt, dass Privatleute zu wenig von den langfristigen Nachteilen für die Wirtschaft und Demokratie verstehen würden. Dass digitale Dienstleistungen wie E-Mails, Kurznachrichten und soziale Medien kostenlos sind, sollte uns zu bedenken geben. „Dabei handelt es sich im Grunde um eine Subvention, die sich die Konzerne dank der Datenabschöpfung leisten können — nicht zuletzt, um die Illusion eines digitalen Wohlfahrtsstaates zu erwecken, der von Internetplattformen aufgebaut und verwaltet wird“, sagte der Experte.

Das würde sich langfristig auf unsere Arbeitswelt auswirken, so seine Warnung. „Wenn aber Daten der Rohstoff zum Aufbau von selbstlernenden Systemen sind, dann hat das eben nicht nur Folgen für uns als Konsumenten, sondern auch für uns als Arbeitnehmer.“

„Wir haben es hier offenbar mit einer ganz neuen Form des Kapitalismus zu tun“

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Die Arbeitsweise der jungen Tech-Giganten würde die Wirtschaft neu erfinden, weil die Unternehmen sich kaum noch an die Finanzmärkte wagen würden — aus Angst von den Investoren und Teilhabern unter Druck gesetzt zu werden. „Wir haben es hier offenbar mit einer ganz neuen Form des Kapitalismus zu tun“, sagte er. Große Unternehmen wie etwa Uber würden lieber Geld privater Investoren einsammeln. „Sie existieren gleichsam außerhalb des Kapitalismus und sind keinen Kontrollmechanismen des Marktes unterworfen.“

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